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Das Dekret und seine Folgen

Das Dekret und seine Folgen

Nachdem der frühere Trierer Bischof Marx die baufällige Kirche in Echternacherbrück (Verbandsgemeinde Irrel) entweiht hat, könnte das "recycelte" Gotteshaus abgerissen werden. Doch noch steht das Konzept für einen Neubau nicht.

Echternacherbrück. Genutzt wird die kleine Kirche der Pfarrgemeinde St. Pius in Echternacherbrücke schon seit längerem nicht mehr. "Abrissreif" lautete das Urteil des Gutachters im vergangenen Jahr (der Trierische Volksfreund berichtete). Doch für ein Gotteshaus gelten besondere Regeln. Auch wenn diverse Hochwasser der Sauer ihre Spuren hinterlassen haben - die Sakristei leidet unter Pilzbefall und sowohl die Decke als auch der Bodenbelag haben Wasserschäden und sind faul - darf die Kirche nicht einfach abgerissen werden. "Erst muss die Kirche profaniert werden. Damit hat sie ihre Segnung beziehungsweise ihre Weihung verloren", erklärt Stephan Kronenburg von der Bischöflichen Pressestelle in Trier.Alte Kirche als Aufbewahrungsraum

Diese Entweihung der kleinen Kirche am Rande von Echternacherbrück hatte noch der frühere Trierer Bischof Reinhard Marx vor seinem Abschied nach München per Dekret übernommen. In dem Erlass des Bistums ist festgeschrieben, dass "das Gebäude einer anderen, aber nicht unwürdigen Bestimmung zugeführt oder gänzlich abgerissen werden kann".Die Kirchengemeinde St. Pius hat bereits Angebote zum Abriss der Kirche eingeholt, die noch von der Rendantur geprüft werden müssen. "Es wird einen Totalabriss geben, doch zurzeit steht der noch nicht an", sagt Volker Anton, Mitglied des Verwaltungsrats von St. Pius. Zuerst müsse der Vermögenshaushalt vom Bistum geprüft werden. Davon hänge auch die Finanzierung eines Neubaus ab. Solange wird das profanierte Kirchengebäude als Aufbewahrungsraum für die Kircheneinrichtung genutzt."Um das kirchliche Leben in unserer Gemeinde auch in Zukunft zu erhalten, wollen wir gemeinsam mit der Ortsgemeinde Echternacherbrück einen neuen Gottesdienstraum errichten, der sowohl bei Trauerfeiern als auch für sonstige kirchliche Feiern genutzt werden kann und gleichzeitig als neue Leichenhalle dienen soll", sagt Volker Anton. Wo dieser Neubau entstehen soll, ist derzeit noch unklar. Anton: "Vielleicht kommt doch wieder das Grundstück, auf dem zurzeit noch die alte Kirche steht, in Frage. Natürlich nur, wenn wir es hochwassersicher bauen können." EXTRA Die Geschichte der Kirche: Mit dem Abriss in Echternacherbrück geht eine interessante Geschichte einer kleinen Kirche zu Ende. Da die Bevölkerungszahl in der Sauer-Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg stark gewachsen war, wurde 1966 eine Kirche gebaut. Wobei "aufgebaut" der bessere Ausdruck wäre, denn bei der neuen Kirche handelte es sich um eine sogenannte Notkirche nach einem Fertigbausystem. Der Bau einer "echten" Kirche wurde bis heute zurückgestellt. Und auch der Begriff "neu" traf auf die Kirche in Echternacherbrück nicht zu, denn die Kirche stand vorher bereits im Saarland, wurde dort abgebaut und in Echternacherbrück "zur Zweitverwertung" wieder aufgebaut. Vor allem die Holzkonstruktion wurde der Kirche durch die vielen Hochwasser der Sauer zum Verhängnis. (dj)