1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Das "Kind" hat jetzt einen Namen

Das "Kind" hat jetzt einen Namen

Die neue Brücke über dem Urftsee ist nach dem 84-jährigen Oberst a.D. Victor Neels benannt worden. Das Bauwerk verbindet Vogelsang und den Urftseewanderweg.

Vogelsang. (red) Sieben Monate hat der Bau des wohl wichtigsten "Lückenschlusses" im Nationalpark Eifel (Kreis Euskirchen) gedauert: 124 Meter lang ist die Brücke zwischen Vogelsang und dem "Urftseewanderweg" auf der Kreisstraße 7 (K 7). Seit ihrer Öffnung am 27. September wird die neue Brücke von vielen Wanderern und Radfahrern, die den Nationalpark Eifel besuchen, benutzt. Jetzt hat das "Kind" auch einen Namen: Die Brücke ist am Samstag offiziell auf den Namen "Victor-Neels-Brücke" getauft worden. "Ein besonderer Name für eine besondere Brücke", wie Landrat Günter Rosenke während der feierlichen Präsentation des Namens in Vogelsang verkündete.

Der 84-jährige Victor Neels war von 1970 bis 1980 Kommandant der belgischen Streitkräfte in Vogelsang. Der Flame war länger als jeder andere Platzkommandant des Übungsgeländes. "Seine Anwesenheit strahlte förmlich über Vogelsang hinaus in viele Teile der Eifel", erklärte Landrat Rosenke. Neels sei es gelungen, den Ruf der Militärs umzukehren. Die Soldaten sollten nicht länger nur als Nato-Verbündete "ertragen" werden. Vielmehr seien die Soldaten dank des Einsatzes von Neels "immer mehr als Menschen anerkannt worden", wie Rosenke die Entscheidung der Jury begründete, der über einen Ideenwettbewerb 220 Vorschläge für die neue Stahl-und Aluminiumkonstruktion vorlagen. Unter der Leitung von Neels engagierten sich die Soldaten in Vogelsang in erster Linie für Menschen mit Behinderungen. Das Offizierskorps etwa übernahm Partnerschaften für Behinderteneinrichtungen und sorgte für den Ferienaufenthalt von Kindern, etwa von der Kaller Nikolausschule, an der belgischen Nordseeküste. Neels war federführend bei der Initiierung des in der Vergangenheit sehr beliebten "Tags der offenen Tür" auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Wie Landrat Rosenke aus dem Lebenslauf des ehemaligen Kommandanten berichtete, konnte der Oberst a. D. die Gäste in ihrer Landessprache begrüßen, denn fünf Sprachen gehören zu seinem Repertoire. Für seine Verdienste um die Völkerverständigung wurde Neels 1975 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Zum Ende seiner Dienstzeit, Ende März 1980, wurde Neels als Europäer und Botschafter Seiner Majestät im Eifeler Grenzland mit dem großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.

"Neels hat zu seiner Zeit hier in Vogelsang Brücken zwischen Belgiern und Deutschen, zwischen Menschen mit und ohne Behinderung und zwischen Jungen und Alten gebaut", würdigte Rosenke, als er zusammen mit Innenminister Ingo Wolf, Konsul Patrizio Ventura, der Ministerin der Deutschsprachige Gemeinschaft, Isabelle Weykmans, und Alt-Landrat Josef Linden eine Granitplatte mit dem Namenszug enthüllte. "Er war ein Vermittler der Kulturen", untermauerte Ministerin Weykmans die "richtige Entscheidung" der Jury, die sich bis zum Schluss Schweigen auferlegt und sich verpflichtet hatte, den neuen Brückennamen geheim zu halten. Der Stein mit dem neuen Namen soll in den nächsten Tag an der Brücke installiert werden.

Der Name der Brücke, mit dem sich auch Hobby-Historiker zufrieden zeigten, stammte nicht aus Einsendungen zum Ideenwettbewerbs, er wurde von der Jury kreiert.

Dennoch wurde aus dem Lostopf ein Gewinner gezogen. Einen Übernachtungsgutschein im Gemünder Kurparkhotel gewann Irmgard Hermanns. Eine Über-raschung hatte die Arbeitsgemeinschaft der Urftseebrücke dabei: AG-Vertreter Hilmer Klein übergab Andrea Luxemburger-Schlösser, der Leiterin der Kaller Nikolausschule, eine Geldspende.