Das Liebesnest an der B 51

Beschwerden über Eifeler Straßenstrich häufen sich : Das Liebesnest an der B 51

Das Geschäft mit der Liebe läuft gut im Bitburger Land. Weil sich die Beschwerden über den Straßenstrich häufen, lässt sich die Polizei häufiger auf dem Parkplatz blicken. Ein Spiel, das Gesetzeshüter kaum gewinnen können.

Eine fleckige Decke liegt auf dem Boden, gefaltet über einer Steintreppe. Es sieht unbequem aus, sich auf diesem Lager niederzulassen. Einige Männer scheint das aber nicht abgeschreckt zu haben. Davon zeugen verklebte Taschentücher und benutzte Kondome, die rund um die improvisierte Bettstatt herumliegen.

Der Ort liegt versteckt im Gebüsch. Sodass er beim Vorbeifahren am Parkplatz „Otrang“ nicht zu erkennen ist. Und das ergibt ja auch Sinn: Denn hierhin nehmen Prostituierte ihre Freier mit, um ein paar Minuten ungestörte Zweisamkeit zu genießen.

Im Frühjahr wurde das Liebesnest dann doch entdeckt. Ein paar Fließemer Bürger stießen bei der Aktion „Saubere Landschaft“ unverhofft auf die „Quartiere“, wie Ortsbürgermeisterin Anja Esch es ausdrückt. Denn der Parkplatz liegt auf der Gemarkung der Gemeinde und sollte gesäubert werden. Das Saubermachen überließ man, in Anbetracht der Hinterlassenschaften, aber doch lieber den Fachleuten vom Landesbetrieb Mobilität.

Der Vorfall ist einer der Gründe, warum sich die Polizei Bitburg und die Kriminalinspektion Wittlich inzwischen intensiver mit dem horizontalen Gewerbe auf dem Rastplatz beschäftigen. Dort niedergelassen hatten sich die Sexarbeiterinnen bereits vergangenen Sommer (der TV berichtete).

Damals glaubte allerdings niemand so recht, dass sich der erste Straßenstrich des Bitburger Landes halten kann. Doch die Frauen sind noch da. Und sie haben Kundschaft. Die Geschäfte laufen besser als gedacht in der katholischen Eifel.

Für Christian Hamm ist das ein Problem. „Ich glaube, niemand will so einen Straßenbetrieb haben“, sagt der Bitburger Dienststellenleiter. Insbesondere in den vergangenen Monaten hätten sich die Beschwerden gehäuft: wegen des Mülls, wegen der Beeinträchtigung des Straßenverkehrs, wegen dem öffentlichen Ärgernis. Inzwischen, sagt Hamm, hätten sich alle zuständigen Behörden – von der Kriminalinspektion Wittlich über die Kreisverwaltung und die Verbandsgemeinde bis hin zum LBM – zusammengetan. Das Ziel: Eine Ausuferung zu verhindern und negative Begleitumstände bekämpfen. Doch das sei schwieriger, als man meinen könnte. Denn Prostitution unterliegt in Deutschland zwar Regeln, ist aber grundsätzlich erlaubt.

„Unser schärfstes Schwert sind personalintensive Kontrollen“, sagt Hamm: „So traurig das ist.“ Regelmäßig fahren deshalb Streifen am Parkplatz vorbei und fühlen den Damen auf den Zahn. Was sie bemängeln können: Fehlende Gesundheitszeugnisse, die Verursachung von Müll und Behinderungen des Straßenverkehrs. Die Prostituierten dürfen sich nämlich nicht zu nahe an Ein- und Ausfahrten von Bundesstraßen aufstellen – um Autofahrer nicht abzulenken. Wer sich nicht an die Regeln hält, kassiert einen Platzverweis. Wer sich in den folgenden Tagen trotzdem blicken lässt, muss Bußgeld zahlen. In der Regel werden aber nur Zahlungen in zweistelliger Höhe fällig.

Verglichen mit dem, was Prostituierte auf dem Parkplatz einnehmen können: Peanuts.

In enger Kooperation mit allen involvierten Behörden sei es nun aber gelungen, „den Komplex aufzuhellen“, sagt Hamm. Es ist mittlerweile bekannt, so viel verrät der Polizeichef, dass die Prostitution mit einer Gruppe zusammenhängt, die sich in einer nahen Ortschaft zumindest vorübergehend niedergelassen hat. Details nennt Hamm mit Verweis auf laufende Ermittlungen aber nicht.

Unappetitliche Hinterlassenschaften haben Bürger bei der Aktion „Saubere Landschaft“ auf dem Parkplatz gefunden. Foto: Heinz Hoffmann
B51 Fließem Prostituierte. Foto: Heinz Hoffmann

Hamm verspricht aber, dass seine Kollegen die Situation im Auge behalten. Auch wenn er sich sicher ist, dass alle Maßnahmen höchstens dazu führen werden, das Problem zu verdrängen, und nicht zu lösen. Die Damen, meint der Polizeichef, werden sich, wenn es ungemütlich wird, einen anderen Parkplatz suchen. So seien die Sexarbeiterinnen nach Kontrollen vor einigen Monaten kurzerhand auf einen Rastplatz bei Staffelstein, an der B 51, abgewandert.

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