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Das Folklore-Festival konzentriert sich 2018 um die Stadthalle.

Tradition : Stadthalle statt Festzelt: In einem Monat beginnt das Bitburger Folklore-Festival

In einem Monat beginnt das Folklore-Festival. Mit dabei: Gruppen aus 16 Ländern, ein neues Konzept und Freibier.

Tänzer, Trachten und Traditionen locken von Freitag, 6., bis Montag, 9. Juli, nach Bitburg, wenn die Stadt zum Europäischen Folklore-Festival einlädt. Doch eins ist in diesem Jahr anders: Die Besucher werden nicht in einem Zelt, sondern in der Stadthalle Platz nehmen.

Die Stadtverwaltung wirbt dafür, dass sich das Geschehen nun stärker auf die Innenstadt konzentriert. „Es ist alles viel kompakter“, sagt Pressesprecher Werner Krämer. Kompakt bedeutet, dass die Gäste direkt von der Stadthalle über die Konrad-Adenauer-Anlage in die Fußgängerzone spazieren können, wo weitere Schauplätze auf sie warten: Am Spittel, vor dem Modehaus Messerich und auf dem Petersplatz gibt es Programm.

Wo im vergangenen Jahr noch das Festzelt stand, wird sich in einem Monat ein Auto neben das nächste reihen, da die freie Fläche am Alten Gymnasium als Parkplatz genutzt werden kann. Krämer hält das neue Konzept für „attraktiver, weil die Strecken zwischen den einzelnen Schauplätzen kleiner sind.“ Zudem gibt es in der Stadthalle bessere Toiletten, eine Klimaanlage und eine bereits vorhandene Bühnentechnik.

Viele Teilnehmer können sich hingegen nicht recht mit dem Fest ohne Festzelt anfreunden. „Ich kann mir den Einzug der Nationen in die Stadthalle nicht richtig vorstellen, weil das eine ganz andere Atmosphäre ist“, sagt Norbert Zeien, Erster Vorsitzender des Städtischen Musikvereins in Bitburg. Auf das Spektakel, zu dem Volkstanz- Folklore- und Musikgruppen aus 16 Nationen anreisen werden, freuen er und die anderen Vereinsmitglieder sich dennoch. „Im Anschluss daran können wir dann die Manöverkritik machen.“

Auch die Volkstanzgruppe Bitburg möchte dem neuen Konzept eine Chance geben und das Ganze „im Nachhinein beurteilen.“ Gut finden die Mitglieder des Vereins es jedoch nicht, dass das Zelt der Vergangenheit angehören soll. „Viele sind es von Kindesbeinen an gewöhnt, im Zelt zu feiern“, sagt Renate Butterweck, die die Kindertanzgruppe leitet und selbst auf der Bühne steht. Mit dem Wechsel in die Stadthalle „gehen Tradition und Flair verloren.“

Steigende Kosten Obwohl die Position des Zeltes auf der Rechnung wegfällt, steigen die Kosten für das Folklore-Festival auf 143 000 Euro – das sind rund 5000 Euro mehr als im Vorjahr. Das liege an „allgemeinen Kostensteigerungen“ für Energie, Lebensmittel, Unterbringung und Transport, wie Krämer mitteilt. „Darüber hinaus wird natürlich auch mehr Technik benötigt und mehr Aufwand für das Sicherheitskonzept betrieben.“

Matthias Schabio, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Schneider Promotion und Transport, die Pächter der Bewirtung und der Stadthalle ist, erklärt außerdem, dass ein „weitaus länger gezogenes Areal“ für das Fest genutzt wird. „Der Platz vor der Stadthalle, der Standort Grüner See und das Gebiet rund um die Römermauer bis zur Konrad-Adenauer-Anlage werden komplett ausgestattet.“ Damit das Gebiet komplett bespielt werden kann, müsse eine umfangreiche Infrastruktur geschaffen werden. Die Straße vor der Stadthalle solle dafür extra gesperrt werden.

Das Programm Angekündigt haben sich Gruppen aus 15 verschiedenen europäischen Ländern. Darunter sind zum Beispiel Dance Kalanda aus der georgischen Hauptstadt Tiflis oder die belgischen Trommler von Kettenis. Am weitesten ist die Anreise für Tänzer und Musiker der Gruppe Malevaje Parteno. Sie werden aus Argentinien eingeflogen, um beim Tango auf Tuchfühlung zu gehen.

Zu einem Umzug durch die Innenstadt werden die Künstler – genau wie bereits 2017 – nicht antreten. Viele Bitburger bedauern den Wegfall des Programmpunkts, der ein halbes Jahrhundert fester Bestandteil des Festivals war. Das ging aus einer Umfrage hervor, die unter Festbesuchern der vergangenen Edition gemacht wurde. Mehr als die Hälfte, nämlich 52 Prozent, kreuzten dabei an, dass ihnen der Umzug gefehlt hätte.

Butterweck und die Volkstanzgruppe schließen sich der knappen Mehrheit an. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist da die Befürchtung, dass viele Gäste einem Folklore-Festival ohne Zug fernbleiben.  Außerdem sei es für die Gruppe im vergangenen Jahr hektisch gewesen, von Auftritt zu Auftritt zu rennen, da sie an mehreren Orten in der Stadt getanzt hat. „Gerade für ältere Leute ist es ungünstig, dass alles verstreut ist“, sagt Butterweck. „Früher konnten sie sich ein schattiges Plätzchen suchen und die Gruppen einfach vorbeiziehen sehen.“

Für die Liebhaber des Zugs gibt es immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer: Denn der Stadtrat hat den Umzug nicht komplett abgeschafft, sondern sich lediglich dafür ausgesprochen, ihn nur noch alle fünf Jahre zu veranstalten. 2020 könnte es wieder so weit sein.

Auch ohne Umzug bietet das Folklore-Festival einiges: Am Freitagabend können Rock- und Metalfans ihre Mähnen bei Mytallica aus Trier schwingen. Die Band schlüpft in der Stadthalle in die Rollen der Metallica-Stars.

Das Kinder-Folklore-Festival läutet den Samstag ein, der mit dem Einzug der Nationen in einer Folklore-Nacht mündet. Für Zeien vom Bitburger Musikverein sei das „etwas ganz Besonderes“ und er kenne viele Gruppen, die extra dafür weite Anfahrtswege ins Kauf nehmen.

Der Sonntag startet hopfenlastig. Am Bierbrunnen gibt es einen musikalischen und tänzerischen Frühschoppen mit Fassanstich und Freibier. Und es bleibt auch im Verlauf des Tages beim Thema, denn später rollen die Bierfässer über die Straße – über welche, ist noch nicht sicher. Zur Debatte steht der Karenweg. Für kleine Leute kommt ein Spielmobil.

Außerdem verwandeln Schausteller während des gesamten Festivals den Bedaplatz in einen Vergnügungspark.

Sicherheit Bitburg ist zwar nicht Berlin, aber Anschläge wie der auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche Ende 2016 haben für Alarmbereitschaft gesorgt. Die Stadt trifft Vorkehrungen und gibt daher mehr Geld für Sicherheit aus. Mit Sand gefüllte Container blockierten im vergangenen Jahr die Eingänge zur Fußgängerzone. Welche Maßnahmen in diesem Jahr getroffen werden steht laut Krämer nicht endgültig fest. „Das Sicherheitskonzept wird aber ähnlich wie im letzten Jahr aussehen.“