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Das Rohrvenn ist das älteste und die Schneifel das größte Schutzgebiet im Eifelkreis Bitburg-Prüm

Umweltschutz : Heidelandschaften: Hotspots der Artenvielfalt

Im zweiten Teil der Serie über Schutzgebiete im Eifelkreis Bitburg-Prüm geht es um das Rohrvenn, das älteste Naturschutzgebiet im Kreis, und um die Schneifel, einem der größten FFH-Gebiete der Region.

Das Mooshaus an der Bundesstraße 265 bei Roth an der Prüm hat schon bessere Tage gesehen. Nur ein ausgeblichener Schriftzug und ein leerer Anschlagkasten erinnern daran, dass viele Menschen in dem einstigen Hotel-Restaurant gestritten, gefeiert, gelacht und übernachtet haben. Einmal am Tag stoppt ein Schulbus am ausgedienten Parkplatz. Wenige Hundert Meter entfernt erinnern drei Kreuze – von der Straße aus kaum zu sehen – an einen tödlichen Unfall vor zwölf Jahren. Zwei Teenager verunglückten am Dreikönigstag 2008, als sie mit ihren Wagen auf eisglatter Fahrbahn ins Schleudern kommen und gegen einen Baum prallen (der Volksfreund berichtete).

Wer an dieser Stelle mit seinem Auto schnell an der Abzweigung nach Roth bei Prüm vorbeibraust, übersieht die Fläche, die hinter einem Waldstreifen liegt, schnell. Die im Herbst goldbraune Fläche ist das älteste Naturschutzgebiet im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Das Rohrvenn steht seit 1983 unter Schutz. Es trägt auch den Spitznamen „Das Hohe Venn im Kleinen“. Der Grund: Auf der 28 Hektar großen Naturschutzfläche findet man eine ähnliche Vegetation wie im Hohen Venn - einem Schutzgebiet an der belgisch-deutschen Grenze.

Der Begriff Venn verrät schon, um was für Flächen es sich hier handelt. Er leitet sich vom vom althochdeutschen Begriff „fenni“ für Sumpfland beziehungsweise niederländischen Begriff „Veen“ ab, der für Moor steht. Moore sind Feuchtgebiete, auf deren meist schwammigen Böden sich meist charakteristische Biotope bilden. Sauerstoffarmes Wasser verhindert, dass sich die pflanzlichen Reste vollständig abbauen. Stattdessen lagern sie sich als Torf ab. Die Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier weist das Rohrvenn als ehemaligen Torfstich aus.

Laut Biotopbetreuerin Beate Jacob ist das Rohrvenn eine der letzten „jahrhundete alten Heideflächen“ in der Eifel. Gepflegt wird sie von Skudden, eine vom Aussterben bedrohte, alte Landschafrasse. In Handarbeit werden regelmäßig junge „anfliegende“ Birken mit ihren Wurzeln gerodet. So soll die schützenswerte Fläche offen gehalten werden.

Auf ihr wachsen Moorbirken und Graubirken, Heidelbeeren und Heidekraut. Mit etwas Glück findet man im Spätsommer auch den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis). Die Pflanze, die in manchen Bundesländern auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, ist auf Moor-Magerwiesen angewiesen, die in Mittelgebirgsregionen liegen. Die Raupen verschiedener Scheckenfalter finden hier ihre Nahrung und zahlreiche gefährdete Falterarten saugen ihren Nektar.

Das Naturschutzgebiet Rohrvenn liegt im FFH-Gebiet Schneifel, einem der größten Europäischen Schutzgebiete im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Der circa 15 Kilometer lange Höhenrücken aus Quarzit erstreckt sich in West-Ost-Richtung. Die höchste Erhebung ist der Schwarze Mann. Sie ist von zahlreichen Quellbächen durchzogen. Die Nordwesthänge waren bis Ende des 19. Jahrhunderts mit einer weitläufigen Heidelandschaft bedeckt.

Moorbirke im Naturschutzgebiet Rohrvenn. Foto: Alexander Schumitz/ALexander Schumitz
Wildbiene saugt Nektar auf einer Blüte des Gewöhnlichen Teufelsabbisses. Foto: Alexander Schumitz

Der Natura-2000-Steckbrief beschreibt die Landschaft so: „Die ungestörten großflächig zusammenhängenden Waldkomplexe bestehen neben großen Fichtenforsten aus historisch alten und altholzreichen Buchenwäldern. Kleinflächig kommen typische Bachauenwälder und Bruch- und Moorwälder vor, die aufgrund ihrer besonders guten Ausprägung, ihrer Ausdehnung und des noch großflächig vorhandenen Entwicklungspotenzials von bundesweiter Bedeutung sind. Als Teil einer zusammenhängenden Waldlandschaft sind die Wälder der Schneifel unschätzbare Refugien für störungsempfindliche Tierarten. Sie beherbergen seltene Arten wie Schwarzstorch, Mittelspecht, Raufußkauz und Wildkatze. Der Tannenhäher hat in der Schneifel einen seiner Verbreitungsschwerpunkte in Rheinland-Pfalz.“