Damit die Verbindung zwischen Großhirn und Gashahn stimmt

Damit die Verbindung zwischen Großhirn und Gashahn stimmt

In den Unfallbilanzen der Polizei tauchen gerade ältere Motorradfahrer auf, die nach einer längeren Pause wieder auf ihr Bike steigen (der TV berichtete). Beim ersten Eifeler Motorradsymposium auf dem Bitburger Flugplatz haben einige dieser Altersgruppe teilgenommen.

Bitburg. Das Wetter ist durchwachsen. Vor allem der Samstagvormittag, der immer mal wieder einen kurzen Schauer von oben schickt. Doch den rund 50 Bikern, die an diesem Morgen auf den Flugplatz Bitburg gekommen sind, macht das wenig aus. Zum einen, weil sie entsprechend angezogen sind, zum anderen, weil sie den Vormittag über ohnehin im Trockenen sitzen. Denn bevor der praktische Teil des ersten Eifeler Motorradsymposiums beginnt, kommt zunächst die Theorie. Genau wie bei der Führerscheinprüfung, die für fast alle Anwesenden schon einige Jahrzehnte zurückliegt. Schließlich gehören zur Zielgruppe der Veranstaltung Motorradfahrer ab 45 Jahren aufwärts. Laut Polizeistatistik sind diese nämlich an Unfällen überproportional oft beteiligt. Weil sie beispielsweise nach langen Pausen wieder mit PS-starken Rädern und fehlender Fahrpraxis auf die Straße zurückkehren. Oder aber weil sie die eigenen Fähigkeiten völlig überschätzen.
"Es geht darum, was mein Körper kann, was ich kann, und es geht auch darum, Gefahrensituationen zu vermeiden", sagt Herbert Fuß vom ADAC. Er empfiehlt deshalb jedem Motorradfahrer die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining. Und er rät Wiedereinsteigern auch dazu, sich vor dem Kauf eines Motorrads beraten zu lassen, damit man wisse, was zu einem passt. Motorradfahren sei schließlich kein Wettbewerb, bei dem es nur darum gehe, eine bessere Maschine als der Nachbar zu haben.
Ähnlich sieht das auch Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim, einer der weiteren Referenten der Veranstaltung, der in seinem Vortrag auf die ethische und moralische Verantwortung von Verkehrsteilnehmern verweist.
Der Verstand setzt aus


"Wir fahren nicht Motorrad, weil es gefährlich ist, sondern obwohl es gefährlich ist", sagt der Seelsorger. Er wisse auch aus eigener Erfahrung, dass beim Fahren oft der Verstand aussetze und somit dann die "Verbindung zwischen Großhirn und Gashahn" fehle. Wie wichtig es ist, das Gas und auch die Kupplung im Griff zu haben, wird nachmittags, im praktischen Teil der Veranstaltung, auf dem Rollfeld des Flugplatzes demonstriert.
"Schnell fahren kann jeder"


Geübt werden dabei allerdings keine gefährlichen Situationen unter Vollgas, sondern langsames Umfahren von Hindernissen. Es geht um Geschicklichkeit und darum, ein Gespür für die bis zu 300 Kilogramm schweren Maschinen zu bekommen. Oder wie es einer der Fahrsicherheitstrainer formuliert: "Schnell fahren kann schließlich jeder." uhe
Extra

47 Motorradfahrer haben 2012 in Rheinland-Pfalz bei Unfällen ihr Leben verloren. Einen besonders hohen Anteil an dieser Quote hat neben der Pfalz vor allem die Eifel. Die kurvenreichen Strecken sind bei Bikern sehr beliebt, werden ihnen aber oft auch zum Verhängnis. So gab es im Eifelkreis im vergangenen Jahr 91 Unfälle mit Motorradfahrern. Dabei wurden 15 Menschen getötet und weitere 32 schwer verletzt. Im Vulkaneifelkreis gab es 61 Unfälle mit 20 Schwerverletzten und fünf Toten. An rund der Hälfte der Motorradunfälle in den vergangenen fünf Jahren waren Fahrer beteiligt, die über 45 Jahre alt waren. uhe

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