Das Rätsel bleibt

Der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll soll in seiner anstehenden Sitzung am Donnerstag über den angestrebten Schul-Zusammenschluss mit Hillesheim entscheiden. Jetzt aber steht der jüngste Unterschlagungsfall mit auf der Tagesordnung (der TV berichtete).

Jünkerath. Wichtige Weichenstellung an der Oberen Kyll: Am Donnerstag werden die VG-Fraktionen über die Zusammenarbeit mit der VG Hillesheim in einer gemeinsamen Integrierten Gesamtschule beraten. Allerdings gelangte inzwischen noch ein weiterer Punkt auf die Tagesordnung: der neue Unterschlagungsfall, aufgedeckt am 30. Januar.

Wieder fragen sich alle: Wieso nimmt, nach Stand der Dinge, ein langjähriger VG-Angestellter eine dreistellige Euro-Summe mit? Und das ausgerechnet in Jünkerath, wo im Mai 2007 der Untreuefall des mittlerweile gestorbenen damaligen Kämmerers aufgedeckt wurde.

Damals ging es um mehr als 2,5 Millionen Euro. Im Vergleich dazu ist die aktuelle Summe eine Bagatelle: "Es sind genau 830 Euro, die wir bei ihm zu Hause sichergestellt haben", sagt Bürgermeister Werner Arenz. Hinweise auf weitere Unterschlagungen gebe es vorerst nicht: "Wir haben hier nochmal nachgerechnet und kommen zu keinem anderen Ergebnis." Bei den internen Recherchen soll es jedoch nicht bleiben: Arenz hat das Gemeinde-Rechnungsprüfungsamt in Daun eingeschaltet, "damit es nicht heißt, dass wir unseren eigenen Kram prüfen".

Allem Anschein nach sei das Geld in den vergangenen Wochen unterschlagen worden. Zwei Mitarbeiterinnen in der KFZ-Zulassungsstelle waren darauf aufmerksam geworden, hatten ihren Kollegen zur Rede gestellt und dann zum Bürgermeister geschickt.

Die VG hat nach dem sofortigen Geständnis des Ertappten Anzeige erstattet und bereitet die fristlose Kündigung des Mitarbeiters vor. "Er fliegt jetzt raus, und dann hat er erst einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld", sagt Arenz.

Mit Unverständnis reagiert der Bürgermeister auf den Erklärungsversuch des Beschuldigten, er habe einen gedanklichen Aussetzer ("Blackout") gehabt: "Einen Blackout kann ich einmal haben."

Aber den wiederholten Griff in die Kasse erkläre das nicht. "Da muss was anderes dahinterstecken." Der Beschuldigte habe das Geld nicht nötig gehabt, eine Nebentätigkeit - bis vor ein paar Jahren ausgeübt und noch in der Zeit von Arenz' Vorgänger Otto Friedrich genehmigt - habe ihm weitere Einnahmen gebracht.

"Aber man hat ja schon Millionärsgattinnen gesehen, die bei Aldi Lippenstift geklaut haben", sagt Arenz. Der Reiz des Verbotenen, eine mögliche Krankheit - das alles könnten Erklärungsansätze sein. "Aber das ist Sache der Psychologen."

Die außerordentliche Sitzung des VG-Rats beginnt am Donnerstag, 12. Februar, um 16.30 Uhr, im Feuerwehrhaus.