"Das ist eine Sauerei!"

Tausende Fische sind in den vergangenen Tagen an der Sauer verendet, weil der Wasserspiegel um zwei Meter abgesenkt wurde. Angler geben den Behörden Schuld, die das ihrer Ansicht nach hätten verhindern können. Und Naturschützer sorgen sich nun um die Wasservögel.

Steinheim/Rosport/Trier. Es riecht brackig. Regentropfen scheinen das Wasser des stillen Seitenarms der Sauer zu bewegen. Doch es regnet nicht. Was sich da bewegt, sind Zigtausende winzige Fische, die nach Luft zu schnappen scheinen. Denn mit dem Wasser geht ihnen allmählich auch der Sauerstoff aus: Weil am luxemburgischen Stauwehr bei Rosport gebaut wird, wurde der Wasserstand des Grenzflüsschens Sauer um zwei Meter gesenkt. Tausende Fische und andere Flusslebewesen sollen nach Auskunft des luxemburgischen Sportfischerverbands dadurch schon verendet sein. Und wären da nicht die Männer in Gummistiefeln, dann wäre auch der Seitenarm bei Steinheim längst trockengefallen und die Fischchen tot - ganz so, wie es auf der gegenüberliegenden deutschen Seite passiert zu sein scheint. Denn auch dort gibt es einen sogenannten "Laicharm", in den sich junge Fische zurückziehen können. Nur Wasser ist allem Anschein nach keines mehr darin. Mit Schaufeln versuchen die luxemburgischen Angler und Mitarbeiter der Wasserwirtschaftsverwaltung daher am Dienstag, ein Wehr zu errichten, das das Wasser zurückhält, während eine Pumpe neues hinzuführt. Der Versuch, das Ganze etwas professioneller anzugehen, war gescheitert: Ein Bagger, der das Wehr aufschütten sollte, war im Schlick versunken, umgefallen und musste mit einem Kran geborgen werden. Nicht das Einzige, was schief lief. Nach Auskunft von Jos Scheuer, dem Präsidenten des Anglerverbands, hatte die für die Bauarbeiten verantwortliche Bauverwaltung zwar eine Pumpe installiert. Die Beamten sollen diese jedoch ausgeschaltet haben, als sie um 18 Uhr Feierabend machten. Als es Scheuer gegen 21.30 Uhr gelungen war, eine andere, bessere Pumpe zu organisieren, waren bereits viele Fische verendet. Kurz: Scheuer ist sauer. Und andere Angler auch: "Das ist eine Sauerei!", sagt Claude Strotz, auf dessen Initiative die Hilfsaktion gestartet wurde. "Mit einem provisorischen Wehr kurz vor der Staustufe hätte man verhindern können, dass so viele Lebewesen sterben." Man habe nichts aus dem gelernt, was vor kurzem an der Mosel geschehen sei (siehe Hintergrund). Ihrer Ansicht nach haben sich die Behörden nicht genug Gedanken gemacht - und auch die Absprache mit Deutschland scheine nicht funktioniert zu haben. Denn aus Trier reist ein Mitarbeiter der für die Sauer zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion erst an, nachdem ein luxemburgischer Beamter ihn telefonisch informiert hat. Aber da ist es für die Fischchen auf deutscher Seite schon zu spät. Doch nicht nur Fische - auch Wasservögel könnten nach Auskunft von Lothar Lorig vom Trierer Verein Umwelt- und Katastrophenschutz nun gefährdet sein. Er ist zufälligerweise gerade vor Ort, um zwei verstoßene Schwanenjunge zu retten, als er von alledem erfährt, und macht sich nun Sorgen. Denn wenn Wasservögel mit verwesenden Fischen in Kontakt kommen, endet das laut Lorig meist tödlich. "Das können die doch nicht machen! Die Vögel ziehen gerade ihre Jungen groß", sagt er. Ob das Vorgehen an der Sauer den Normen entspricht, war gestern nicht zu erfahren. Nach Auskunft der luxemburgischen Bauverwaltung waren die Bauarbeiten und die damit einhergehende Wasserstandsabsenkung allerdings lange geplant und mit allen betroffenen luxemburgischen und deutschen Behörden abgestimmt. Noch bis kommende Woche soll der Wasserstand der Sauer so niedrig bleiben. Solange werden die Angler mit Unterstützung der Wasserwirtschaftsverwaltung sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Fischchen in dem Seitenarm überleben. Meinung

Skandal an der SauerAngeblich war das Absenken des Wasserstands an der Sauer von langer Hand geplant und mit allen betroffenen Behörden abgesprochen. Umso schlimmer! Hat sich denn da keiner Gedanken darüber gemacht, was das für Auswirkungen haben wird? Offensichtlich nicht. Denn Vorkehrungen wurden keine getroffen, um zu verhindern, was nun geschehen ist: Tausende Fische und andere Flusslebewesen sind verendet. Und ohne den Einsatz der Angler wären es noch viel mehr. Das Ganze ist völlig unverständlich. Insbesondere, wenn man sich überlegt, dass deutsche und luxemburgische Behörden gemeinsam an einer neuen Wasserschutzrichtlinie für die Sauer arbeiten, die regeln soll, wann Kanus fahren dürfen und wann nicht - um die Wasserbewohner nicht zu stören. Zu stören! Und jetzt lässt man einfach zwei Meter Wasser ab, ohne sich um die Folgen zu scheren. Von Behördenfachleuten, die sich täglich mit solchen Fragestellungen beschäftigen, darf man etwas anderes erwarten. Das, was an der Sauer geschehen ist, ist ein Skandal! k.hammermann@volksfreund.de

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