Das Ringen um Einfluss auf dem Milchmarkt

Das Ringen um Einfluss auf dem Milchmarkt

Sollten sich die Bauern als Milcherzeuger zusammentun, um besser mit Molkereien verhandeln und somit höhere Preise erzielen zu können? 150 Landwirte haben darüber am Freitag im Bitburger Hotel Eifelstern diskutiert. Das Land Rheinland-Pfalz hat zum Milchforum eingeladen.

Bitburg. 150 Landwirte aus ganz Rheinland-Pfalz diskutieren mit Vertretern aus der Politik, dem Bauern- und weiteren Verbänden über die Zukunft der Milchviehbetriebe in Deutschland und in der Eifel: Die Grüne Woche Rheinland-Pfalz, in der das Landwirtschaftsministerium unter Ministerin Ulrike Höfken (Grüne) sich mit der Wertschöpfungskette auseinandersetzt, hat Halt im Bitburger Hotel Eifelstern gemacht und zum Milchforum eingeladen. Debattiert wurde nicht nur auf dem Podium, sondern auch unter den Zuhörern. So wurden die Redebeiträge zum Teil mit höhnischem Lachen oder lautem Applaus kommentiert.
Die Quote fällt weg


Die Milchquotenregelung, nach der jeder Landwirt sich bei der Milchproduktion an gewisse Grenzen halten muss, soll 2015 auslaufen. So will es die aktuelle EU-Agrarpolitik. Das bedeutet einerseits, dass jeder Landwirt so viel Milch produzieren kann wie er will. Andererseits wird die Abschaffung der Quote den Wettbewerb untereinander verschärfen, und die Milchpreise werden fallen. Nach Angaben des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bitburg werden im Eifelkreis jährlich knapp 290 Millionen Kilogramm Milch produziert. Dass der Wegfall der Quote für die Landwirte zu einem großen Problem werden kann, hat beim Milchforum Martin Haab aus der Schweiz verdeutlicht. Er schilderte die Situation der Schweizer Bauern, die schon seit einiger Zeit keine Quotenregelung mehr haben und unter noch stärker fallenden Milchpreisen leiden.
Diese Gefahr sieht Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm und Vorsitzender der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, für die deutschen Bauern nicht. Er appelliert, den Genossenschaftsmolkereien, wie die Milchunion Hocheifel und die Hochwald- Molkerei es sind, weiter zu vertrauen. "Diese haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit gemacht", betont Horper und sagt, dass man sich eben auf den schärferen Wettbewerb auf dem Weltmarkt einstellen müsse.
Geschlossenes Auftreten


Auf das Vertrauen in die Genossenschaftsmolkereien setzt Markus Seemüller vom Bayerischen Bauernverband nicht. Er ist Geschäftsführer der Bayern MeG, einem Dachverband von Milchbauerngemeinschaften in Bayern. Sein Konzept: Durch geschlossenes Auftreten der Erzeuger lässt sich ein besserer Milchpreis für die Landwirte erzielen. "Wir kommen an einer besseren Zusammenarbeit untereinander nicht vorbei", ist Seemüller überzeugt.
Das sieht man ähnlich in der jungen Milcherzeugergemeinschaft Rheinland-Pfalz, die erst im vergangenen Jahr gegründet wurde. Deren stellvertretender Vorsitzender, Axel Walterschen, ruft zu mehr Eigenverantwortung auf. "Warum produzieren wir so viel Milch nach Quote, die gar nicht abzusetzen ist?", fragt er in die Runde und kritisiert den politischen Einfluss: "Wer uns stärken will, der will uns auch lenken." Walterschen will nicht von Subventionen leben: "Wir müssen unser Brot wieder selbst verdienen können." Darum will er den Marktpreis mitbestimmen.
Schließlich lobt er noch die großen Leistungen der Landwirte für die Verbraucher. So werde heute viel billiger produziert. "Früher haben die Menschen 50 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, heute nur noch zehn Prozent."Extra

Die Grüne Woche Rheinland-Pfalz ist eine Veranstaltungsreihe des Landwirtschaftsministeriums. Zentrales Thema dieser Reihe, zu der insgesamt 18 Veranstaltungen zählen, ist die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Rheinland-Pfalz im europäischen und globalen Kontext. Auch die Floss Zimmerei in Schönecken hat Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (Grüne) am Freitag besucht. Anhand der Zimmerei hat Höfken verdeutlichen wollen, dass unter der Regionalmarke Eifel nicht nur Lebens- und Genussmittel, sondern auch andere Produkte vertrieben werden können. Die Zimmerei Floss baut Blockhäuser aus heimischen Rohstoffen. slg

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