1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Dankeschön im Scheckkartenformat: Bitburger wollen mit Ehrenamtskarte Engagement der Bürger würdigen

Dankeschön im Scheckkartenformat: Bitburger wollen mit Ehrenamtskarte Engagement der Bürger würdigen

Wer sich besonders für andere Menschen engagiert, soll dafür belohnt werden – mit günstigeren Freizeitangeboten: Das ist die Idee hinter der Ehrenamtskarte. Die Stadt Bitburg und die Verbandsgemeinde Bitburger Land wollen sie jetzt gemeinsam einführen – als erste im Südkreis.

Ein solches Ausmaß an Engagement habe er noch nie erlebt - das hat Rudolf Becker, Flüchtlingsbeauftragter des Eifelkreises Bitburg-Prüm, in der jüngsten Sitzung des Kreistags in Bitburg gesagt. Die Menschen seien "mit Leib und Seele" dabei, ohne sie sei die Bewältigung dieser "Jahrhundertaufgabe" nicht möglich. Und die Eifeler engagieren sich nicht nur in der Flüchtlingsarbeit, sondern auch in vielen anderen Bereichen.

Jetzt gibt's auch von den Kommunen dafür ein Dankeschön: Die Stadt Bitburg und die Verbandsgemeinde Bitburger Land haben beschlossen, gemeinsam die Ehrenamtskarte einzuführen. Wer sich engagiert, kommt künftig günstiger durch die Freizeit, die er sonst so gerne für andere opfert: also zum Beispiel mit Rabatt ins Cascade, den Eifelpark oder die Eissporthalle.

Die Enscheidung ist fix, der Termin noch nicht ganz: Stadt und VG müssen noch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land abschließen. Sobald die unterschrieben ist, gebe es dann auch die Karte - vermutlich im Herbst, sagt Werner Krämer, Pressesprecher der Stadtverwaltung Bitburg. Mit einer gewissen Nachfrage rechnet die Stadt dann durchaus: "Wir haben zurzeit rund 120 Vereine in Bitburg, und es gibt viele Freiwillige bei sozialen, kulturellen oder sonstigen Anlässen", sagt Werner Krämer. "Es wäre schön, wenn sich viele Engagierte melden."

Für wen ist die Ehrenamtskarte? "Nicht jedes Vereinsmitglied bekommt eine Ehrenamtskarte", sagt Werner Krämer. Bestimmte Anforderungen müssen nämlich erfüllt sein: Nur, wer über 16 Jahre alt ist, sich durchschnittlich wenigstens fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich in Vereinen, Kirchen oder Freiwilligendiensten engagiert und dafür keine finanzielle Entschädigung erhält, profitiert von den Vergünstigungen. Nach diesem Prinzip ist die Ehrenamtskarte 2014 vom Ministerrat beschlossen worden, mehr als 60 Kommunen in Rheinland-Pfalz machen bislang mit - obwohl Umsetzung und Nutzen in der Vergangenheit auch kritisiert wurden: Beispielsweise sei es problematisch, wenn Menschen deshalb leer ausgehen, weil ihre geleisteten Stunden gar nicht protokolliert würden.

Wie funktioniert's? Der Ehrenamtliche füllt ein Antragsformular aus, das auf der Internetseite www.wir-tun-was.de oder auf www.bitburg.de zu finden ist. Verein oder Organisation müssen das ehrenamtliche Engagement und den zeitlichen Umfang natürlich bestätigen. Die Verwaltung prüft dann diesen Antrag und leitet ihn in die Staatskanzlei weiter. Dann werden die Ehrenamtskarten kostenlos ausgestellt. Sie sind zwei Jahre lang gültig und können dann aufs Neue beantragt werden.

Was bedeutet es für Stadt und Betriebe? Die Kosten, etwa zur Herstellung der Karten, trägt das Land. Die Stadt muss für die Einführung überwiegend mit einem organisatorischen Aufwand rechnen. Nach Angaben des Landes sei für die Betriebe, die dann günstigere Eintritte gewähren, mit keinen Einbußen zu rechnen: Erfahrungsgemäß würden solche Rabatte durchschnittlich einmal im Monat genutzt.

Wo gibt es Rabatte? Bislang sind dabei: Cascade, Eissporthalle, Volkshochschule, Kulturgemeinschaft, Skala Kino, Haus der Jugend, Bitburger Marken- und Erlebniswelt, Eifelpark Gondorf, Freibad Oberweis, Schloß Malberg sowie Freibad Kyllburg.
Die Vergünstigungen gelten für alle Inhaber der Ehrenamtskarte in Rheinland-Pfalz, umgekehrt können Ehrenamtliche aus Bitburg auch die landesweiten Angebote nutzen - etwa in Trier oder Mainz. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm bieten bislang die Verbandsgemeinden Prüm und Arzfeld eine Ehrenamtskarte an.

Weitere Informationen zur Ehrenamtskarte gibt es hier: www.wir-tun-was.de
Extra Das sagen Ehrenamtliche und Betreiber

Norbert Zeien (48) aus Bitburg und Vorsitzender des Städtischen Musikvereins, möchte die Ehrenamtskarte für Vereinsmitglieder beantragen: "Mir gefällt es gut, daß die Stadt und die Verbandsgemeinde beschlossen haben, die Karte einzuführen. Ohne die vielen Menschen, die sich in Vereinen und Verbänden engagieren, wäre das Vereinsleben in Rheinland-Pfalz nicht so vielfältig."

Myriam Schmitz, 43 Jahre, kommt aus Luxemburg und lebt seit zehn Jahren in Rittersdorf. Neben ihrer Arbeit als Altenpflegerin betreut sie dort ehrenamtlich acht Flüchtlinge. "Ich helfe bei alltäglichen Problemen und Behördengängen oder organisiere Arztbesuche. Auch mein siebenjähriger Sohn Gwenaël ist mit Herz und Seele dabei. Die Ehrenamtskarte: Ich finde, das ist eine prima Idee. So werden wir ein bisschen für unsere Bemühungen, Zeitaufwand und Spritverbrauch belohnt."

Wer mit einer Ehrenamtskarte ins Cascade kommt, soll beim Kauf einer Eintrittskarte eine weitere gratis erhalten. Bad-Chefin Elfriede Grewe: "Ich war selbst im Ehrenamt tätig und weiß daher, wieviel Engagement das braucht und wieviel Freizeit das bindet, und da ist es doch umso schöner: wenn man etwas zurückbekommt und auch, wenn man über den öffentlichen Bereich etwas zurückgeben kann."

Der Eifelpark Gondorf möchte Ehrenamtlichen drei Euro Rabatt auf die Tageskarte gewähren. Betreiberin Nadine Löwenthal: "Ich finde solche Aktionen immer gut. Menschen, die ehrenamtlich für unsere Region tätig sind, sollten dafür auch einen Dank erhalten. In der heutigen Zeit sehe ich vieles nicht mehr als selbstverständlich an und finde es toll, dass es Menschen gibt, die für andere Menschen einstehen."
Meinung

Eileen Blädel: Schönes Zeichen
Die Eifel ist eine Freiwilligen-Hochburg: Hier helfen tagtäglich Menschen ihren Nächsten, engagieren sich für ihren Ort oder die Gemeinschaft. Sie tun das, weil sie es gerne tun und oftmals auf eine Art entlohnt werden, die nicht in ein Scheckkartenformat passt. Dass die beiden Kommunen auf diese Art und Weise nun ihren Ehrenamtlichen Danke sagen, ist dennoch: einfach schön.
e.blaedel@volksfreund.de