Das Nachspiel der Flut

Beim Groß-Einsatz der Rettungskräfte am Wochenende ist für Manfred Burbach nicht alles rund gelaufen. Der Bitburger Wehrleiter kritisiert, dass es eine zentrale koordinierende Stelle gebraucht hätte, wie sie bei Alarmstufe 4 vorgeschrieben ist. Die hat der Kreis aber nicht ausgerufen. Ein Versäumnis, sagt Burbach. Nicht nötig, findet der Landrat.

Bitburg/Prüm. Alarmstufe 4, das ist schon eine Hausnummer. Es ist die zweithöchste Alarmierungsstufe überhaupt - und sie wurde im Eifelkreis bisher noch nie ausgerufen. Bitburgs Wehrleiter Manfred Burbach hat aber genau das beim Hochwasser-Einsatz vermisst. Dann hätte nämlich der Kreis Leitung und Koordination übernommen. Für Burbach steht nach dem Großeinsatz mit 2000 Rettungskräften fest, dass nicht alles rund gelaufen ist.
"Keiner hatte den Überblick"


"Keiner hatte wirklich den Überblick, wo welche Einsatzkräfte gerade sind und wo noch Leute und Material wie Pumpen oder Bohlen zur Verfügung stehen", kritisiert Burbach, der wie die Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bitburger Land, Prüm und Südeifel, vor Ort gegen die Wassermassen gekämpft hat. Auch eine kontinuierliche Abfrage der Pegelstände und fortlaufende Informationen dazu hätten ihm gefehlt, während er mit seinem Team die Nims abwärts auf die Dinge gewartet habe, die da dann mitten in der Nacht schließlich kamen. "Bei einer solchen Schadenslage, die sich fast über den ganzen Kreis erstreckt, wäre eine koordinierende Einsatzstelle absolut notwendig gewesen", sagt Burbach. So habe jeder seine eigene Suppe gekocht.
Funktioniert hat das Ganze trotzdem. Auch in Burbachs Augen. Aber, so kritisiert er: "Das lief alles nur wegen des enormen persönlichen Einsatzes aller Rettungskräfte und der Hilfe der Bürger. Organisation und Koordination waren nicht optimal."
Der Landrat sieht das anders. "Alarmstufe 4? Wir wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen", sagt Joachim Streit. "Für die, die zu Schaden gekommen sind, ist das schlimm. Aber die Schäden wären nicht geringer gewesen, wenn wir eine höhere Alarmstufe ausgerufen hätten. Die Rettungskräfte hatten die Lage absolut im Griff", sagt der Landrat und dankt allen Einsatzhelfern.
"Das hat alles einwandfrei geklappt", findet auch der Prümer Wehrleiter Alexander Thiel. Seine Mannschaft war relativ früh betroffen - zunächst durch die Flut in Schönecken, später dann in Lasel. "Da habe ich Führungsunterstützung, Material und Personal im Bitburger Land angefragt", sagt Thiel. Für ihn eine Kooperation, wie sie bei größeren Schadenslagen auch sonst üblich sei. Thiel: "Ich habe da absolut keine Notwendigkeit für Alarmstufe 4 gesehen."
Es stand wohl kurz vor knapp


In Erwägung gezogen wurde das aber offenbar schon. "Das stand auf der Kippe", sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch. Man habe bereits eine technische Einsatzleitung eingerichtet, auch die Kreisverwaltung sei alarmiert worden: "Es war knapp davor. Aber dann haben wir auch gesehen, dass es vor Ort läuft. Wir wollten kein Chaos in einen funktionierenden Prozess bringen." Ein Grund dafür war auch, dass sich das Unwetter erst im Laufe des Tages zu dieser großen, über den Kreis verteilten Schadenslage entwickelte: "Am Anfang war hier und da ein Keller vollgelaufen. Da hat keiner an eine so hohe Alarmierung gedacht." Und später waren die Kräfte vor Ort schon mittendrin, während andere bei Rock am Ring in Mendig im Einsatz waren, was für Larisch bedeutete: "Wir hätten eine 30 Mann starke Einsatzleitstelle nur um den Preis einrichten können, dass wir entsprechend diese Zahl von Leuten von den Einsatzorten abgezogen hätten."
Für Burbach ist das keine zufriedenstellende Erklärung. Er fordert eine Diskussion: "Wir sollten das nutzen, um besser zu werden." Und er findet: "Was soll denn noch passieren, bevor wir diese Strukturen mal leben? Wenn man eine Alarmstufe 4 einmal bei solchen Lagen übt, klappt es auch besser, wenn es wirklich eine Katastrophe gibt."Meinung

Kritik muss erlaubt sein
Es war das erste Mal, dass Rettungskräfte in der Eifel mitten im Sommer unverhofft gegen solche Flutwellen an gleich mehreren Orten kämpfen mussten. Ein solcher Großeinsatz sollte im Nachgang reflektiert werden. Deshalb gebührt besonders den kritischen Beiträgen Respekt. Denn die Frage ist ja nicht, ob es irgendwie funktioniert hat - das hat es ja glücklicherweise. Sondern hier geht es darum, ob die Strukturen, die es im Rettungswesen gibt, optimal genutzt wurden. Da lohnt sich eine ehrliche Diskussion. Es geht schließlich um die Sicherheit aller. d.schommer@volksfreund.deExtra

Genau definiert sind die 5 Alarmstufen bei Brand- und Gefahrstoff- und technischen Einsätzen nicht. Beispiele für die Stufen: 1) Mülltonnenbrand; 2) Küchenbrand; 3) Gebäudebrand - ab dieser Stufe ist der Kreisfeuerwehrinspekteur dabei; 4) Großeinsatz, bei dem Wehren vor Ort überfordert sind, 5) Katastrophen, bei denen öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sind. scho