Damit Demenz nicht zum Tabu-Thema wird

Damit Demenz nicht zum Tabu-Thema wird

Die Lebenssituation von demenzkranken Menschen und deren Angehörigen zu verbessern ist Ziel eines neuen Projekts der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, das am 1. September gestartet ist. Der Bund fördert das Programm "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" mit 10 000 Euro.

Bitburg-Prüm. Oft kommt die Alzheimer-Demenz schleichend. Am Anfang hat der Betroffene Stimmungsschwankungen, dann treten Gedächtnislücken auf. Orientierungslosigkeit, Scham und Angst gesellen sich hinzu. "Etwa 80 000 Menschen in Rheinland-Pfalz leiden an der Krankheit, rund 2000 von ihnen leben im Eifelkreis Bitburg-Prüm", sagt Monika Schuster, Amtsleiterin Soziales bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Tendenz steigend.
Doch Demenz soll kein Tabu-Thema sein. Der Umgang mit der Erkrankung ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Deswegen ist Monika Schuster froh, dass der Bund ab September das Projekt "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" im Eifelkreis fördert. Ziel ist, die Lebenssituation der Erkrankten und deren Angehörigen zu verbessern und sie nicht aus der Gesellschaft auszuschließen.
Projektleiterin und beratende Pflegekraft im Sozialamt ist Brunhilde Hell. Die gelernte Krankenschwester hat zehn Jahre lang in leitender Funktion beim DRK gearbeitet und ist eine Frau vom Fach. Mit dem Thema Demenz beschäftigt sich der Eifelkreis schon eine ganze Weile. Im Rahmen der Pflegestrukturplanung gibt es bereits mehrere Projekte der örtlichen Wohlfahrtsverbände. Diese sollen nun trägerübergreifend in einem Netzwerk zusammengeführt werden. Es soll auf kommunaler Ebene eine Plattform geschaffen werden mit Angeboten rund um das Thema Demenz für Angehörige, Betroffene, Vereine, Verbände und Bildungsträger.

Neue Mitstreiter gewinnen



"Wir wollen uns im Eifelkreis so aufstellen, dass es den Menschen möglich ist, auch zu Hause alt zu werden", sagt Monika Schuster. So gibt es bereits viele Angebote, "Lokale Allianzen" genannt, wie zum Beispiel "Wandern mit Demenz" vom Eifelverein. Gute Ideen sollen auch an anderen Orten etabliert werden. So wird etwa den Kindern an der Grundschule in Prüm im Sachkundeunterricht Verständnis für die Krankheit vermittelt. "Wie gehe ich damit um, wenn Opa den Schlafanzug verkehrt herum trägt oder Oma die Hausschuhe in den Kühlschrank stellt?" ist nur eine der Fragen, die man den Schülern dort beantwortet. Es werden aber auch Lieder einstudiert, die zusammen mit Menschen aus dem Altenheim gesungen werden, sagt Hell. "Das ist ein schönes Geben und Nehmen, es macht Freude, die Generationen zusammenzubringen." Dieses Beispiel könne man auch an anderen Grundschulen und Kindergärten umsetzen.
Ganz neu ist auch die Zusammenarbeit mit dem St.-Joseph-Krankenhaus in Prüm, wo die Ärzte, Pflegekräfte und freiwilligen Helfer speziell geschult werden, um sie für die Thematik empfänglich zu machen. Angehörige erhalten zukünftig im Krankenhaus Informationen zum Krankheitsbild, lernen Beratungs-, Betreuungs- und Entlastungsangenbote für Pflegende kennen. Außerdem sollen Ehrenamtliche gewonnen werden, die sich speziell um Demenzkranke kümmern, um Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige zu entlasten.
"2013 hat der Kreistag mit der Pflege-Strukturplanung den Boden für diese Projekte bereitet", lobt Monika Schuster die Unterstützung von politischer Seite. "Wir müssen weg von der Stigmatisierung, hin zur Sensibilisierung", sagt sie. Es gebe schon viele tolle Angebote, trotzdem möchte der Kreis versuchen, noch mehr Mitstreiter zu gewinnen. Neben Fachvorträgen soll es mehr Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten geben, um schon jungen Menschen das Thema näherzubringen. Es sollen kulturelle Angebote geschaffen werden, wie die bereits im Haus Beda angebotene Kunstführung. Sport und Bewegung wirken einer drohenden Demenz entgegen und können das Gehirn jung halten, weshalb Brunhilde Hell besonders auch die Vereine sowie VHS, DRK und die Katholische Erwachsenenbildung für das Thema gewinnen möchte. Das bereits bestehende Angebot der Eifelvereine soll örtlich ausgedehnt werden.
Das Projekt "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" läuft zwei Jahre.
Am Dienstag, 25. Oktober, um 19 Uhr gibt es im Sitzungssaal der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm eine Auftaktveranstaltung.
Extra

Noch in diesem Jahr sollen in ganz Deutschland bis zu 500 lokale Allianzen für Menschen mit Demenz entstehen. Das Familienministerium fördert das Programm. Fast 1,5 Millionen Menschen sind heute in Deutschland an Demenz erkrankt. Bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl auf drei Millionen wachsen. sn

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