Das Grab der Widerspenstigen

Das Grab der Widerspenstigen

Kaum ein Besucher der Stadt Prüm kann den mächtigen Felsblock in der Nähe des Stadtfriedhofs übersehen. Wie ein Gespenst aus alten Zeiten ragt er von Moos bedeckt am Straßenrand auf. Was aussieht wie ein zufälliger Findling, ist ein Gedenkstein für fünf junge Männer, die auf Befehl Napoleons 1810 hingerichtet worden sind.

Prüm. Bis 1933 lag ein mächtiger Hinkelstein (Menhir) auf Schloßheck. Er wurde Weißenstein genannt und war dereinst ein mittelalterlicher Grenzstein der drei Gemeinden Pronsfeld, Rommersheim und Niederprüm. 1933 kam der über drei Meter hohe unbehauene Basaltstein nach Prüm. Dort steht er heute in der Bahnhofstraße gegenüber des Prümer Stadtfriedhofs.
Mit einer Gedenkplatte versehen ist er nun ein Erinnerungsstein für fünf junge Eifeler, die "als Aufständische und Verräter" am 23. Januar 1810, morgens um 10 Uhr, auf Befehl Napoleons erschossen worden waren, weil sie sich weigerten, als gezwungene Soldaten mit der Armee Napoleons in den Krieg nach Russland zu ziehen. Es waren dies: Matthias Meyer (Lissendorf), Theo Link (Feusdorf), Michel Heintz (Landscheid), Matthias Billen (Landscheid) und Theo Laurens (Bewingen).
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Im Jahr 1866 widmete der bekannte Steinguthändler Peter Zirbes aus Niederkail diesen ermordeten Männern folgendes Gedicht, in dem er aber nur ‚General Michel Heintz‘ aus seinem Nachbardorf Landscheid namentlich erwähnt. avi

Das Grab der Widerspenstigen
- Auf der Held bei Prüm 1810 -

Bei Prüm auf der Halde da ist ein stilles Grab, dort in des Lebens Blüte mein Landsmann sank hinab.
Von Landscheid war\'s der Michel, der General genannt, der hier mit seinen Freunden ein frühes Ende fand.
Kein Priester mit dem Weih\' quast besprengt ihr Grab zuletzt. Sie haben es ja selber mit eignem Blut benetzt.
Auch ziert es weder Inschrift, noch Kreuz und Monument, weil stets in unser\'n Herzen ihr Totenopfer brennt.
Nicht übten sie an Deutschland Verrat und Brudermord, drum hat man sie gebettet an diesen stillen Ort.
Nicht wollten mit dem Feinde sie ziehen in den Krieg, drum haben sie errungen der Treue schönsten Sieg.
O wäre jeder Deutsche gewesen wie ihr wart, wir hätten Bonaparte gar manchen Sieg erspart.
Ja glich euch jeder heut noch, so gäb\' es keinen Schuft. Blutzeugen deutscher Treue, schlaft wohl in kühler Gruft.

(Gedicht aus: Zirbes Peter: "Ich bin ein fahrender Sänger", VG Wittlich-Land, 2012)

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