"Das Richtige muss stehen bleiben"

"Das Richtige muss stehen bleiben"

Zum ersten Mal hat das Kulturwerk Eifel mit Sitz in Weißenseifen einen Holzbildhauerkurs auf dem Gelände der ehemaligen Mühle Zahnen in Kyllburg angeboten. Am Wochenende haben die Teilnehmer Ideen entwickelt, Skizzen gezeichnet und erste Arbeiten am Holz verrichtet. Nächstes Wochenende geht es weiter.

Kyllburg. Schon von weitem ist das unregelmäßige Hämmern und Klopfen zu hören, dazu das gelegentliche Heulen der Motorsäge. Wer dem Geräusch folgt, trifft auf eine kleine Gruppe von Menschen, die sich konzentriert und manchmal auch verzweifelnd mit einem Stück Holz beschäftigen.Jedes Holz ist anders


Es sind sechs Eifeler, die unter der Leitung von Christiane Hamann vom Weißenseifener Kulturwerk Eifel und der italienischen Installationskünstlerin Laura Danzi Erfahrungen in der Holzbildhauerei machen wollen. "Das dreidimensionale Denken ist schwer", bekennt Karl-Heinz Bonert aus Körperich.
Aus seinem Lindenholzblock sollte ursprünglich ein Selbstporträt entstehen. An einem Klemmbrett hängt das selbst gezeichnete Bonert'sche Konterfei als Vorlage. "Davon habe ich Abstand genommen; es wird nur noch ein Kopf."
Christoph Steffen aus Simmerath arbeitet an einem Raben: "Jedes Stück Holz ist anders. Es kann hart, widerspenstig oder weich sein."
Diese Erfahrung macht auch die Hobby-Künstlerin Lydia Schend aus Daun mit ihrem Holz vom Pflaumenbaum. "Es schimmert vom Weißen ins Gelbe und Violette ins Braune und ist sehr faszinierend." Sie versucht sich ohne Skizze an einem Torso. Wo früher Äste abgingen, steht nur noch ein kleiner Rest. Das wird der Halsansatz. Zwei leichte Erhebungen im Holz lassen die Brust erkennen, und für eine schlankere Silhouette setzt Laura Danzi an der Flanke die Kettensäge an.
"Ich übernehme die Kettensäge selbst, weil Anfänger noch kein Gespür haben, wie schnell sie sich durch das Holz frisst. Ansonsten begleite und unterstütze ich die Teilnehmer nur. Es ist für sie auch ein Prozess der Selbstfindung."
Über Danzis Hilfe ist auch Anja Faber aus Wiesbaum froh: "Die Eiche war total vergammelt außen rum. Ich habe da gar nichts drin gesehen." Mit einem wuchtigen Klöpfel und einem gekehlten Hohleisen arbeitet sie sich Stück für Stück vor an ihrem Maya-Gott, denn sie weiß: "Das Richtige muss stehen bleiben."
Und es braucht Zeit. "Eigene Ideen, Persönlichkeit und Langsamkeit sind wesentlich für die Bildhauerei", beschreibt Christiane Hamann das Tun. Dem kann Simone Distelkamp aus Bleialf nur zustimmen: "Die Säge ist zu laut und zu aggressiv", sagt sie. "Nur hämmern, meißeln und schleifen - das bringt viel Ruhe mit sich." Ganz ruhig und konzentriert arbeitet auch Sarah Schmitz aus Watzerath. Mit 14 Jahren ist sie die Jüngste in der Runde. Aus ihrem 50 Zentimeter hohen Stück Kirschholz soll ein Mensch entstehen. "Ich wollte nichts Kompliziertes machen", winkt sie bescheiden ab. Noch kann der Betrachter nur erahnen, was am Ende herauskommen soll.Fortsetzung folgt

Zuerst die Idee, dann die Skizze, dann die Arbeit am Holz: Sarah Schmitz. Foto: Wilma Werle (wiw) ("TV-Upload Werle"


Das geht auch der Frau von Karl-Heinz Bonert so, die zwischendurch mal gucken kommt. Doch er hat eine passende Antwort parat: "Ich habe gesagt, sie soll mich nur nach den Spänen beurteilen, die auf dem Boden liegen."
Nächstes Wochenende wird in Kyllburg weiter gehämmert und gesägt. Wer neugierig ist, wie viele Späne dann auf dem Boden liegen werden, ist bei einem Besuch auf dem Gelände der Mühle Zahnen herzlich willkommen.

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