"Dann können wir nur noch bergen"

"Dann können wir nur noch bergen"

LAMBERTSBERG. 140 Gäste haben beim "Parlamentarischen Abend" des Kreisfeuerwehrverbands Bitburg-Prüm eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion über Ehrenamt, Sparpotenzial und Tagesalarmbereitschaft verfolgt.

Der Saal im "Fünfmädelhaus" in Lambertsberg ist gut gefüllt. Allein auf dem Podium nehmen neun Funktionsträger Platz, dazu Moderator Frank Mühlenbrock. Die Bedeutung der Veranstaltung untermauert Otto Fürst, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Rheinland-Pfalz, gleich zu Beginn: "Wir repräsentieren 84 000 Mitglieder." Auch Landesfeuerwehrinspekteur Hans-Peter Plattner vom Mainzer Innenministerium gibt Gas: "Ausbildung und Organisation der Feuerwehren sind sehr gut. Unser Schwachpunkt ist die Ausrüstung, denn das Durchschnittsalter der Fahrzeuge beträgt 16 Jahre."Billen erntet den Lacher des Abends

Die drei Abgeordneten aus dem Landtag (die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte ihre Teilnahme abgesagt) überbieten sich in Ehrenerklärungen. "Es muss abgesichert sein, dass es weiterhin in den Dörfern Feuerwehren gibt", fordert Michael Billen (CDU). "Wir halten an Ortsgemeinden fest - das ist auch eine Aussage zur Feuerwehr", verspricht Carsten Pörksen (SPD). Für Reinhold Hohn (FDP) ist die Feuerwehr gar "das Aushängeschild fürs Ehrenamt". Mangels parlamentarischer Gegnerschaft schießen sich Politiker und Verbandsvertreter auf den teilweise umstrittenen Prüfbericht des Rechnungshofs (der TV berichtete) ein. Rechnungshof-Präsident Volker Hartloff wehrt sich gegen verkürzte Darstellungen: "Wir schlagen eine Straffung der Strukturen dort vor, wo Gemeinde und Feuerwehr sie mittragen. Bitte denken Sie bei allen Vorhaben auch an die Wirtschaftlichkeit." Billen betrachtet eine reine Berufsfeuerwehr als "unbezahlbar". Kreisfeuerwehrinspekteur Berthold Reichertz setzt auch auf die kleinen Wehren, um die Einsatzgrundzeit einhalten zu können: "Wenn die acht Minuten fallen, können wir nur noch bergen und nicht mehr retten." Hans-Michael Bröhl (CDU), Kreisvorsitzender des Gemeinde- und Städtebunds sowie Bürgermeister der Verbandsgemeinde Irrel, kontert die Rechnungshof-Kritik einer teilweise freihändigen Vergabe von Aufträgen: "Wir machen uns sehr viel Mühe bei der Anschaffung von Fahrzeugen und Ausrüstung. Aus unserem Bereich ist mir kein Fall ohne ordnungsgemäße Ausschreibung bekannt." Hohn sieht ein "Riesenpotenzial", über Verwaltungsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und nennt Beispiele unnötiger Dopplungen aus seiner Heimatregion. Diese Chance lässt sich Billen bei seinem Heimspiel nicht entgehen und erntet den Lacher des Abends für seine Bemerkung: "Der Rechnungshofbericht ist wohl für die Pfalz geschrieben worden, nicht für die Eifel." Auf eine Anregung aus dem Publikum hin bekennt sich Schlöder zum gemeinsamen Hilfeleistungsauftrag aller beteiligten Organisationen. Bei Spezialfahrzeugen oder der Ausbildung könnten gegenseitige Ergänzungen sinnvoll sein. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Tagesalarmbereitschaft sieht Fürst in der Anhebung der Altersgrenze von 60 auf 65 Jahren, allerdings nicht ohne die vorgeschriebene Gesundheitsprüfung. Die Abschlussplädoyers bringen drei konkrete Forderungen: Reform der Wehrführer-Ausbildung speziell bei Kleinstwehren (Bröhl), Rauchmelder-Pflicht nicht nur in Neubauten (Pörksen) und Anhebung der steuerfreien Pauschale pro Feuerwehrmitglied von jährlich 35 auf 50 Euro (Billen).