Das Praktikum scheitert oft an der Praxis

Gesellschaft : Das Praktikum scheitert oft an der Praxis

Wer sich als junger Flüchtling oder Migrant in Deutschland beruflich orientieren will, stößt auf Hürden. Zu den größten zählen dabei neben den fehlenden Sprachkenntnissen mitunter auch falschen Erwartungen. Und das auf beiden Seiten.

Die ersten Minuten kann Susanne Schöpges noch gut überbrücken. Die Referatsleiterin der Bitburg-Prümer DRK-Flüchtlingshilfe erzählt den Teilnehmern der gemeinsamen Infoveranstaltung von IHK (Industrie- und Handelskammer), HWK (Handwerksmamer) und DRK einfach ein wenig von ihrer Arbeit. Und von dem bestehenden Netzwerk im Bereich der Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- uns Arbeitsmarkt.

Als die Referentin der Veranstaltung nach mehr als einer Viertelstunde aber immer noch nicht aufgetaucht ist, wird Schöpges dann doch ein bisschen nervös. „Wir predigen immer allen Menschen mit Fluchterfahrung, pünktlich zu sein“, sagt sie grinsend.

Wie wichtig das ist, weiß auch die Referentin, die kurze Zeit später auftaucht, sich für ihre Verspätung entschuldigt und dann loslegt. „Da ich selbst Migrantin bin, ist das hier für mich ein Vergnügen“, sagt Aurita Jankauskaite-Lepage.

Sie ist Mitarbeiterin der HWK Trier und betreut dort die sogenannte Kausa-Servicestelle des Landes. Kausa steht für Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration. Und Aufgabe dieser Servicestelle ist es, ratsuchende Jugendliche gezielt in die die duale Berufsausbildung zu vermitteln.

Zu den Zielgruppen von Kausa gehören dabei neben den Migranten und Flüchtlingen auch deren Eltern und nicht zuletzt die Betriebe.

Aufgabe der Referentin ist es, den Teilnehmern der Veranstaltung zu erklären, worauf man achten muss, wenn man Menschen mit Flüchtlingshintergrund ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz vermitteln möchte. Zu den Teilnehmern der kleinen Runde gehören Arbeitsvermittler, aber auch ehrenamtliche Betreuer.

Das, woran die Vermittlung oft scheitere, sind nach Aussage der HWK-Mitarbeiterin die fehlenden Sprachkenntnisse. Dadurch komme es oft zu Missverständnissen. Ein weiterer Knackpunkt sei der Bildungsstand vieler Flüchtlinge.

„Bei Afghanen ist es beispielsweise so, dass die allgemeine Schulausbildung nur bis zur 6. Klasse geht und ein weiterer Besuch der Schule bis zur 9. Klasse nur dann möglich ist, wenn die Eltern Geld haben“, erklärt die Referentin. Und das Abitur, das dann im Anschluss möglich sei, werde seitens der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier nur als Berufsreifeabschluss anerkannt.

„Viele, die bei uns in der Kausa-Beratung sind, wollen unbedingt studieren“, erklärt Jankauskaite-Lepage. Doch sei das in den meisten Fällen gar nicht möglich. Ihre Aufgabe sei es dann, gemeinsam mit den jungen Menschen nach einer Alternative zu suchen.

„Das wichtigste ist, am Anfang ein klares Ziel zu definieren“, sagt die HWK-Mitarbeiterin. „Wir haben nämlich oft den Fall, dass die Menschen ein Praktikum machen wollen, aber diesen Beruf überhaupt nicht kennen“, so Jankauskaite-Lepage. Und das führe dann mitunter dazu, dass Praktika abgebrochen würden, weil das Praktikum nicht den Erwartungen entspreche.

Ein Abbruch sei grundsätzlich nicht schlimm, meint Jankauskaite-Lepage.

„Wichtig ist aber, sich in einem solchen Fall richtig zu verabschieden“, betont sie und bedauert zudem, dass viele Betriebe überhaupt kein Praktikumszeugnis ausstellten. „Ich bin davon überzeugt, dass der große Nachwuchsmangel mit den Praktika zusammenhängt“, sagt die Kausa-Beauftragte. Sie fordert deshalb mehr Einsatz auch auf Seiten der Betriebe.

Wie aus den Reihen der Teilnehmer zu hören ist, scheint es genau daran oft zu mangeln. So kritisiert einer der Flüchtlingsbetreuer, dass vielen Betrieben nicht bewusst sei, dass man sich um einen Praktikanten auch kümmern müsse. Und eine andere Teilnehmerin äußert sich erstaunt darüber, dass grundsätzlich jeder Betrieb Praktika anbieten dürfe.

Jankauskaite-Lepage berichtet in diesem Zusammenhang von schlimmen Erfahrungen, die Praktikanten gemacht hätten. Aus diesem Grund habe man inzwischen bei der HWK und bei der Agentur für Arbeit Trier schwarze Listen. Dort würden Betriebe mit gehäuften Beschwerden über Praktikumsbedingungen aufgelistet.

Darüber hinaus gebe es aber noch ein weiteres, gravierendes Problem. Und das betreffe deutsche Handwerksbetriebe, die in Luxemburg Baustellen hätten und dort Migranten als Praktikanten beschäftigten, sagt Jankauskaite-Lepage. „Unsere Flüchtlinge haben keine Arbeitserlaubnis für Luxemburg, dürfen sich dort auch überhaupt nicht aufhalten“, erklärt sie. „Sie gelten in Luxemburg  als illegale Einwanderer“, so die Referentin. „Wenn man sie erwischt, werden sie verhaftet und abgeführt.“

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