Das RBZ in Bitburg: Ein Ort, der Normalität schafft

Neue psychiatrische Angebote : Ein Ort, der Normalität schafft

Mitten in der Stadt liegt das regionale Betreuungszentrum Bitburg (RBZ). Es bietet ein in der Region einmaliges Angebot für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. Ab Juni werden alle Bewohner einziehen.

Im März war es so weit: Sechs Menschen haben im Erdgeschoss des RBZ ihr vorübergehendes Zuhause bezogen. Im Laufe der folgenden Wochen kamen weitere Klienten hinzu, Anfang Juni zogen die letzten ein. 16 Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen können in der Einrichtung der Barmherzigen Brüder behandelt werden. In zwei Wohngruppen leben sie hier und erhalten eine intensive Betreuung. Dafür sorgen 19 Mitarbeiter. Das Team arbeitet rund um die Uhr im Früh-, Spät- oder Nachtdienst.

Begonnen wurde das Projekt 2017. Im April kam es vor den Stadtrat. In das 1350 Quadratmeter große Gebäude investierte das Unternehmen Eifel-Haus rund fünf Millionen Euro. Inzwischen steht das eierschalenfarbene Gebäude mit den bunten Fensterzwischenräumen direkt neben dem Friedhof und dem Deutschen Roten Kreuz in der Erdorfer Straße.

Im Inneren ist es hell, modern und freundlich. Ein Aufenthaltsraum und eine große Küche gibt es auf jeder Etage. Hinzu kommen pro Stockwerk ein zentral gelegener Raum für die Betreuer, einige Büros und Arbeitsräume für die Bewohner. Die Zimmer der Klienten kann man sich vorstellen wie Hotelzimmer – nur dass hier niemand zu seinem Vergnügen ist.

Ein kleiner Teil des 19-köpfigen Teams (von links): Wolfgang Michaely, Stefan Becker, Michaela Ney, Stefan Klinger, Laura Thomas, Franziska Müngersdorff. Foto: Julia Nemesheimer/Julia Nemesheimer1

Die Menschen, die hier wohnen, kämpfen mit ganz unterschiedlichen psychischen Problemen – das reicht von Depressionen über Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Essstörungen oder Psychosen. Eins jedoch haben die Bewohner gemeinsam: Das „normale“ Leben überfordert sie. „Dennoch sind sie ein Teil der Bevölkerung“, sagt Wolfgang Michaely, der seit April 2019 im Direktorium der Barmherzigen Brüder ist. Deshalb habe man sich entschieden, das Zentrum nicht „auf der grünen Wiese“ zu erbauen, sondern ein Angebot mitten in der Stadt zu bieten. Die Klienten kommen aus den Landkreisen der Region – von Trier über Saarburg bis hin zu Bitburg-Prüm und der Vulkaneifel. „Zuvor mussten diese Menschen in weit entfernte Einrichtungen, etwa in den Schwarzwald oder nach Nordrhein-Westfalen“, sagt Michaely.

Mit dem RBZ werde zudem ein anderes Therapieangebot geschaffen. „Das Angebot ist zeitlich befristet“, erklärt Franziska Müngersdorff. Sie ist die Leiterin des Zentrums. Drei bis fünf Jahre sollen die Klienten hier verbringen. „Wir möchten eine Perspektive mit unseren Bewohnern zusammen entwickeln.“ Dabei können die Mitarbeiter des RBZ auf jeden Klienten eingehen.

„Wenn wir Perspektiven schaffen wollen, müssen wir uns an das Individuum richten“, meint Müngersdorff. Wichtig sei es, eine Bindung und somit Vertrauen aufzubauen. So könne ein Schutzraum für die Bewohner geschaffen werden. Sie können hier mit entsprechender Therapie lernen, wieder in den Alltag eingegliedert zu werden. „Wir bieten unseren Klienten eine klare Tagesstruktur“, sagt Müngersdorff. Gemeinsames Kochen und Essen und hauswirtschaftliche Angebote wie Wäsche waschen, die intensive Arbeit mit verschiedenen Therapeuten, aber auch Freizeitaktivitäten außer Haus gehören zum festen Bestandteil des Lebens im RBZ. Wichtig sei es, dass die Klienten am Ende die Einrichtung verlassen und ein möglichst selbstständiges Leben in der Gesellschaft führen können.

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