"Das ist deutlich interessanter als ein Stadtpark"
Blankenheim-Alendorf · Das einzigartige Naturschutzgebiet Wacholdereifel rund um Alendorf am Rande von Oberer Kyll und Hillesheimer Land soll erhalten bleiben. Deshalb sind Naturschützer aus dem gesamten Bundesgebiet in die Eifel gekommen.
Blankenheim-Alendorf. Wacholderrauch zieht über die berühmten Hänge rund um Alendorf, Kreis Euskirchen. Zwischen den Pflanzen, die an Zypressen erinnern und so der Gegend ein toskanaähnliches Aussehen verleihen, steigen Menschen immer wieder den Berg auf und ab und nähren das Feuer mit den Ästen, die sie in dem unter Naturschutz stehenden Gebiet abgeschnitten haben.
"Der Wind steht ungünstig", bedauert Projektleiter Axel Jakob, dass die Alendorfer immer wieder in dem dicken Qualm stecken, der von den Holzfeuern ausgeht. Er ist für das Bergwaldprojekt tätig, eine bundesweite tätige Organisation, die mit Freiwilligen Arbeiten in Naturschutzgebieten ausführt und leitet den Einsatz vor Ort. In Schleswig-Holstein, im Spessart, in Österreich oder auch im Nationalpark sind die Arbeitsgruppen tätig. Seit vier Jahren widmen sie sich der Aufgabe, die Wacholder eifel zu pflegen. "Es soll Kalkmagerrasen mit Wacholder sein und nicht Wacholder mit Kalkmagerrasen", verdeutlicht Jakob den Sinn ihrer Arbeit.
An 35 Projekt orten finden in Deutschland derartige Arbeitseinsätze statt. Nach Alendorf sind aus dem ganzen Land 20 Menschen gekommen, um hier zu arbeiten. Aus Essen ist Christina Pawelczyk dort.
Sie wollte schon immer im Naturschutz helfen, doch das gestaltet sich im heimischen Ruhrgebiet schwierig. Eines Tages sah sie im Fernsehen einen Bericht über das Bergwaldprojekt, das Freiwillige in Naturschutzprojekte einbindet und meldete sich spontan. Alendorf ist ihr erster Einsatz im Bergwaldprojekt.
Jochen Hartmann ist aus Potsdam gekommen, und auch er hat in seiner Heimat vergeblich nach Möglichkeiten gesucht, sich im Naturschutz zu engagieren. "Das Bergwaldprojekt geht auch in Nationalparks", meint er, "das ist deutlich interessanter als ein Stadtpark." Seit vier Jahren gehen die Mitarbeiter des Bergwaldprojekts in die Eifeler Wacholderheide, um kranke und abgestorbene Äste herauszuschneiden.
Abends treffen sich die Freiwilligen im alten Bahnhof in Blankenheim-Mülheim. "Dieses Projekt besitzt eine große Anziehungskraft für Menschen, die mir sympathisch sind", meint Angela Rochner aus Mönchengladbach. Um 15 Uhr war an diesem Freitag Schluss mit dem Arbeitseinsatz. "Wir haben viel gemacht", resümiert Jakob und gibt das Signal zum Arbeitsschluss für seine ermatteten Freiwilligen. sev
Extra
Wacholdereifel wird die Landschaft in der Umgebung von Alendorf genannt. Entstanden ist sie durch die intensive Beweidung des Kalkmagerrasens mit Schafen. Rund 1000 Hektar sind als FFH-Gebiet unter Naturschutz gestellt. Der Kalkmagerrasen bietet Platz Orchideen, Enziane oder Herbstzeitlose. Die Beweidung übernimmt der Schäfer Werner Kulling mit seiner Herde. Damit der Wacholder nicht zuwuchert, gingen früher die Schafhirten mit ihrer Schäferschippe umher und stachen überzählige Pflanzen aus. sev