Das große Aufräumen in der Eifel nach dem Sturmtief Sabine

Kostenpflichtiger Inhalt: Folgen und Schäden : Nach Sturmtief Sabine - In der Vulkaneifel bleibt die Lage auch am Montag noch gefährlich (Fotos/Video)

Schlimm genug – wenn auch längst nicht so gravierend wie frühere Orkane: Die Eifel, Sturmtief „Sabine“ und die nach wie vor gefährliche Lage am Montag.

Sabine stürmte heran, die Eifel war vorbereitet: In Hillesheim, Bitburg und Prüm richteten die Verantwortlichen Zentralen ein, von wo aus die vielen Einsätze koordiniert wurden. Das Sturmtief war als verheerend angekündigt, unterm Strich aber fielen die Schäden in den Eifelkreisen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm dann doch geringer aus als befürchtet.

Aber: Nachdem es in der Nacht keine Verletzten in Kreis Vulkaneifel gab, passierten am Montagvormittag doch noch mehrere folgenschweren Unfälle auf der A1: Es gab insgesamt sechs witterungsbedingte Verkehrsunfälle, bei denen drei Menschen verletzt wurden und hoher Sachschaden entstand.

Die ersten beiden Unfälle ereigneten sich kurz vor 7 Uhr auf der A 1 bei Steiningen. Ein Autofahrer fuhr in der Dunkelheit gegen einen Baum, der durch den Sturm auf die Fahrbahn gestürzt war. Der 28-jährige Mann hatte dabei noch Glück, an seinem Auto entstand zunächst nur geringer Sachschaden. Während er die Unfallstelle absicherte, erkannte er ein sich rasch näherndes Auto und konnte sich gerade noch rechtzeitig durch einen Sprung hinter die Schutzplanke in Sicherheit bringen. Unmittelbar danach krachte ein mit zwei jungen Frauen besetztes Auto in den Wagen. Die beiden Frauen wurden durch den heftigen Aufprall verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Beide Fahrzeuge wurden abgeschleppt werden.

Sturmtief: Umgestürzte Bäume und Hochwasser an der Kyll

Gegen 8.45 Uhr kam es zwischen der Raststätte Eifel und der Anschlussstelle Manderscheid zu einem plötzlichen und heftigen Graupelschauer. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich eine rutschige Eisschicht auf der Straße. Vier Fahrer schlitterten daraufhin auf dem etwa einen Kilometer langen Streckenabschnitt unabhängig voneinander und prallten entweder gegen die Schutzplanken oder kamen von der Fahrbahn ab und landeten in der Böschung. Ein Autofahrer wurde dabei verletzt und ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Die Unfallstellen wurden von der Autobahnmeisterei abgesichert, der Verkehr wurde einspurig vorbeigeleitet. Auch alle diese vier Autos mussten abgeschleppt werden.

Rückblende: Als in der Technischen Einsatzzentrale in Hillesheim am Sonntag gegen 21 Uhr die aktuelle Warnung des Meteorologen vom Dienst aus Offenbach eintrifft, liest Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) Harald Schmitz sie laut vor: „Die Kaltfront mit den zu erwartenden Orkanböen wird gegen 23 Uhr im Vulkaneifelkreis eintreffen. Besonders betroffen sind die Höhenzüge an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen – zudem wird mit Niederschlägen von rund 40 Litern pro Quadratmeter gerechnet.“ Die 35-köpfige Truppe, die in zwei Räumen der ehemaligen Hauptschule in Hillesheim an den Monitoren, Rechnern und Funkgeräten sitzt, hat die Aufgabe alle Einsätze im Kreis Vulkaneifel zu koordinieren. Sie besteht aus Mitgliedern der Feuerwehr, der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerks (THW), der Polizei, und der medizinischen Einsatzleitung. „Wir stehen in ständigem Kontakt zu allen Rettungsorganisationen, den Straßenmeistereien  und der Leitstelle Trier“, erklärt Feuerwehrmann Dieter Scholzen, der den Job der Lagedarstellung innehat: Bei ihm laufen alle Informationen über Sturmschäden, Straßensperrungen und Nachrichten von den ausgerückten Einheiten ein. „Falls irgendwo da draußen Gerät oder Unterstützung vonnöten ist, organisieren wir von hier aus Hilfe“, sagt Scholzen.

Die wird nachts auch dringend gebraucht: „Wir hatten insgesamt 55 Einsätze bis 3.30 Uhr zu bewältigen“, sagt KFI Schmitz. „Im Kreis waren 250 Mitglieder der Feuerwehren und des THW in Bereitschaft und im Einsatz.“

Überwiegend mussten die Wehren wegen umgestürzter Bäume ausrücken, die Straßen blockierten. „Der Schwerpunkt der Einsätze lag dabei in der Verbandsgemeinde Gerolstein. Daun und Kelberg waren weniger betroffen. Die L 24 zwischen Gerolstein-Lissingen und Birresborn hat es besonders erwischt, sie ist wegen zahlreicher Bäume auf der Fahrbahn gesperrt“, berichtet Schmitz. Die Polizei in Daun geht davon aus, „dass die Straße bis Ende der Woche nicht befahrbar sein wird“.

Am Montag waren die Wehren und Straßenmeistereinen bis zum Mittag noch immer stark beschäftigt gewesen: Es gab bis zu diesem Zeitpunkt weitere 45 Einsätze, die aber von den Wehren der Verbandsgemeinden in Eigenregie abgearbeitet wurden.

In der Nacht waren vor allem die Straßenmeistereien des Kreises gefragt. „Deren Mitarbeiter haben die überwiegende Anzahl der Räumungen übernommen,“ sagt Schmitz. Selbstverständlich hätten die Einsatzkräfte ausreichend Material dabei, um die gefährliche Arbeit auszuleuchten, berichtet der KFI. Die Regengüsse der Nacht seien für die  Wehrleute und die Mitarbeiter der Straßenmeistereien kein Problem gewesen: „Das sind wir gewohnt.“ Gemütlich ist trotzdem anders. Nennenswerte Überschwemmungen hat es laut Schmitz nicht gegeben.

Auf der Bundesstraße 51 wurden drei LKW leicht beschädigt, als sie umgestürzten Bäumen auswichen, heißt es weiterhin vom KFI. „Im Bereich der Baustelle bei Stadtkyll mussten wir die Straße in beide Richtungen kurzzeitig sperren, auch hier lag ein Baum auf der Fahrbahn.“

Ein Stromausfall in der Gemeinde Üxheim sei bereits am frühen Sonntagabend von Mitarbeitern des Unternehmens Westnetz beseigt worden. „Dort hing ein Baum in der Oberleitung.“ 2500 Menschen waren für Stunden ohne Strom. Zu allem Überfluss sei um fünf Uhr früh die Verbindung zwischen der Leitstelle Trier und der Einsatzzentrale zusammengebrochen. „Die Relais-Stelle bei Kirchweiler war beschädigt, die Ursache ist noch nicht klar. Doch der Schaden konnte durch unsere Techniker schnell behoben werden.“

Markus Otten von der Polizei Daun meinte: „Meiner Einschätzung nach sind wir gut weggekommen, eine erhöhte Zahl an Einsätzen war nicht zu verzeichnen,  Meldungen zu umgestürzten Bäumen und weiteren Vorfällen haben wir an die Technische Einsatzzentrale in Hillesheim weitergeleitet.“

Der Sturm sei, wenn man es so wolle, am richtigen Tag über die Vulkaneifel gekommen: „Sonntags ist das Verkehrsaufkommen eher gering, vielleicht sind auch viele Leute wegen der Sturmwarnung zu Hause geblieben,“ sagt Otten.

Sabine hat auch den Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein, der für knapp 2500 Straßenkilometer sowie alle Straßenmeistereien in den Kreisen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm zuständig ist, auf Trab gehalten. „Mehr als 100 Straßen mussten gesperrt werden, weit über 100 Mann waren im Einsatz“, berichtet Behördenleiter Harald Enders. Um drei Uhr in der Nacht auf Montag war Schichtwechsel, und auch über Tag war noch einiges zu tun. „Dass alle Mitarbeiter aus den Straßenmeistereien ran müssen, kommt eher selten vor, in der Regel nur beim Winterdienst.“

In den kreiseigenen Schulen in der Vulkaneifel blieben am Montag morgen viele Klassenräume deutlich leerer als üblich – zumal es die meisten Schulen den Eltern freigestellt haten, ihre Kinder zum Unterricht zu schicken. Sonja Ewertz, zuständige Abteilungsleiterin bei der Kreisverwaltung, sagte: „Es sind vielleicht 25 bis 30 Prozent der Kinder zum Unterricht gekommen.“ In der Realschule plus in Daun waren beispielsweise 95 von gut 400 Schülern anwesend.

Nach Auskunft der Abteilungsleiterin sind gut zwei Drittel der Schulbusse gefahren, Ausfälle gab es vor allem im Kelberger Raum sowie zwischen Ulmen und Daun. Auch aus dem Kylltal kamen viele Schüler nicht zu ihren Schulen in Gerolstein, denn erstens war die Landesstraße 24 lange Zeit gesperrt, zweitens fuhr auf der Eifelstrecke keine Züge. Für Dienstag gilt laut Ewertz aber wieder „an allen Schulen regulärer Untericht“.

An den Folgetag denken am Montagvormittag Frank Max und Werner Kreuder von der Straßenmeisterei Daun noch nicht  – vielmehr an den Feierabend ab 12 Uhr. Denn dann geht für die beiden eine lange Schicht zu Ende, in der sie seit Sonntagmittag bei teils strömendem Regen an mehr als einem Dutzend Stellen Straßen von umgestürzten Bäumen befreit haben. So wie für Hunderte Einsatzkräfte in der Eifel.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm mussten die Rettungskräfte vorrangig wegen umgestürzter Bäume und diverser Stromausfälle in etlichen Orten ausrücken. Auch am Montag waren in der Verbandsgemeinde Südeifel zeitweise 13 Orte vom Netz. Betroffen waren mehr als 1000 Einwohner. Am Nachmittag war dann auch Irrel mit seinen knapp 1600 Einwohnern komplett ohne Strom.

Weitere Stromausfälle gab es nach Auskunft von Joachim Hönel, Pressesprecher der Feuerwehr Südeifel, in der Nacht auf Montag sogar in 22 Orten in der Südeifel.

Doch vor allem die vielen umgestürzten Bäume hielten die Einsatzkräfte auf Trab. Schwerpunkte waren nach Auskunft des Kreisfeuerwehrinspekteurs Jürgen Larisch im Eifelkreis die beiden Verbandsgemeinden Südeifel und Prüm. Die Schäden hielten sich in Grenzen. „Insgesamt“, bilanzierte Larisch, „sind die Folgen des Orkans nicht so dramatisch, wie wir es erwartet haben.“

Die Einsatzzentrale des Eifeler Katastrophenschutzzentrums konnte in der Nacht gegen 3.30 Uhr aufgelöst werden. Alarmierungen gab es dennoch auch am Montag noch.

Besonders gefährlich blieb die Lage auf der Schneifel und rund um den Schwarzen Mann. Dort stand auch infolge der Regenfälle in den vergangenen Wochen viel Wasser im aufgeweichten Boden, die Böen rissen Bäume mitsamt der Wurzelteller aus, andere brachen am Stamm.

Sturmtief Sabine hat Sonntag und Montag Hunderte Einsatzkräfte in der Vulkaneifel auf Trab gehalten. Vor allem die vielen umgestürzten Bäume, die Straßen blockiert haben, haben für reichlich Arbeit gesorgt. Hier schneidet Mario Sachen vom Forstamt Daun den Baum klein, der auf die vielbefahrerene B 421 zwischen Mehren und Daun zu fallen drohte und deshalb vorsichtshalber im Auftrag der Straßenmeisterei Daun gefällt wurde. Sebastian Holz räumt die Fichte anschließend mit einem Frontlader beiseite. Foto: TV/Mario Hübner
Vorsichtsmaßnahme: Auch hängende Bäume wurden beseitigt. Foto: TV/Mario Hübner
Der Sturm hat vor allem leere Mülltonen umgeweht. Foto: TV/Mario Hübner
...und auch diesem Zaun schwer zugesetzt. Foto: TV/Mario Hübner
An der L 24 zwischen Birresborn und Lissingen sind zahlreiche Bäume auf der Straße gestürzt, die deshalb lange gesperrt blieb. Foto: Rudolf Höser
So wird in der technischen Einsatzzentrale in Hillesheim gearbeitet. Foto: TV/Vladi Nowakowski
In der Zentrale in Hillesheim werden die Einsätze koordiniert. Auch Landrat Heinz-Peter Thiel (gelbe Jacke) ist an Bord. Foto: TV/Vladi Nowakowski

 Deshalb gilt weiter die dringende Warnung der Forstverantwortlichen: Bloß rausbleiben aus den Wäldern – und zwar in der gesamten Eifel!