Das fette Leben auf engstem Raum

Das fette Leben auf engstem Raum

LÜTZKAMPEN-WELCHENHAUSEN. "Majo" oder "Sauce Andalouse"? Im Ourtal ist am Samstag die Ausstellung "Frit(ü)ure" der beiden Belgier Michaël Beauvent und Eric Legrain eröffnet worden, stilecht mit Fritten von der Bude und "Jupiler"-Bier.

Es muss ja nicht immer gleich der weltumspannende Anspruch sein: Zwar haben am Samstag Milliarden Menschen die "Live 8"-Benefizkonzerte geschaut, aber ob damit wirklich die Armut vom Globus verjagt wird - wer weiß. Etliche Nummern bescheidener und vielleicht sogar wirksamer geht es auch: Nämlich im vermutlich kleinsten Museum der Welt (dafür mit den längsten Öffnungszeiten: rund um die Uhr!), der "wArtehalle" in Lützkampen-Welchenhausen mitten im Dreiländereck. Kleine Halle, großes Vergnügen

Im umgebauten Bushäuschen - mit Solarzelle auf dem Dach für nächtliche Beleuchtung - startete am Samstag eine Ausstellung, die Lust auf Kunst und Bock auf Pommes macht: "Frit(ü)ure", von den Belgiern Michaël Beauvent und Eric Legrain. Auch diese Künstler wollen Gutes: "Ein Teil unserer Arbeit ist es, die Frituren-Besitzer zu unterstützen". Diese seien nämlich infolge neuer Gesundheitsvorschriften "vom Untergang bedroht", schreiben sie im "Manifest" zur Ausstellung. Dabei sei die Pommes nicht einfach bloß ein Stück fritierter Kartoffel. Sondern "eine bedeutsame Institution, fast so etwas wie eine Philosophie, auf jeden Fall ein Symbol der Einheit, in dem sich die gesellschaftspolitischen Probleme unseres Landes widerspiegeln." Klingt sehr ernst, ist aber halb so wild: Denn "Frit(ü)ure" - der Titel spielt mit dem deutsch-flämisch-französischen Sprachgemisch im Nachbarland - bietet auf engstem Raum maximalen Kunstgenuss, direkt aus dem fetten Leben und voller Humor. Zeichnend, fotografierend, collagierend haben sich Beauvent und Legrain mit ihrem Nationalgericht befasst. Ergebnis: eine Schau mit rund 30 Arbeiten, für die sich die Anreise über schmale Serpentinen-Straßen wegen herrlicher Ausblicke ins Ourtal doppelt lohnt. Seinem kulinarisch anspruchslosen Sujet entsprechend hat sich Eric Legrain auf Zeichnungen beschränkt, mit Kugelschreiber auf Rechenpapier. Karo einfach, sozusagen. Aber alles andere als Gekritzel: Detailgenau und grafisch bestechend bringt der 42-Jährige seine Frittenbuden aufs Blatt. Nicht nach der Realität, sondern sämtlich erfunden: Seine umgebauten Eisenbahnwaggons, VW-Busse oder Campinganhänger gibt es - leider - nicht. Und trotzdem könnten sie genau so an jeder belgischen Landstraße stehen. Der 33-jährige Beauvent treibt es bunter: Er verfremdet Fotografien, schneidet sie auseinander, setzt sie neu zusammen oder übermalt sie mit sattem Strich. Und er widmet sich dabei der "Frite" genau so liebevoll wie dem bisher als Kunstmotiv sträflich übersehenen Plastik-Soßenspender.Pommes, Pils und feine Bilder

Kurz: Ein nahrhaftes Thema. "Hätten die alten Meister schon Fritten gekannt", sagt der zweite Vorsitzende des hochaktiven Lützkampener Museumsvereins, Bernd Kersting, "dann wären die auch bei Brueghel oder Rubens auf den Bildern gewesen". Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer, dass es eine stilechte Vernissage war: Vereinsvorsitzende Leonie Simons bediente mit in der extra aufgebauten Pommesbude ("mit Majo oder mit Sauce Andalouse?"), als Nahrungsergänzung wurde "Jupiler" serviert. Das Publikum ging in jeder Beziehung gesättigt nach Hause. Die Ausstellung in der "wArtehalle" ist bis Mitte September durchgehend geöffnet.

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