Da steht ein Reh auf der Flur

Da steht ein Reh auf der Flur

BITBURG/PRÜM. Früher als in anderen Jahren hat bei den Rehen die Paarungszeit begonnen. Autofahrer müssen daher vermehrt mit liebestollen Tieren auf der Straße rechnen.

Liebe macht blind. Das gilt nicht allein für die Menschen. Und Menschen stellen sich in ihrem Liebestaumel normalerweise auch nicht auf Straßen. Anders sieht die Sache bei Rehen aus. Böcke und Ricken sind derzeit im Paarungsfieber - und werden damit zur Gefahr. "Von den frühen Abendstunden bis zum frühen Morgen müssen Autofahrer derzeit mit Tieren auf den Straßen rechnen", sagt Gerd Grebener vom Kreisjagdverband Bitburg-Prüm. Schon jetzt haben sich im Kreisgebiet von Jahresbeginn bis Mitte Juli 656 Wildunfälle ereignet. Im Altkreis Prüm waren es 286, im Altkreis Bitburg 370. Am Ende des Jahres wird die Gesamtzahl dieser Unfallart vermutlich wieder bei rund 1100 liegen. Duftstoffe machen die Böcke wild

Der Sommer 2006 mit seinen hohen Temperaturen hat die Rehe besonders früh aktiv werden lassen. Mit ein Grund dafür ist, dass Getreidefelder in der Eifel in diesem Jahr früher als sonst abgeerntet wurden. Viele Rehe verlieren dadurch ihren schützenden Unterstand und wechseln stärker in den Wald. "Besonders gefährlich sind Wechsel zwischen zwei Waldstücken sowie Wechsel von Feld zu Wald", sagt Grebener. Und weil diese Beschreibung der Örtlichkeiten auf weite Teilbereiche des Bitburg-Prümer Straßennetzes zutrifft, lassen sich Schwerpunkte für die Gefahr durch liebestolle Rehe nur schlecht darstellen. Die Liste der gefährdeten Bereiche wäre einfach zu lang. Der Bedhard bei Bitburg, der Bereich der Nattenheimer Barriere oder die Verbindung von der A 60 zur Air-Base Spangdahlem sind nur einige gefährdete Bereiche. Aber was macht die Ricken und Rehböcke zu solch einer großen Gefahr? Zwei im Verhalten der Tiere festgelegte Muster sind es, die die Tiere unvermittelt auf Straßen auftauchen lassen. Einerseits verfolgen normalerweise allein umherstreifende Böcke ähnlich wie ein Schweißhund die Fährte einer brunftigen Ricke. Diese sendet in der Brunftzeit einen speziellen Duftstoff aus. Bei der Verfolgung werden selbst viel befahrene Straßen überquert. Und noch ein weiteres Merkmal des Paarungsrituals lässt die Tiere zur Gefahr werden: Bei Annäherung des Bocks flüchtet die Ricke in der Regel. Es kommt dann zu einer Hetzjagd, dem so genannten Treiben. Dieses Treiben kann durchaus über mehrere Kilometer gehen und führt quer durch die Landschaft. Auch dabei stellen Straßen kein Hindernis dar. Aufgrund dieser Verhaltensweisen sollten laut Gerd Grebener die Verkehrsteilnehmer einige Hinweise beachten. "Grundsätzlich sollten die Autofahrer langsam fahren und die Straßenränder gut beobachten", sagt der Jäger. Er rät zudem dazu, mit Fernlicht zu fahren, um die reflektierenden Augen der Tiere möglich früh zu erkennen. Stehen Tiere auf der Straße, soll abgeblendet und die Geschwindigkeit wenn möglich reduziert werden, um das Wild wechseln lassen. Dabei sollte auf nachfolgende Tiere geachtet werden. Ist dennoch ein Wildunfall geschehen (siehe Hintergrund), soll der Autofahrer anhalten und das Fahrzeug absichern. Danach sollte er die Polizei verständigen, die wiederum den jeweiligen Jagdberechtigten oder Jagdaufseher informiert. "Um die Suche nach einem verletzten Tier zu vereinfachen, sollte der Fahrer die Stelle markieren, an der er das Wild zum letzten Mal gesehen hat", sagt Grebener.

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