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Das große Graben beginnt erst 2017: Spatenstich für die Eifel-Pipeline verzögert sich

Das große Graben beginnt erst 2017: Spatenstich für die Eifel-Pipeline verzögert sich

Wasser, Erd- und Biogas, Strom und schnelles Internet für die Südeifel und Region Trier – gebündelt in einer Trasse. Mit dem Bau der Eifel-Pipeline sollte eigentlich noch in diesem Jahr begonnen werden, so war es geplant. Doch das 140-Millionen-Euro-Projekt steckt noch im Genehmigungsverfahren.

Merklich still geworden ist es in den letzten Monaten um das Mega-Projekt Eifel-Pipeline (siehe Extra). Dabei sollte der große Graben, der die Region in Zukunft von der oberen Landesgrenze aus Nordrhein-Westfalen mit Wasser, Strom, Erd- und Biogas plus schnellerem Internet versorgen soll, eigentlich schon in diesem Jahr gebuddelt werden. Zumindest sollte es auf dem ersten Bauabschnitt zwischen Bitburg und Schönecken schon längst vorwärtsgehen. Denn die Kommunalen Netze Eifel (KNE) hatten für 2016 den Spatenstich angekündigt.

Spatenstich: Der TV hat nachgefragt, warum sich der Baubeginn des 140-Millionen-Euro-Projekts verzögert: Das Projekt stecke noch im Genehmigungsprozess, erklärt Carsten Grasmück, Pressesprecher der Stadtwerke Trier (SWT), die das Projekt gemeinsam mit den KNE stemmen wollen.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) prüfe derzeit noch die umfangreichen Planungsunterlagen für das Regionale Verbundsystem Westeifel, das rund 245 000 Menschen versorgen und die Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen mit der Riveristalsperre bei Trier verbinden soll. Bei der Prüfung geht es um wasser-, naturschutz- und forstrechtliche Fragen.

Aber noch weitere Hürden müssen genommen werden, bevor die erste Schaufel Erde ausgehoben werden kann. Eine davon ist mehr oder weniger eine Formalie: Bevor die Bauarbeiten starten können, sollen alle beteiligten Kommunen von der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bis zu den Stadtwerken Trier in einer neuen Gesellschaft, der noch zu gründenden Landwerke Eifel, firmieren. Mit im Boot: die Stadtwerke Bitburg und die Werke der Verbandsgemeinden Bitburger Land, Schweich, Speicher, Südeifel, Trier-Land sowie die KNE und die Stadtwerke Trier. Die Trasse werde deshalb erst im Frühjahr 2017 gebaut, erklärt Grasmück.

Fragen: Haben wir denn nicht ausreichend eigene Quellen, die Trinkwasser in exzellenter Qualität liefern? Warum also die Südeifel und die Region Trier mit Wasser aus dem Nachbarland Nordrhein-Westfalen versorgen? Solche Fragen zum Sinn des 140-Millionen-Euro-Projekts mögen sich viele Eifeler stellen. Aus der Gerüchteküche ist gar zu hören, die Versorgung mit Wasser aus dem Nachbarland NRW sei notwenig, weil das Grundwasser der Südeifel zu stark mit Chemikalien wie PFT oder Düngestoffen wie Nitrat belastet sei . Oder sind das nur Verschwörungstheorien? Der TV hat die KNE auch dazu um eine Stellungnahme gebeten.

Antworten: Schadstoffbelastungen spielen, wie die KNE mitteilt, für das regionale Verbundprojekt-Westeifel gar keine Rolle. "Unser Trinkwasser ist Lebensmittel Nummer 1 und erfüllt zu jeder Zeit die hohen Anforderungen der Trinkwasserverordnung", lautet die Antwort der KNE für das Versorgungsgebiet Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Stadt Trier, wo fast 250 000 Menschen täglich den Wasserhahn aufdrehen. Trotzdem seien viele Rohwasserquellen in der gesamten Region auf das Umweltgift PFT untersucht worden. "Die Messergebnisse liegen ein Vielfaches unter dem vom Umweltbundesamt vorgegebenen Leitwert (maximal 0,1 Mikrogramm pro Liter)", erklären die KNE. Machen dann andere Stoffe, wie die hohe Nitratbelastung des Grundwassers in der Südeifel eine externe Trinkwassersorgung aus NRW notwendig? Auch dazu lautet die klare Antwort der KNE: "Nein."

Sinn und Zweck: Die 140 000 Millionen Euro teure Versorgungstrasse werde gebuddelt, um die Trinkwasserversorgung der Region dauerhaft zu sichern. Mit der Umkehrung der Fließrichtung von Norden nach Süden durch die Eifel-Pipeline könne pro Jahr außerdem mehr als eine Million Kilowattstunden Pumpenergie eingespart werden. Denn bislang werde Trinkwasser den Berg rauf von Süden nach Norden in Hochbehälter gepumpt.
Und schließlich soll der große Graben ja auch noch weitere Ressourcen transportieren oder miteinander vernetzen. So sollen 48 Bio-Gasanlagen und auch Windräder an das Netz angeschlossen werden, 27 000 Haushalte und 12 Gewerbegebiete mit schnellerem Internet versorgt werden und schließlich zwei Erdgasnetze miteinander verknüpft werden.

Darüber hinaus soll die Versorgungstrasse als Schnittstelle für weitere regionale Energieerzeuger wie beispielsweise Windanlagenbetreiber dienen.Meinung

Reines Wasser? Dann marsch!Das Grundwasser in weiten Teilen der Region ist nicht gerade in einem exzellenten Zustand. In der landwirtschaftlich geprägten Eifel ist es stark mit Nitrat belastet . Zwar liegen die Konzentrationen am Wasserhahn durchweg unterm Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, doch mischen die Versorger vereinzelt nitratarmes Wasser hinzu, um die Belastung zu senken - so auch bei mehreren Quellen im Eifelkreis. Im Grundwasser rund um die US-Air-Base Spangdahlem findet sich zudem eine hohe PFT-Konzentration. Bisher sind die Substanzen dort nur in mutmaßlich unbedenklichen Konzentrationen im Trinkwasser nachzuweisen. Doch wie zahlreiche Informationsveranstaltungen mit Behördernvertretern und Lokalpolitikern zeigen, macht man sich an verschiedener Stelle Sorgen, dass diese Stoffe eines Tages in erhöhten Konzentrationen in Trinkwasserbrunnen landen könnten. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass die Wasserqualität bei der externen Versorgung der Südeifel und der Region Trier mit dem qualitativ kaum zu toppenden Trinkwasser aus der Oleftalsperre gar keine Rolle spielen soll. Aber egal, warum man 245 000 Menschen der Region in Zukunft reineres Trinkwasser aus der Nordeifel einschenken möchte, über die Qualitätssteigerung können sie sich nur freuen. Denn das kostbare Nass aus der Oleftalsperre ist sehr weich, kaum mit Nitrat belastet, da das Einzugsgebiet der Talsperre zu 70 Prozent aus Waldgebieten besteht, und wird zudem noch mit modernster Membranfiltertechnik aufbereitet. Wohl bekomm's! c.moeris@volksfreund.deExtra

Die Kommunalen Netze Eifel sind zu 74,9 Prozent im Besitz des Eifelkreises Bitburg-Prüm und zu 25,1 Prozent im Besitz der Stadtwerke Trier. Sie wollen bis 2022 eine neue Wasserleitungs-Trasse legen, von der Oleftalsperre in der nordrhein-westfälischen Eifel bis hinab nach Trier. Der Graben wird knapp 80 Kilometer lang sein, soll 140 Millionen Euro kosten und 245 000 Bürger mit Trinkwasser versorgen, hinzu kommen Glasfaser-, Strom- und Gasleitungen. Dabei sollen regionale Anlagen für Strom aus Biogas, Wind, Sonne und Wasser ins System integriert werden. Zudem bietet man Telekommunikationsunternehmen die Möglichkeit, alle angrenzenden Orte mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen. 25 Millionen Euro gibt das Land für den Wasseranteil, der insgesamt 80 Millionen beträgt. Für das Pipeline-Projekt sind die KNE, die künftig als "Landwerke Eifel" firmieren wollen, voriges Jahr als einer der Preisträger im bundesweiten Wettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" geehrt worden. fpl