Das hat keiner erwartet

Vieles hätten sich die Verbandsgemeinden Irrel und Neuerburg vorstellen können. Aber dass Innenminister Roger Lewentz genau diese beiden Kommunen zusammenzwingt, überrascht alle - und zwar keineswegs positiv. Wegen der Zwangsfusion hagelt es Kritik.

Neuerburg/Irrel. Der Vorschlag einer Zwangsfusion der Verbandsgemeinden Neuerburg und Irrel sorgt vor allem für eins: Kopfschütteln. Nico Billen (CDU-Fraktion im VG-Rat Irrel) sagt: "Ich bin schon mehr als erstaunt, dass jetzt von Mainz ein Vorschlag unterbreitet wird, der weder in dem Gutachten der Uni Trier, das der Eifelkreis beauftragt hat, noch in dem Gutachten von Professor Junkernheinrich auftaucht." Billen war dafür, die Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg zu zerschlagen und auf Irrel und Arzfeld aufzuteilen.
Kommunal reform


Dass nun eine Variante umgesetzt werden soll, die keines der Gutachten empfiehlt, kritisiert auch Albert Heck (FWG Irrel): "Mit Trier-Land hätten wir wenigstens einen finanziell starken Partner gehabt. Was das Land da vorschlägt, ist absolut unverständlich." Hecks FWG hätte sich auch eine Südeifel-VG mit Bitburg-Land, Kyllburg, Speicher und Irrel vorstellen können. "Aber das ist am Widerstand der anderen gescheitert."
Wenig begeistert ist auch die CDU in Neuerburg. Matthias Lorig sagt: "Wir sind schon reichlich überrascht. Dann hätten wir eine Dreier-Fusion von Neuerburg, Irrel und Arzfeld besser gefunden." So kämen nun zwei finanziell schwache Kommunen zusammen. "Zwei Kranke ergeben aber noch lange keinen Gesunden", sagt Lorig. Eine Dreier-Lösung hätte auch Paul Lentes (Liste Lentes Neuerburg) besser gefunden. Lentes kritisiert die Reform insgesamt: "Man hätte ganz oben bei den Ministerien anfangen müssen, nicht irgendwo in der Mitte." Kritik hagelt es für die Reform auch von Günter Eichertz (FDP Neuerburg): "Dem Land hat wohl der Mut gefehlt, eine wirkliche Reform über alle Ebenen anzugehen. Das ist ein Reförmchen, das uns nicht weiterbringt." Wenn schon Zwangsfusion, dann hätte Eichertz ebenfalls eine Dreier-Lösung mit Arzfeld bevorzugt: "Ein Zusammenschluss nur mit Irrel ist zu kurz gefasst." Ähnlich sieht es Peter Trauden (UBV Neuerburg): "Eine Dreier-Lösung hätte mehr Sinn gemacht, als dieses Klein-Klein. Ich war ja Fan der Idee einer Südeifel-VG."
Günter Scheiding (SPD Neuerburg) wie auch Horst Zwank (SPD Irrel) waren ebenfalls für eine Südeifel-VG. "Je größer die Einheit, desto mehr Geld lässt sich langfristig sparen", sagt Scheiding, der es bedauert, dass es nicht zu einer freiwilligen Fusion kam: "Den Vorwurf, dass die Hochzeitsprämie verspielt wurde, hat vor allem die CDU zu verantworten." Parteigenosse Horst Zwank haut in die gleiche Kerbe: "Wir wollten eine freiwillige Fusion zustande bringen. Es ist das Verschulden der CDU, dass es nun zur Zwangsfusion ohne Prämie kommt. Es war doch klar, dass man das nicht einfach aussitzen kann. Wenn man sich nicht freiwillig bewegt, wird einem eben was aufgezwungen." Zwank findet, dass eine Dreier-Fusion wie auch eine Südeifel-VG bessere Lösungen gewesen wären: "Jetzt kommen zwei finanziell Schwache zueinander." Begeistert ist von diesem Ergebnis keiner. Der Irreler CDU-Mann Billen sagt: "Das müssen wir jetzt so hinnehmen und versuchen, das Beste draus zu machen." Wie das aussehen soll, wird die Räte in den kommenden Wochen beschäftigen.