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"Das ist nicht mehr feierlich"

"Das ist nicht mehr feierlich"

Vom Alkoholverbot bis zum Sicherheitsdienst: Mit einer Reihe von Vorgaben wollen Polizei und Kommunen in der anstehenden Karnvals-Session Gewalt und andere Ausschreitungen verhindern.

Prüm. Erste Gespräche, erste Ergebnisse: Die Polizei-Inspektion (PI) Prüm und die Kommunen im Dienstbezirk haben in den vergangenen Wochen mehrfach zusammengesessen und darüber diskutiert, wie man gegen mögliche Ausschreitungen in der anstehenden Karnevals-Session vorgehen kann. Erstes Resultat ist ein gemeinsam entwickelter Handlungsleitfaden mit Vorgaben für die zuständigen Ordnungsämter und die Ausrichter von Umzügen und anderen Festen.

Nur Kamelle, kein Alkohol an Jugendliche



Einige der Vereinbarungen: Kein Alkohol an Jugendliche während der Züge, verantwortliche Ansprechpartner auf allen Wagen und in den Fußgruppen, freie Zufahrten für die Notdienste - und professionelle Sicherheitskräfte, die vor allem auch nach den Umzügen für Ruhe sorgen sollen. Außerdem: Nichts mehr, was als gefährliches Wurfgeschoss verwendet werden kann. "Kamellen oder gar nichts", sagt Peter Hillen von der Verbandsgemeinde Prüm.

Die Vorgaben basieren auch auf den Erfahrungen nach dem Arzfelder Umzug in der vorletzten Session: Nach den damaligen Gewalttätigkeiten sind dort Gemeinde und Karnevalsverein rigoros vorgegangen und haben unter anderem den Alkohol auf Festwagen verboten: "Vor zwei Jahren gab es da schlimme Ausschreitungen", sagt PI-Chef Josef Junk. "Dieses Jahr war das harmlos, bis auf eine Kleinigkeit. Aber dann ist da natürlich die Sorge, dass plötzlich woanders etwas passiert."

Diese Sorge treibt auch Werner Arenz um, den Bürgermeister der VG Obere Kyll. "Das Thema muss besprochen werden. Das ist ja nicht mehr feierlich", sagt er angesichts der Ausschreitungen. Den Ausrichtern des erfolgreichen - und bislang stets friedlichen - Gönnersdorfer Nachtumzugs hat er deshalb bereits einen Brief geschrieben, in dem er vor allem den Schutz von Kindern und Jugendlichen anmahnt. Auslöser waren die Probleme beim mittlerweile abgesagten Nachtumzug in Kruchten (der TV berichtete) und bei anderen nächtlichen Veranstaltungen. "Jetzt haben wir noch Zeit", sagt Arenz. "Da kann man sich ja einmal Gedanken machen."

Das gilt auch für die weiteren Karnevalshochburgen in der VG: Alle Ausrichter werden in Kürze ein ähnliches Schreiben erhalten.

"Jugendschutz gilt ganzjährig"



"Man kann nie eine Klopperei ausschließen", sagt Arenz. "Aber wenn genug Leute nüchtern sind und für Ordnung sorgen, muss es auch nicht ausarten."

Nicht nur im Karneval: Auch auf mancher Kirmes, sagt Arenz, werde der Jugendschutz "mit Füßen getreten". Es könne nicht sein, "dass da Kinder von irgendwelchen Deppen Alkohol kriegen". Das unterstreicht auch Peter Hillen in Prüm: "Das Jugendschutzgesetz gilt ganzjährig."

Beim Thema Gewalt fordert Arenz mehr Zivilcourage: "Nicht einfach weggucken. Wenn man der Polizei nichts steckt, kann sie auch nichts tun." Und die wird weiter aufmerksam sein, zunächst im Karneval: "Ganz klar, dass wir da verstärkt vor Ort sind", sagt Josef Junk.