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Das Forstamt Prüm hat eine erste Schadensschätzung nach Sturmtief Burglind gemacht. Rat an die Waldbesitzer: keine Hektik

Sturmschäden : Ruhe bewahren, Risiko vermeiden

Das Forstamt Prüm hat eine erste Schadensschätzung nach Sturmtief Burglind gemacht. Der Rat an die Waldbesitzer: bloß nicht durch Aktionismus beim Aufarbeiten Geld verschenken, die Katastrophe ist ausgeblieben.

Das Forstamt Prüm warnt nach dem Sturmtief Burglind (der TV berichtete) weiter davor, sich in den Wald zu begeben. Denn noch droht Gefahr durch geschwächte, angeknackste Bäume: „Es kann immer noch passieren“, sagt Forstamtsleiter Peter Wind, „dass sich ohne nennenswerten Auslöser so ein Baum niederlegt. Und dann bist du nicht schnell genug weg.“

 Zumal derzeit nach Schnee, Tauwetter und dem starken Regen „enorm viel Wasser im Boden“ stecke. Deshalb rät er auch den Privatbesitzern, von denen 3500 im Waldbauverein Prüm organisiert sind, die Aufarbeitung des Windwurfs „unbedingt den Profis“ zu überlassen. „Wenn wir schon das Glück hatten, dass während des Sturms niemand zu Schaden gekommen ist, dann sollten wir dies bei der Folgenbewältigung auch im Blick behalten. Ich sehe die Gefahr, dass der ein oder andere Privatwaldbesitzer selber zur Motorsäge greift und dabei die Gefahren der Windwurfaufarbeitung unterschätzt.“

In der Regel stehe das Holz, weil es meist noch an der Wurzel hänge, unter großer Spannung. Dessen Aufarbeitung sei aber „saugefährlich“ und bedürfe einer völlig anderen Schnitttechnik als bei der üblichen Holzernte.

„Selbst versierte oder sich versiert fühlende Waldbesitzer sollten daher nicht zur Motorsäge greifen, sondern sich zumindest vorher gemeinsam mit einem Profi ein Bild von der Gefährdungslage machen und dann entscheiden“, sagt Wind. „Es wäre der erste Windwurf, wo es nicht zumindest zu schlimmen Unfällen kommen würde. Das ist unsere wichtigste Botschaft.“

Das Forstamt kann inzwischen auch bereits grob das Ausmaß des Schadens abschätzen, „auch wenn wir noch lange nicht in allen Ecken nachschauen konnten“. Wind schätzt, dass verteilt in den Wäldern des Prümer Lands, etwa 20 000 Kubikmeter Holz gefallen seien, ein Fünftel der regulär geschlagenen Menge eines Jahres. Daher sei es auch kein Problem, den Windwurf „in die bestehenden Holzkaufverträge bei stabilen Preisen einzusteuern. So können wir den wirtschaftlichen Schaden für die Waldbesitzer in einem überschaubaren Rahmen halten.“ Aber nur unter der Voraussetzung, dass niemand „in einen hektischen Aktionismus“ verfalle und sein Holz von sich aus unter Marktpreis anbiete.

Motto: „In der Ruhe liegt die Kraft. Unsere Empfehlung: in den kommenden Tagen die eigenen Waldparzellen in Augenschein nehmen.“ Und sich dann mit dem Privatwaldbetreuer des Forstamts in Verbindung setzen, um das Vorgehen abzustimmen.

Eile sei keine geboten: „Es ist Anfang Januar, wir haben also locker noch zwei bis drei Monate Zeit, ohne jedes Risiko der Holzentwertung, um die Schäden sukzessive aufzuarbeiten. Bei uns glühen die Telefonleitungen, also sich bitte nicht beirren lassen, wenn man den Förster nicht sofort erreicht.“ Notfalls könne man auf den Anrufbeantworter sprechen, seine Telefonnummer hinterlassen und um Rückruf bitten.

Jeder Waldbesitzer habe die Verkehrssicherungspflicht: „Also nicht nur schauen, was am Boden liegt“, sagt Wind, man müsse auch bei aufrechten Bäumen prüfen,  ob sie eventuell schräg stehen „und vielleicht Gefahr laufen, dann zeitversetzt doch noch umzufallen. Vor allem entlang von Straßen und Wegen müssen diese Bäume entfernt werden, damit der Waldbesitzer im Falle eines Unfalls nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann.“

Die Einnahmen aus „Holznutzungen infolge höherer Gewalt“ sind steuerbegünstigt.

Allerdings muss man sie beim Finanzamt anmelden,  bevor man mit der Aufarbeitung beginnt. Das Formular gibt es beim Forstamt (Telefon 06551/96100), beim Waldbauverein (06551/96200), über die Privatwaldbetreuer oder im Internet unter www.fin-rlp.de.

 Weiteres Problem nach Sturmtief Burglind: Überall Wasser, auch in den Wäldern.
Weiteres Problem nach Sturmtief Burglind: Überall Wasser, auch in den Wäldern. Foto: TV/Peter Wind
 Räum-Arbeiten ohne großes Risiko und mit dem sogenannten Voll-Ernter: Forstamts-Leiter Peter Wind rät den Waldbesitzern, bloß nicht selbst zur Säge zu greifen.
Räum-Arbeiten ohne großes Risiko und mit dem sogenannten Voll-Ernter: Forstamts-Leiter Peter Wind rät den Waldbesitzern, bloß nicht selbst zur Säge zu greifen. Foto: Linden Fritz-Peter

Peter Winds Fazit: Burglind sei, alles in allem, keine Katastrophe wie die Stürme Vivian und Wiebke oder Kyrill. „Wenn wir koordiniert arbeiten, dann ist dieser Sturm bis zum Beginn der Vegetationsperiode (wenn die Pflanzen wachsen und gedeihen, Anm.) Geschichte.“