Dörfer: Damit Dörfer nicht abgehängt werden

Dörfer : Damit Dörfer nicht abgehängt werden

Knapp 200 Menschen sind der Einladung des Landtagsabgeordneten Nico Steinbach (SPD) zu einer Diskussion über Dorfentwicklung gefolgt. Bei den Gesprächen ging es um Digitalisierung, aber auch um ganz praktische Fragen von Ortsbürgermeistern.

Wenn der Landtagsabgeordnete Nico Steinbach in seinem Wahlkreis unterwegs ist, kann das lange dauern, bis er einmal rund gefahren ist. Wie er bei der Veranstaltung im Bitburger Haus der Jugend zum Thema Dorfentwicklung sagte, könnten einige Kollegen, deren Wahlkreis nur einen Teil einer Stadt ausmache, flott mit der Bahn von einem Ende zum anderen kommen. Insofern sind natürlich auch die Themen von Steinbach andere als die von städtischen Landtagsabgeordneten. Denn die Fläche macht natürlich einen Unterschied.

Um diese Thematik, das Leben auf dem Land und in den Dörfern, ging es bei der gut besuchten Veranstaltung im Haus der Jugend. Dabei nahm der Vortrag von Dr. Matthias Berg vom Frauenhofer Institut in Koblenz einen großen Teil ein. Sein Thema: die Digitalisierung.

„Die Bedeutung der Digitalisierung ist für Städte und Dörfer gleich, aber die Herausforderungen sind unterschiedlich“, sagte Berg. Die Digitalisierung sei schon längst auf dem Land angekommen. Als Beispiel nannte er die moderne Landwirtschaft oder das produzierende Gewerbe.

Berg stellte ein Produkt vor, das speziell für die Bedürfnisse im ländlichen Bereich konzipiert wurde. Diese Apps sollten auf Themen wie Nahversorgung, Mobilität und ähnliches ausgerichtet sein. So gebe es durch diese Technik beispielsweise unkompliziert die Möglichkeit, auch in lokalen Geschäften online zu bestellen. Berücksichtigt werde dabei auch die Lieferlogistik. So könne beispielsweise ein anderer Nutzer die Bestellung sehen und die gewünschte Ware abholen, wenn er gerade ohnehin an diesem Geschäft vorbeikommt.

Weitere Apps sollen die Kommunikation im Dorf erleichtern. Hilfsangebote und Nachfragen, die sonst nur in der unmittelbaren Nachbarschaft üblich sind, könnten auf diese Weise ausgeweitet werden. Eine Art Dorfhomepage biete die Möglichkeit, über Öffnungszeiten, Straßensperrungen oder das letzte Fußballspiel zu informieren. Eine weitere App solle einen direkten Draht zur Verbandsgemeindeverwaltung ermöglichen.

Robert Freisberg, Referent im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur mit 
Schwerpunktthemen Demografischer Wandel, Regional- und Kommunalentwicklung, ging auf besondere Herausforderung für den ländlichen Bereich ein. Er betonte die Bedeutung von einer guten Nahversorgung auf dem Land.

Dafür gebe es das Projekt „M.Punkt RLP“, das sich für den Erhalt oder die Neugründungen von Dorfläden einsetzt, dort wo es auch Erfolg verspricht. Über 100 Beratungen habe es gegeben, 39 Läden sind es, die nachhaltig existieren. Auch beim Thema Wohnen wünschte sich Freisberg neue Wege.

„Wir müssen den jungen Leuten etwas bieten“, sagte Freisberg. Deshalb sei es dass genug Mietwohnungen in unterschiedlichen Größen anbieten zu können. Es sei wichtig, dass man die Menschen in den Dörfern halte oder aber auch wieder zurückgewinne. Aber Freisberg sagte auch: „Man soll nicht die halten wollen, die weg möchten“.

Neben Freisberg und Berg sprach auch Staatssekretärin Nicole Steingaß vom Ministerium für Inneres und Sport. Sie betonte die Bedeutung des Ehrenamtes und verwies auf Erfolge und Förderungen, die das Land für die ländliche Region bereits auf den Weg gebracht habe.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit den Zuhörern war auch das Wissen von Klaus Roderich sehr gefragt. Roderich ist Ansprechpartner für Förderprogramme bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier.

Ob Kunstrasenplatz, Neubaugebiet, Kindergarten, Verkehrsberuhigung, vielfältig war der Informationsbedarf in diesen Fragen. Doch einfache Antworten hatte auch Roderich nicht parat. Es zeigte sich auch bei Antworten von Nico Steinbach, dass das Gebiet der Förderungen kompliziert ist. Roderich stellte aber seine Beratung in Aussicht und verwies auf seine Homepage.

Das Dorf im Blick: Was der ländliche Raum braucht, um zukunftsfähig zu bleiben, war Thema bei einer Diskussionsveranstaltung in Bitburg. Foto: e_bit <e_bit@volksfreund.de>

Auch Nicole Steingaß versprach, sich persönlich mit den Anliegen der Ortsbürgermeister zu beschäftigen. Weitere Themen, die den Kommunalpolitikern am Herzen lagen, waren die medizinische Versorgung, das Ehrenamt, Essen auf Rädern und vieles mehr, das Stoff für weitere Abende geboten hätte. Hier fordern die Kommunalpolitiker Unterstützung von Land und Bund.