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Damals hieß es: Et hot geschellt

Damals hieß es: Et hot geschellt

HERFORST. Heutzutage liest man in der Zeitung, wenn in den Dörfern Veranstaltungen stattfinden, wenn Bürgermeister, Gruppierungen und Vereine etwas mitzuteilen haben, wenn etwas Besonderes los ist. Man liest die Bestimmungen der Verbandsgemeinden, politische Nachrichten und bekommt auch von der Pfarrei einen Gottesdienstplan.

Wie es früher war, daran erinnert sich TV-Leserin Rosi Nieder aus Herforst in ihrem Beitrag zu der Serie "Dorfgeschichten": Ältere unter uns können sich sicher noch daran erinnern, wie man früher Dorfnachrichten verbreitete. "Die Schell" ging rund. Ich weiß nicht mehr, bis wann es üblich war, ich kann mich nur noch erinnern, dass jemand "mat der Schell gohng". An bestimmten Stellen im Dorf machte er halt, klingelte kräftig mit seiner Schelle, Glocke oder Klingel, hielt ein wenig inne, bis sich die Leute aus ihren Häusern bewegt hatten, und verlas die offiziellen Nachrichten. "Bekanntmachung" war oft die Einleitung seines so laut wie möglich verlesenen Textes. Es handelte sich um Mitteilungen des Bürgermeisters, Verordnungen von Landes- oder Bezirksregierungen. Es wurde angesagt, wann die Männer zur Fron in den Wald gingen, wann Saatgut geliefert wurde und manchmal hieß es auch einfach nur: "Heute Abend um acht Uhr ist Versammlung im Bürgersaal." In Eifeler Platt natürlich, alle verstanden es. War gar nicht so schlecht, nicht wahr? Leider würde so etwas heute überhaupt nicht mehr funktionieren. Die Dörfer sind tagsüber fast leer, seit nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen zur Arbeit fahren und die Kinder mit Bussen zu größeren Schulen und Kindergärten gebracht werden. Sind sie dann abends zu Hause, so werden die Jalousien heruntergelassen und kein Mensch hört mehr, was draußen auf der Straße vor sich geht. Es ist höchstens noch der Lärm eines Flugzeuges, der an unsere Ohren dringt. Aber eine Schelle? Rosi Nieder, Herforst