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Darf der „Nickneger“ in Dudeldorf noch weiter nicken?

Nicht mehr zeitgemäß : Darf der „Nickneger“ in Dudeldorf noch weiter nicken?

Museal oder nicht? In der Dudelorfer Kirche steht eine Spardose, die das Bistum „für nicht mehr zeitgemäß“ hält.

Dunkle Hautfarbe, exotischer Touch: So sieht die Figur aus, die in der Dudeldorfer Pfarrkirche „Maria Königin“ (zumindest am Wochenende des Weihnachtsmarkts) an der Krippe steht. Sie hält ein braunes Baby im Arm. Zudem hat sie einen Schlitz. Wirft man ein Geldstück ein, nickt sie mit dem Kopf. Unten die Aufschrift: „Vergelt’s Gott! Päpstl. Missionswerk der Kinder in Deutschland“ (Anm. der Red.: Das Kindermissionswerk unterstützt Projekte von Deutschland nach Asien, Ozeanien, Afrika, Lateinamerika und Osteurop).

„Nickneger“: So nannte man Figuren dieser Art früher. Sie sollten Afrikaner darstellen und waren als Missionsspardose noch in den 1970er Jahren in vielen Kirchen zur Weihnachtszeit aufgestellt. Früher. Inzwischen ist nicht nur der Ausdruck „Neger“ verpönt, man sieht auch die Figuren nur noch selten – und wenn, dann in Museen oder bei Sammlern. Denn in den 60er Jahren wurden die Pfarreien von den Bistumsleitungen in einem Rundschreiben dazu aufgefordert, diese Spardosen zu entfernen. Der Grund: Die Bewohner ärmerer Länder sollten nicht länger als hilflose Bittsteller, sondern als gleichberechtigte Partner betrachtet werden.

Aber warum steht 2018 noch eine solche Figur in Dudeldorf? Pastor Stephan Gerber, der für die Pfarreiengemeinschaft Speicher und damit auch für Dudeldorf zuständig ist, weiß es auch nicht genau. Er lasse den Pfarrgemeinden beim Schmücken der Krippen freie Hand und mische sich grundsätzlich in solche Dinge nicht ein. Zudem, sagt er, habe sich noch niemand bei ihm darüber beschwert. „Wir wollen nicht bevormundend wirken“, sagt er. Ein grundsätzliches Problem mit den Figuren habe er auch nicht, denn es sei auf keinen Fall beabsichtigt, Menschen in Entwicklungsländern von oben herab zu behandeln. Im Gegenteil: „Wir unterstützen seit Jahren Projekte in Indien und tun das auf partnerschaftlicher Ebene.“ Im Übrigen verweist er darauf, dass es auch weiße Nickfiguren gebe – zum Beispiel Engel. Dennoch will er das Thema in den Gremien der Pfarreiengemeinschaft und Pfarrgemeinde diskutieren. Ob man dann eine andere, neutrale Sammeldose anschaffe, sollte überlegt werden. Zu bedenken sei aber auch, ob die Spardose nicht ein Geschenk gewesen sei und dass eine Neuanschaffung Geld koste, das ja besser in der Missionsarbeit aufgehoben sei. Insgesamt sieht Gerber „die Herausforderungen an anderer Stelle“.

Aber das Bistum hat  doch schon vor vielen Jahren diese Figuren aus den Kirchen verbannt. Oder nicht? Die Antwort des Bistums: „Es gibt keine uns bekannte, ,offizielle’ Anordnung des Bistums, die Figuren nicht aufzustellen – hier sind die einzelnen Pfarrgemeinden selbst gefragt, wie sie mit dieser Thematik umgehen.“ Aber solche Figuren sehe man ohnehin nur noch äußerst selten – „in den meisten Kirchen im Bistum Trier gibt es sie, unserer Wahrnehmung nach, nicht“.

Man überlässt also den Pfarrgemeinden die Verantwortung. Andererseits habe man heute eine andere Auffassung von Missionsarbeit als zu der Zeit, als solche Spardosen vermehrt aufgestellt wurden. Denn mit dem II. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) habe sich das Selbstverständnis der katholischen Kirche als Weltkirche verändert. „Das Ziel, die Diözesen in Afrika auf dem Weg zu eigenständigen Ortskirchen zu unterstützen, erhielt ein starkes Gewicht. Aus den Missionsgebieten wurden junge Ortskirchen in Afrika.“

Damit habe sich auch das Konzept der Zusammenarbeit verändert: Aus der europäisch gedachten Hilfe sei eine Unterstützung für die jeweiligen Initiativen und Vorhaben der afrikanischen Partner geworden. Diese ziele heute auf Hilfe zur Selbsthilfe und auf die Förderung selbst verantworteter Projekte und Initiativen. Dies sei „die Orientierung des weltkirchlichen Engagements in den Pfarreien des Bistums Trier wie der kirchlichen Hilfswerke Adveniat, Misereor oder Missio“.

Aber wenn der Ansatz heute so anders ist, warum wird dann heute eine solche Figur noch in einer Kirche aufgestellt?  Da sei, so das Bistum, „vermutlich eher als museales Stück zu bewerten“. Eine solche Sicht auf das Verhältnis von Spenden-Sammlern und denen, die von den Spenden profitieren, sei eben „nicht mehr zeitgemäß, sondern gehöre eher in den Bereich früheres Brauchtum/Museum“.

Übrigens: Bereits 1999 berichtete der TV über einen „Nickneger“, der zu Weihnachten 1998 aus der Konz-Karthäuser Pfarrkirche St. Johann entfernt worden war. Es gab Proteste etlicher Kirchgänger. Und auch bei einer TV-Telefonaktion sprachen sich die meisten Leser dafür aus, die Figuren nicht sang- und klanglos abzuschaffen.


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