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Das "Judenkind" kommt in die Gemünder Galerie

Schleiden-Gemünd. "Judenkind", das Stück von Andreas Züll wird am Sonntag, 24. März, als szenische Lesung im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus uraufgeführt. Mit ihm setzt das Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt sein Kunst- und Kulturprogramm fort. Beginn ist um 19 Uhr in der Galerie Eifel Kunst in Gemünd.

Schleiden-Gemünd. Gegen Ende des Krieges geraten ein jüdisches Ehepaar und seine kleine Tochter in irgendeiner deutschen Kleinstadt in die Widrigkeiten von Verfolgung, Denunziation und Zivilcourage. Gut und Böse scheinen dabei klar getrennt zu sein.
Doch was sich zuerst anhört wie eine weitere jener in den vergangenen Jahren so zahlreich erschienenen Heldengeschichten von guten Deutschen, die in der Nazizeit eine jüdische Familie verstecken und damit gleichsam das Gewissen der Nation reinwaschen, verfolgt ein anderes Ziel. "Judenkind", das Buch des Steinfelder Autors Andreas Züll will den Blick wieder auf die Opfer und die Möglichkeiten des Handelns lenken.
"Züll ist perfide. Seine Geschichte ist nur auf den ersten Blick affirmativ zu lesen", stellte bereits im Januar die Rezension der Eifeler Presseagentur (epa) fest. Wie der Autor zeige, gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, auch in schweren Zeiten seine eigenen Entscheidungen zu treffen und sich der herrschenden Ideologie entgegenzustellen.
In Zusammenarbeit mit dem Eifeler Bündnis gegen rechts wird das Drama als szenische Lesung am Sonntag, 24. März, erstmals in der Gemünder Galerie Eifel Kunst dem Publikum vorgestellt und damit die dortige Veranstaltungsreihe zur Internationalen Woche gegen Rassismus abschließen. "Ich freue mich sehr, dass Judenkind seine Premiere in Gemünd erleben wird", sagt Züll. "Die Galerie hat bereits im vergangenen Jahr gewissermaßen Pate für das Buch gestanden. Das ist eine schöne Entwicklung."
Galerieleiterin Marita Rauchberger, die das Vorhaben angeregt hat, zeigt sich enthusiastisch: "Nach dem Erfolg der Lyriklesung im vergangenen August freue ich mich, wieder mit Züll und den Künstlern von ‚Was ist eigentlich Zümiesmus?\' zusammenarbeiten zu können". Das Ensemble setzt sich vor allem aus Personen zusammen, die bereits in der Vergangenheit oft gemeinsam zu sehen und zu hören waren.
An der Lesung beteiligen werden sich unter anderem neben den Autoren Jana Engels, Georg Miesen und Sebastian Miesen auch die Musiker Judith Scherer und Walter Löhr. In dieser Runde findet sich zwar kein einziger Schauspieler, aber im Vortragen literarischer Texte erfahrene Künstler. Denn bei dem Vorhaben wird es sich nicht um eine Theateraufführung im eigentlichen Sinne handeln. Die Akteure setzen vor allem auf die Vorstellungskraft ihrer Zuhörer. Gemeinsam wollen sie ein Zeichen für das Hinsehen und Handeln setzen.
Bei der Lesung besteht zudem die Möglichkeit, signierte Exemplare zu erwerben. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn eine halbe Stunde später. Der Eintritt ist frei. red
Andreas Züll "Judenkind": Ahaker-Verlag Herzogenrath/Aachen, 84 Seiten, 10,90 Euro, ISBN 978-3-86858-924-5.