Das Hindernis zwischen Kilometer 127 und 129

Unwetter : Nach Erdrutsch am Wilsecker Bahntunnel - Immer noch Sperrung zwischen Kilometer 127 und 129

Ein Erdrutsch hat den Wilsecker Bahntunnel verschüttet. Schuld daran waren starke Unwetter im Juni. Doch noch immer ist ein Teil der Strecke gesperrt. Und sie wird es wohl auch noch eine Weile bleiben, heißt es von der Bahn.

Rund 70 Kilometer liegen zwischen Trier und Gerolstein. Eine Strecke, die in etwas mehr als einer Autostunde zu schaffen ist. Mit dem Zug braucht Hans-Martin Stüber normalerweise eineinhalb Stunden. Doch seit Juni habe sich die Fahrzeit fast verdoppelt. Zweieinhalb Stunden brauche der Zug von der Brunnenstadt bis in die Moselmetropole. Ein Zustand, den nicht nur Stüber „unzumutbar“ findet.

Doch der pensionierte Priester ist auf die Deutsche Bahn angewiesen. Wegen eines Augenleidens wird der 85-Jährige im Trierer Brüderkrankenhaus behandelt. Er bekommt Spritzen, muss regelmäßig zur Kontrolle. Und ebendiese Krankheit verbietet es dem Eifeler auch, sich selbst ans Steuer zu setzen: „Ich habe Angst im Verkehr etwas zu übersehen.“ Bleibt also nur der Zug.

Am Wilsecker Tunnel sind Bahnarbeiter noch immer mit der Beseitigung von den zurückliegenden Unwetterschäden beschäftigt. Und das werden sie wohl auch noch eine Weile sein. Foto: Klaus Kimmling

Das Problem: Auf seiner Route zwischen Kilometer 127 und 129 liegt der Wilsecker Tunnel. Die Unterführung zwischen Kyllburg und Bitburg-Erdorf haben die Unwetter im Juni stark getroffen: Starkregen hatte ihn gleich zweimal hintereinander geflutet, Erdrutsche ausgelöst und Geröll ins Innere gespült. Außerdem war ein Regionalzug hinter dem Tunnel entgleist und in eine Schlammlawine gefahren (der TV berichtete). Klar, dass solche Schäden nicht in ein paar Tagen zu sanieren sind.

Für die Fahrgäste bedeutet das: Aussteigen in Kyllburg, einsteigen in den Schienenersatzbus und dann „kilometerweit über Serpentinen durch die Eifeldörfer bis nach Philippsheim tingeln“, sagt Stüber: „Dann wieder rein in den Zug und nach Trier.“ Insgesamt, sagt Stüber, verliere man durch die Bustour und das Warten auf den Anschluss rund eine Stunde. Besonders hart treffe das die Eifeler Pendler: „Wer morgens um 9 auf der Arbeit sein will, muss um 6 am Gleis stehen.“

Er würde sich wünschen, zumindest zu erfahren, wie lange die Sperrung anhält. Doch vom Unternehmen höre man nichts, klagt der 85-Jährige. Und auch das Personal an den Bahnhofsschaltern würde vom Unternehmen nicht über den Stand der Bauarbeiten informiert.

Von der Bahn heißt es auf TV-Anfrage wörtlich: „Dann müssten wir ja Leute an den Schalter stellen, die eine halbe Ingenieursausbildung haben.“ Das Personal könne lediglich Auskunft über Fahrpläne geben, nicht über den Fortschritt der „komplexen“ Bauarbeiten. Die gestalteten sich schwierig, gibt der Bahnsprecher zu.

Die Strecke bleibe „unpassierbar“: „Das kann Tage oder Monate dauern bis sie wieder frei ist.“ Mindestens aber zwei bis drei Wochen. Der Grund: Der Wilsecker Tunnel ist schwer zu erreichen, weil er in einem engen Tal liegt. Einen Lastwagen oder schweres Gerät an die Gleise zu bekommen, sei unmöglich, meint der Unternehmenssprecher.

Derzeit versuche man mit Mini-Baggern, Geröll wegzuräumen. Danach müssten die Gleise erneuert werden. Wie viel das kosten wird, könne man derzeit nicht einschätzen: „Das wäre Kaffeesatzleserei. Erst nach der Sanierung ziehen wir da einen Strich drunter.“ Solange gebe es den Schienenersatzverkehr, der nach Ansicht des Bahn-Mitarbeiters „gut angenommen“ wird.

Stüber hat andere Erfahrungen gemacht. Der Gerolsteiner spricht von „genervten und entnervten Fahrgästen“, die ihrem Frust beim Bahnpersonal Luft machen. „Die armen Teufel tun mir richtig leid“, sagt der Pfarrer im Ruhestand. Auch mit den anderen Antworten der Bahn ist der Gerolsteiner nicht zufrieden: „Zwei bis drei Wochen Sperrung. Das wäre schon happig.“ Am meisten ärgert ihn aber, dass das Unternehmen nicht von selbst über den Stand der Bauarbeiten informiert hat.

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