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Das Corona-Virus wirkt sich auch auf Kirchen Im Eifelkreis aus

Glaube : Viel Raum für wenig Menschen

Das Corona-Virus und die damit verbundenen Hygienevorgaben wirken sich auch auf den Kirchenbesuch aus. In den Pfarreien wird deshalb improvisiert und notfalls auch nachjustiert.

Dass die Teilnehmerzahl an Gläubigen bei Gottesdiensten tendenziell eher abnimmt, ist nichts Neues. Durch die Corona-Pandemie jedoch hat sich die Situation insgesamt weiter verschärft, wie das Beispiel Baustert zeigt. Die dortige Kirche ist die größte der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Rittersdorf.

Unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Schutzabstände und nach vorheriger Anmeldung zum Kirchenbesuch können dort seit Ende Mai bis zu 78 Besucher am Gottesdienst teilnehmen. Das sind deutlich mehr als in den anderen Kirchen der Pfarreiengemeinschaft, weshalb es sich auch anbietet, den größten Teil der Messen in Baustert abzuhalten. Damit möglichst viele Gläubige die Möglichkeit haben, an den kirchlichen Veranstaltungen teilzunehmen.

Im Fall Baustert jedoch hat das nicht funktioniert. Im Gegenteil: „Nach fast vier Wochen ist festzustellen, dass die Nachfrage zur Mitfeier in der Kirche sehr dürftig ausfällt“, so das Fazit im aktuellen Pfarrbrief. Eine der heiligen Messen habe sogar wegen mangelnder Anmeldungen ausfallen müssen.

Gleichzeitig aber seien andere Angebote sehr gut angenommen worden, heißt es weiter. Bei der Bergmesse auf dem Gelände der Wiersdorfer Einsiedelei zu Fronleichnam beispielsweise hätten rund 80 Gläubige teilgenommen. Und auch bei dem am gleichen Tag veranstalteten Wortgottesdienst in Oberweis seien viele Besucher gewesen.

Die Pfarreiengemeinschaft hat deshalb nachjustiert. Seit Anfang Juli werden die regulären Sonntagsmessen in Bettingen und Ehlenz abgehalten. Die Kirche in Baustert soll vorerst nur noch dann zum Einsatz kommen, wenn eine Vielzahl an Kirchgängern zu erwarten ist. Wie etwa zu den Kommunionfeiern, die im April ausfallen mussten und deshalb nun im August an drei Terminen nachgeholt werden. Zudem werden nun auch regelmäßig Gottesdienste im Freien angeboten – sofern das Wetter mitspielt.

„Das in Baustert war in der Tat auffällig“, sagt Klaus Bender, Dechant im Dekanat Bitburg. „Kommen an einem Wochenende samstagsabends nur sieben und sonntagsmorgens elf Menschen zur Messe, dann ist das eigentlich katastrophal“, so Bender. Er habe den Eindruck, dass „das Corona-Virus wie ein Katalysator“ wirke, sagt er.

Die Situation sei auch vor Corona insgesamt nicht gut gewesen, zwinge die Verantwortlichen aber nun dazu, nach Alternativen und neuen Konzepten zu suchen. Mit dem Gottesdienst ins Freie zu gehen sei sicher eine Möglichkeit, funktioniere aber eben auch nur bei gutem Wetter, sagt der Dechant. „Spannend wird es, wenn diese Einschränkungen bis Weihnachten bleiben.“

Dass Menschen in Zeiten von Corona weniger an Gottesdiensten teilnehmen und wenn, dann bevorzugt im Freien, hängt zum einen damit zusammen, dass ein Großteil der Kirchgänger schon älter ist, damit auch zur Risikogruppe gehört und deshalb auf Versammlungen in geschlossenen Räumen soweit wie möglich verzichtet. Zudem muss in der Kirche zeitweise auch ein Mundschutz getragen werden.

„In der Regel wird es so gehandhabt, dass man beim Betreten und Verlassen der Kirche einen Mundschutz tragen muss, ihn dann am Platz aber ablegen kann“, erklärt Bender.

Beim Singen gebe es inzwischen einen Kompromiss. Nachdem es anfangs nicht erlaubt gewesen sei, dürfe nun gesungen werden – das allerdings nur mit Mundschutz, sagt Bender. Was die Spende der Heiligen Kommunion betrifft, so gebe es unterschiedliche Praktiken. Der Priester solle vorher die Hände desinfizieren und bei der Austeilung der Kommunion auf die Spendeformel (Der Leib Christi) verzichten.

„Wir haben hier bei uns aber auch eine andere Lösung“, ergänzt der Dechant, der als Pfarrer auch für das Katholische Pfarramt Kyllburg zuständig ist. So habe man in seiner Pfarrei einen Notbeichtstuhl mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet, erklärt er. Ähnlich wie bei den Vorrichtungen in den Geschäften gebe es unten in der Scheibe eine kleine Öffnung, durch welche die Hostie dann gereicht werde. Der Pastor könne dann also die Spendeformel sagen, ohne dabei gegen Hygienevorgaben zu verstoßen. Ein wenig befremdlich sei das Ganze aber schon, räumt Klaus Bender ein. „Dass ausgerechnet die Spende der Heiligen Kommunion zum Hochrisiko-Akt im gesamten Ablauf wird, ist schon absurd.“