Das Leben im Turm

Auf einer Anhöhe steht er. Von weitem sichtbar und dominant: der Wasserturm in Utscheid. Seit einiger Zeit wird dieser bewohnt. An seine ursprüngliche Nutzung ist nicht mehr zu denken.Der gute alte Wasserturm hat weitgehend ausgedient. Kostengünstigere, drehzahlgeregelte Pumpen sind dabei, ihn zu verdrängen. Etwa dreißig der großvolumigen, ursprünglich nicht für den Aufenthalt von Menschen geplanten Wasserbehälter, werden in Deutschland derzeit als Wohnung, Büro, Hotel oder ähnlich genutzt.Einer davon steht im Eifelort Utscheid-Buscht. Seit Januar 2007 ist er idyllischer Zweitwohnsitz von Maurits und Saskia Campert aus Den Haag. Wann immer es möglich ist, kommen sie in die Eifel. "Nach zumeist in Spanien und Frankreich verbrachten Ferien suchten wir ein näher gelegenes Urlaubsdomizil", erklärt Maurits Campert. Die Eifel habe ihnen schon immer gefallen und mit einer Wohnung im Wasserturm erst recht.Der nämlich, reizvoll oberhalb des Dorfes gelegen, ist kein Turm wie jeder andere. 1956 erbaut und 18,5 Meter hoch, wurde er bereits 1963 stillgelegt. 30 Jahre lang stand er leer. 1993 verwandelte Prof. Otto Matthias Ungers, einer der renommiertesten Architekten Deutschlands, das ehemalige Industriegebäude in ein reizvolles Wohnobjekt mit einzigartigem Wohlfühlambiente. Ungers selbst und seine Familie nutzten den Wohnturm sporadisch bis ihn Maurits und Saskia Campert im Januar 2007 erwarben.Vom Turm aus schweifen die Blicke in die Ferne

Ausschlaggebend dafür war indes nicht allein des Professors kreative Meisterleistung. "Der Turm liegt optimal inmitten einer herrlichen, unseren Vorstellungen von Erholung, Hobby und Freizeitbetätigung entsprechenden Landschaft", schwärmen die Camperts, denen es an Unternehmungsgeist nicht mangelt.Als passionierter Golfer hat sich Maurits dem Golfclub Bitburg angeschlossen. "Die Sicht von hier oben ist hervorragend", sagt er und zeigt auf das wenige Kilometer entfernte Golfterrain. "Ich kann jederzeit sehen, was da los ist. Ob Partner da sind oder nicht".In entgegengesetzter Richtung liegt der Flugplatz der Segelflieger. Auch hier macht Maurits begeistert mit. Bis dato des Segelns unkundig, ist er längst ein veritabler "Fliegender Holländer". Ebenso wie das Geschehen bei den Golfern kann er auch das bei den Fliegern vom Turm aus observieren. Doch auch die herrliche Fernsicht in alle Himmelsrichtungen genießen Maurits und Sakia ausgiebig. Im Osten bis zur Mosel und in den Hunsrück, im Westen bis in die Hocheifel und in die Ardennen reicht der Blick.Der Konzertsaal befindet sich im Turmzimmer

Derweil sitzen die Camperts nicht nur auf Beobachtungsposten. Eins ihrer großen häuslichen Hobbys ist gute Musik, vorwiegend Klassik. Ihr Konzertsaal ist das behaglich eingerichtete Turmzimmer. Und weil beide ausgezeichnete Sänger sind, ist anspruchsvolles Liedgut - selbst instrumental begleitet - ihr bevorzugtes Metier.Klar, dass es den aufgeschlossenen, perfekt deutsch sprechenden Eifelfreunden aus Holland auch an anderweitigen Kontakten zu den Eifelbewohnern nicht mangelt. Während Saskia in einer Frauengruppe eifrig Nordic Walking macht und im Chor Cäcilia Baustert bereits bei einem Projekt mitgesungen hat (bald soll das nächste folgen), liebt es Maurits, mit den Keglern beim kühlen Bierchen "alle neune" zu treffen."Wunderbar ist das Wohnen im Wasserturm", resümieren die Camperts. Gerne würden sie interessierten Zeitgenossen Auskunft und Einblick in ihr Turmleben gewähren. Wie und wann das geschehen kann, werde bald auf ihrer Internetseite zu erfahren sein. www.watertowerutscheid.eu.Utscheid Die Ortsgemeinde in der Eifel ist Teil der Verbandsgemeinde Neuerburg im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Neben dem Hauptort gehören die Ortsteile Buscht und Rußdorf zur Ortsgemeinde. Die Gegend war ausweislich von Funden schon in der Römerzeit und davor besiedelt. Der Ort Utscheid wurde 1330 erstmals unter dem Namen Oizscheid in einer Steuerliste urkundlich erwähnt. Er gehörte zur Herrschaft Neuerburg. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort zerstört. Akten von 1712 berichteten über den Bauzustand der Kirche, die 1746 durch einen Neubau ersetzt wurde. Von der alten Kirche blieb nur das Untergeschoss des Turmbaus erhalten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Ort 200 Einwohner, deren Zahl sich in der Folge schnell erhöhte. Heute wohnen hier knapp 500 Menschen.