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"Das Outlet braucht mehr Läden"

"Das Outlet braucht mehr Läden"

Investorenberater Joachim Will nahm Bad Münstereifel unter die Lupe. Er lobt den Mut der Investoren, für ihn steht aber fest: Es fehlen noch Läden. Er würde sogar die Münstereifeler Burg zu einem Outlet-Store machen.

Bad Müstereifel. Mit seiner Skepsis hat er nie hinterm Berg gehalten. "Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass wir das City-Outlet in Bad Münstereifel kritisch sehen", sagt Joachim Will. Der Geschäftsführer der Wiesbadener "ecostra" GmbH berät Investoren europaweit bei der Entwicklung von Shopping-Centern oder Factory-Outlets.
Nun ist das Outlet in der Kurstadt Realität und der Experte spaziert wachen Blickes durch die Modemeile. "Wenn mich Investor Georg Cruse vorab gefragt hätte, wäre mein eindeutiger Rat gewesen: Lassen Sie die Finger davon! Die Risiken sind einfach zu groß", stellt Will gleich fest. Kann ihn ein Spaziergang durchs Städtchen umstimmen?
Das "Kernproblem" macht Will schon nach wenigen Minuten aus. Der Anteil der Outlet-Läden sei viel zu gering: "Die Stores verschwinden. Da sind weite Passagen, wo sich nichts tut." Und weiter: "Die Betreiber müssen noch deutlich erweitern, damit der Charakter einer Outlet-Modemeile deutlicher hervorkommt." Zudem seien die Outlet-Shops nicht eindeutig zu identifizieren.
Kinderkleidung und Schokolade


Umso mehr zeigt er sich überrascht über den Zustrom, den das neue City-Outlet erfährt: "Wenn ich mir die Stadt heute so anschaue, sie boomt." Das bestätigt ihm auch Lara Krewinkel, eine der Store-Managerinnen. Im Plausch mit Will verrät sie: "Es könnte nicht besser laufen." Geschätzte 1500 bis 2000 Kunden frequentierten täglich ihren Laden. Natürlich kauften nicht alle etwas, ein Teil der Besucher sei einfach nur neugierig.
Das Sortiment der Stores überrascht Will. Er habe mehr Waren im deutlich niedrigeren Preissegment erwartet. Das hier sei durchaus "trendiger, pfiffiger", so der 54-Jährige. Er wisse aus Erfahrung: Kinderkleidung und Schokolade, wie sie in der Kurstadt angeboten werden, gehe in Outlets "wie verrückt".
Das City-Outlet ist laut Will ein Experiment ohne Vorbild in der Branche. Ob es funktioniert? Erst auf längere Sicht lasse sich sagen, ob es sich für Handelsunternehmen rechne, sagt Will und schaut auf die Straße. Die sei zwar gut frequentiert, aber: "Ich sehe bei denen, die vorbeilaufen, relativ wenige mit Tüten." Verglichen mit anderen Outlet-Centern sei der Altersdurchschnitt in der Kurstadt deutlich höher: "Man sieht erstaunlich viele Rollatoren", merkt Will an. Hier sei offensichtlich eine Zielgruppe unterwegs, die sich von typischen Outlet-Kunden unterscheide. Will macht auch strukturelle Probleme aus. Anders als in einem frei geplanten Factory-Outlet könne der Outlet-Betreiber in Bad Münstereifel die Nachbarschaft der Läden nicht steuern. So müssten Geschäfte wie "NKD" mit niedrigpreisiger Mode sowie eine Caritas-Pflegestation neben Marken-Stores geschluckt werden: "Mittleres Label tut sich vielleicht nicht so schwer damit, für ,Boss\' wäre das ein ,No-Go\'."
Mehr offene Sonntage


Aus einer gemischten Nutzung ohne Dach-Management resultierten zudem oft unterschiedliche Öffnungszeiten - für die Kunden kaum nachvollziehbar. Und bei diesem Thema spricht Will an, was Betreiber und Stadt seit Monaten umtreibt: Die Stadt benötige dringend regelmäßige Sonntagsöffnungen, um im Wettbewerb mit anderen Outlets, etwa in Roermond oder Maasmechelen, auf Dauer bestehen zu können.
Auch wenn der Start in Münstereifel ähnlich erfolgreich gewesen sei wie seinerzeit der in Soltau, steht für Will fest: Es müssten weitere Geschäfte oder Immobilien gekauft werden. "Ich würde sogar die Burg zum Outlet-Store machen", sagt er mit einem kleinen Schmunzeln.
Doch Bad Münstereifel sei nur beschränkt auf andere Standorte übertragbar. Jeder Immobilienentwickler würde den Wert des Invests in Frage stellen. Umso mehr lobt Will die Outlet-Initiatoren: "Die Lösung in der Kurstadt war nur mit Mut und Eigenkapital realisierbar." Es sei erstaunlich, was man auf die Beine gestellt habe, sagt der Experte und zeigt sich begeistert von der Attraktivität der Stadt: "So ein Atelier oder Café dazwischen, das macht einen Teil des Charmes aus."
Es bedürfe aber einer touristischen Vernetzung in dem idyllischen Städtchen, so Will: "Hier ist man locker nach zwei Stunden durch, bei der geringen Menge der Läden sowieso." Also müsse das Management weiterführende touristische Pakete anbieten. Da müsse man aber mit "Trittbrettfahrern" unter den Geschäftsleuten rechnen, die nichts mit dem Outlet zu tun hätten. Das mache die Realisierung von großangelegten, gemeinsam finanzierten Marketingmaßnahmen zwar schwierig, doch für den Erfolg seien sie sehr wichtig.
Wills Rundgang neigt sich dem Ende zu. Überzeugt sei er vom Erfolg des Outlets nicht, gesteht er: "Bis wir eine Aussage treffen können, muss noch viel Wasser die Erft herunterfließen." Will steigt in sein Auto, um zurück nach Wiesbaden zu fahren. "Die Zufahrtswege sind schon verbesserungsfähig", sagt er. kir