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Coworking Space: Der "Schreibtisch in Prüm" kann bleiben

Mein, dein, unser Schreibtisch : Coworking Space: Der "Schreibtisch in Prüm" kann bleiben

Der „Schreibtisch in Prüm“, das Angebot mit günstigen, tageweise mietbaren Arbeitsräumen, bleibt bestehen: Die Verbandsgemeinde hat die Trägerschaft von der Entwicklungsagentur des Landes übernommen. Was den Nutzern hier besonders gefällt.

Für Heinz Bonefas bleibt der „Schreibtisch in Prüm“, so der Name des Angebots im ehemaligen Kreishaus, unschlagbar: Seit fünf Jahren hat er dort sein Büro und vertreibt, gemeinsam mit Geschäftspartner Heinz Fäte (der ganz woanders sitzt, nämlich im mittelfränkischen Schwabach), hochwertigen Wein.

„Besser geht es nicht“, sagt Bonefas. „Das Büro ist gut ausgestattet, es liegt mitten in der City. Und ich habe Ruhe.“

Denn gerade die Pandemie, in der viele Menschen ins Heimbüro wechselten, habe gezeigt: So einfach sei das auch nicht. Weil sich, zum Beispiel, Privates und Berufliches nicht immer sauber trennen lassen. „Hier aber kannst du ungestört arbeiten.“

Dass er genau dort bleiben will, liegt natürlich auch am Preis: Bonefas nutzt seinen Schreibtisch an fünf Tagen in der Woche und zahlt dafür 100 Euro im Monat. Und dafür, dass er dort die Infrastruktur nutzen kann: Telefon, Internet, Besprechungsraum, Küche.

In jedem der vier Büroräume stehen zwei Schreibtische, Solo-Zimmer gibt es nicht. Stört man dann nicht sein Gegenüber, wenn etwa viel zu telefonieren ist? Kein Problem, sagt Bonefas. „Da ist ja noch der Besprechungsraum.“

Bonefas ist jedenfalls so zufrieden mit dem Arbeiten im, so hieß es bisher, „Coworking Space“ (Raum zum gemeinsamen Arbeiten), dass er unbedingt bleiben will: „Ich würde auch 200 Euro bezahlen, das wäre überhaupt kein Thema.“

Vielleicht wird’s ja demnächst ein bisschen teurer: Denn die Entwicklungsagentur des Landes, die bisher das Pionierprojekt (Prüm war damit der erste Ort im Land, der TV berichtete) förderte, hat diese Woche die Trägerschaft an die Verbandsgemeinde (VG) übergeben. Auch der Kreis half mit und stellte den Trakt im ehemaligen Landratsamt den Prümern kostenlos zur Verfügung. Das aber, sagt Bürgermeister Aloysius Söhngen, werde sich ändern. Wie genau, zu welchem Preis, steht noch nicht fest.

Schwieriger Start für den Coworking Space in Prüm

Die Anlaufzeit vor knapp sechs Jahren, sagt Söhngen, sei durchaus zäh gewesen. „Da haben wir gedacht: Es kommen jetzt alle jungen Leute dieser Welt“, sagt er. Die kamen aber auch deswegen nicht, weil viele von ihnen ganz woanders sind: Es gebe hier eben kein universitäres Umfeld.

Aber dann kam doch Zug in die Sache, phasenweise waren alle acht Schreibtische besetzt, mit den unterschiedlichsten Nutzern. Wichtig sei die Flexibilität: So habe, zum Beispiel, eine Schulleiterin einen Arbeitsplatz an einem Wochentag gemietet, um ungestört administrative Tätigkeiten erledigen zu können. Andere brauchen ein Büro für den Übergang und sind nach wenigen Wochen wieder raus. Aktuell seien sieben Plätze besetzt, sagt Söhngen.

Mit rund 25.000 Euro, sagt Susanne Gill von der Entwicklungsagentur, habe man bisher jährlich das Angebot finanziert, bei Einnahmen in Höhe von 10.000 Euro. Aber, ergänzt Söhngen, es gehe nicht um Profitabilität: „Wir wollen damit kein Geld verdienen. Sondern den Leuten die Chance geben, auf die ihnen mögliche Weise zu arbeiten.“

Nutzer sind zufrieden mit dem „Schreibtisch in Prüm“

Neu dabei ist Tobias Ruderer: Er ist freiberuflicher Kommunikationsberater und vergangenen Sommer mit Frau und zwei Kindern aus Köln in die Eifel gezogen, nach Kopscheid in der VG Arzfeld. Warum? „Es war der Wunsch, auf dem Land zu wohnen.“

Auch in Köln, sagt er, habe er einen Coworking Space genutzt. Wie kam er an das Angebot in Prüm? „Ich habe im Internet gezielt danach gesucht. Ich habe ,Coworking Space’ und ,Prüm’ eingegeben – und war überrascht.“

Auch er zieht dieses Arbeiten dem Heimbüro vor: „Ich bin hier schneller, ich bin hier effizienter“, sagt Ruderer. Und zugleich sei Prüm der ideale Arbeitsplatz zwischen seinen Kölner und seinen Luxemburger Kunden.

Die Entwicklungsagentur spricht inzwischen nicht mehr von Coworking Spaces: Die von ihr betreuten Vorhaben, sagt Susanne Gill, heißen inzwischen „Dorfbüros“, das passe einfach besser. Inzwischen seien es elf in Rheinland-Pfalz (darunter in der Region eins in Ediger-Eller, VG Cochem, und eins in Wasserbilligerbrück, VG Trier-Land), immer auf Initiative der Kommunen eingerichtet, die sich darum bewerben müssen.

Die Agentur übernimmt dann die Startfinanzierung „für die Überbrückung der ersten drei schwierigen Jahre“, sagt Susanne Gill. Private Initiativen (in Trier, Dudeldorf und zuletzt, wie berichtet, in Bitburg) kommen dazu.

Deutlich wird aber auch: Im ländlichen Raum funktioniert eher das Angebot mit, soviel Anglizismus muss wohl sein, „Fixed Desks“, also fest zugeteilten Schreibtischen. In größeren Städten findet man dafür öfter „Flex Desks“, geräumige Arbeitszonen oder Gemeinschaftsbüros, in denen man von Tag zu Tag den Platz wechselt. Flexibel eben.

Dafür aber haben die Prümer Mieter ihren persönlichen Betreuer bei allen Fragen und bei technischen Problemen: Darum kümmert sich seit Beginn und zur Freude der Nutzer Rudolf Müller.