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Das Eifel-Känguru wird heimisch: Neue Sichtungen im Winter

Rätsel der Natur : Eifel-Känguru: Das Phantom taucht wieder auf

Neue Sichtungen auf der Schneifel: Das Känguru ist noch da. Es hat vielleicht sogar seinen Lieblingswohnort gefunden. Und möglicherweise ist es nicht alleine unterwegs, sondern hat ein paar Artgenossen dabei.

Wunderschön ist der Schneifelwald, gerade jetzt im Winter. Dick und schwer sitzt der Schnee auf den Bäumen – und er ist, wir sagten es bereits, hier oben immer noch ein bisschen weißer als anderswo.

Nur Schriftsteller und Kriegsreporter Ernest Hemingway, der den Wald fast so gut kannte wie seinen Patronengürtel, lag daneben: Hier leben nicht die Drachen, wie er damals in einer seiner Depeschen aus dem Eifeler Kampfgebiet schrieb. Sondern eher: Macropus rufogriseus. Das tasmanische Bennett-Känguru. Oder auch: Rotnackenwallaby.

Diese Känguru-Variante, zirka einen Meter groß, zeichnet sich wegen des herberen Klimas in Tasmanien unter anderem durch ihre Winterfestigkeit aus.

Und mittlerweile scheint sich das Tier genau dort, wo der spätere Literaturnobelpreisträger die feuerspeienden Fabelwesen vermutete, eingenistet zu haben – in den vergangenen Tagen nämlich ist es wieder gesehen worden, wieder auf der Schneifel.

Das Eifelkänguru: Es tauchte erstmals im vergangenen Sommer auf (der TV berichtete). Und es wurde anschließend an mehreren Orten zwischen Winterspelt und der Abteistadt erblickt, wobei es immer mehr aus Richtung Grenze ins Prümer Land zu migrieren schien.

Dann verlor sich für ein paar Wochen die Spur des Tiers, von dem bis heute kein Mensch weiß, aus welcher Einrichtung es möglicherweise getürmt ist. Falls es nicht sogar von einem privaten Halter ausgesetzt wurde, der mit der Betreuung des Exoten überfordert war.

Beim Eifel-Zoo in Lünebach war zwar in den Fluten des Junihochwassers 2018 ein Känguru verloren gegangen. Dennoch vermutet man dort: Dies könne nicht das gleiche Tier sein. Zumal es verwunderlich wäre, wenn es dann erst vier Jahre später wieder auftauchen würde.

Falls das Känguru aber doch in Lünebach entwischte, dann hätte es nicht nur diese inzwischen viereinhalb Jahre, sondern auch vier Winter, den Eifeler Straßenverkehr und gelegentliche Wolfsbesuche überstanden.

Inzwischen ist wieder Winter. Und siehe: „Das Känguru ist wieder aufgetaucht“, sagt Lea Heinen, Revierleiterin beim Forstamt Prüm. In den vergangenen Tagen sei es, wie bereits im September, wieder in der Nähe von Knaufspesch durchs Gehölz und sogar über die Bundesstraße 265 gehoppelt.

Die Straße durchschneidet dort den Schneifelwald zwischen dem Schwarzen Mann und Ormont. Und sie scheint es dem geheimnisvollen Beuteltier angetan zu haben: Denn ebenfalls im September war es nahe der B 265 bereits dem Prümer Michael Klasen vor sein Mountain-Bike gehüpft, damals allerdings näher an der Stadt, in Höhe der Abzweigung zur Wolfsschlucht.

Die Kängurusichtungen, davon ist Lea Heinen schon lange überzeugt, seien so häufig inzwischen, dass es nicht das einzige seiner Art sein könne: „Ich bleibe dabei: Das sind mehrere Tiere“, sagt die Försterin.

Auch bei zwei Drückjagden im November, ergänzt Lea Heinen, sei es aufgetaucht. Das Forstamt hatte vor Beginn der Jagden ausdrücklich darauf hingeweisen, dass neben Fuchs und Hase auch ein Beuteltier ins Fadenkreuz der Teilnehmer gelangen könne.

Lea Heinen: „Die haben uns wahrscheinlich für verrückt gehalten. Aber dann haben mehrere Schützen es tatsächlich gesehen.“ Und, wie schön, nicht abgedrückt.

Das Tier – oder eben: eines der Tiere, je nachdem – war erstmals im August 2022 aufgekreuzt, im Ihrental bei Winterspelt: Dort hüpfte es einer Spaziergängerin gleich an zwei Tagen hintereinander im Wald vor die Nase.

Immerhin: Eine Gefahr geht von diesen Tieren nicht aus. Aber Autofahrer sollten rund um Ormont, Knaufspesch und den Schwarzen Mann  vielleicht dann doch ein bisschen besser aufpassen, wenn sie im neuen Wallaby-Habitat unterwegs sind.