Das richtige Maß für Helau und Alaaf

Das richtige Maß für Helau und Alaaf

JÜNKERATH. Maßarbeit in großen Stückzahlen: Winfried Bauschen findet für jeden die passende Uniform – ob Jeck oder Musiker. Außerdem stattete er rund 2000 Mitarbeiter in rheinland-pfälzischen Justiz-Vollzugsanstalten aus.

Zum Beispiel der "Tanzarm": Nein, das ist keine Krankheit, die sich der gemeine Jeck durch Dauer-Belastung beim Mariechen-Schwenken oder Extrem-Kamellenwerfen holt. Es handelt sich vielmehr um eine versteckte Falte in der Achsel der Uniform-Jacke. Zweck: "Dass der Ärmel beim Hochreißen nicht so spannt", sagt Winfried Bauschen. Weitere Kniffe bei der Uniform-Herstellung: die "Marschbuch-Tasche" für Musiker - oder individuelle Applikationen. "Ich besticke zum Beispiel die Jacke direkt mit dem Orts- und Vereinsnamen. Da kommt nicht einfach ein Wappen auf die Brust, sondern der Name wird direkt draufgestickt. Das ist ein großer Aufwand. Aber das sind eben so Feinheiten, die nicht jeder macht." Bauschen findet offenbar für jeden die passende Uniform: Kürzlich besuchte er eine Närrin in Nordrhein-Westfalen. Der Frau war nicht zum Lachen zumute: Er solle sie bloß in Ruhe lassen, habe die Dame gemeint, sie habe sich schon zwei Uniformen schneidern lassen, und in keine passe sie hinein. Bauschens Antwort: "Darf ich es trotzdem mal versuchen?" Das Problem der Verzweifelten: 1,62 Meter Bauchumfang bei gut 1,85 Metern Gesamtgröße. "Da hat mein Maßband nicht gereicht", berichtet der 57-Jährige. "Ich hab's dann mit einem Stück Kordel verlängert." Heute ist die starke Dame glücklich, denn ihre Joppe sitzt. "Ohne Änderungen", freut sich Bauschen. Und das ist sein Geheimnis: Schneidern kann er nicht, dafür aber anmessen. Die Fertigung der Uniformen (Bauschen liefert seit 1970) übernimmt dann ein kleiner Familienbetrieb in Aschaffenburg - deutsche Hand- und Wertarbeit. Und die ist längst nicht so teuer, wie immer behauptet wird: Auf rund 200 Euro komme so eine maßgeschneiderte Jacke, sagt Bauschen. Aber nicht nur Jecken bestellen in Jünkerath - und nicht nur in der Region. Bauschens "Kostümcher" werden in Rheinland-Pfalz, in Nordrhein-Westfalen, an der Saar, in Belgien und in Luxemburg über die Bühnen getragen. Er beliefert außerdem viele Musikvereine - und hat sogar Knasterfahrung: "Das war vor etwa zehn Jahren. Da habe ich rund 2000 Justizmitarbeiter mit Uniformen ausgestattet." Alle maßgeschneidert, selbstverständlich. "Als der LKW mit den Stoffbahnen anrollte, hab' ich es dann doch mit der Angst zu tun gekriegt", erzählt Bauschen. "Wenn ich mich da vermessen hätte..." Hatte er natürlich nicht. Sein größter Auftrag bislang - und beinahe wären auch die nordrhein-westfälischen Justiz-Vollzugsanstalten gefolgt. "Den Auftrag hatte ich schon in der Tasche. Und dann hat meine Frau gesagt: Weisst du eigentlich, wie groß NRW ist?" Dennoch: Das Reisen macht dem Oberkommandeur der Jünkerather Ehrengarde Spaß - und die Begegnung mit den Vereinsmitgliedern. Daraus seien oft regelrechte Freundschaften entstanden, sagt er. Zum Beispiel mit den Narren in Fischenich (NRW): Seit er denen ebenfalls Uniformen besorgte, besuchen sich die Vereinsvertreter immer wieder gegenseitig zu Sitzungen. "Wir fahren jedes Jahr da hin, und die kommen auch zu uns." Ähnlich sei es mit den Jecken in Höfen bei Monschau. Am morgigen Sonntag ist es wieder so weit: Dann wird das Geheimnis um die Identität des neuen Jünkerather Karnevalsprinzen gelüftet. Und auch der trägt ein Original von Bauschen. Das Kostüm erbt der Prinz von Vorgänger Erhard Bohn. Winfried Bauschen: "Es hat ihm sofort gepasst." Die Prinzen-Proklamation ist am Sonntag, 8. Januar, 11.11 Uhr, im Saal Schmengler.