Das schlimmste Weihnachten auf der Leinwand

Das schlimmste Weihnachten auf der Leinwand

Der Winter 1944/1945 gehört für Bitburg und Trier aufgrund der schweren Bombenangriffe zu den tragischsten Kapiteln ihrer Geschichte. Edmund Bohr hat dazu eine Dokumentation gedreht. Mit Hilfe von 3D-Animationen und der Verwendung von bislang unveröffentlichtem Material liefert der in Bitburg lebende Filmemacher Antworten darauf, warum es ausgerechnet das Eifelstädtchen so hart getroffen hat.

"Wintersturm" heißt der Film. Ein Film, der "weder eine Abrechnung, noch eine Anklage" sein soll, wie Edmund Bohr betont. Aus diesem Grund habe er auch weitgehend darauf verzichtet, seine Kamera auf Zeitzeugen zu richten. "Ich habe mit Piloten gesprochen, die damals noch keine 20 Jahre alt waren und denen gar nicht wirklich bewusst war, was sie da machen", sagt Bohr. Er arbeitet an den letzten Zügen einer umfangreichen Filmdokumentation.

Das fast anderthalbstündige Werk schlägt einen weiten Bogen von den Anfängen des Nationalsozialismus' bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs, konzentriert sich dabei aber vor allem auf die letzten Monate des Krieges, auf die Ardennenoffensive und damit auch auf die zentrale Bedeutung von Trier und vor allem Bitburg. "Bitburg war einer der wichtigsten Verschiebebahnhöfe an der Westfront", erklärt Bohr. So seien die verbliebenen Elitetruppen der Panzerverbände inklusive der Führerleitbrigade allesamt über die Schienen nach Bitburg gebracht worden, von wo aus sie dann in Richtung Westfront aufgebrochen seien, sagt er.

Der in Bitburg-Stahl lebende Filmemacher, der bereits an mehreren Dokumentarbeiträgen zur Luftfahrt im Zweiten Weltkrieg mitgewirkt hat, verweist auf bislang unveröffentlichtes historisches Material aus den USA und auch aus Luxemburg, auf das er bei seinen Recherchen gestoßen sei. Der Film sei aber keine reine Dokumentation, wie Bohr erklärt. Als roter Faden diene der fiktive Gedankenaustausch zwischen zwei Menschen, die ihre Erlebnisse schilderten und von denen einer tatsächlich auch Mitglied des Panzereliteverbands gewesen sei, sagt der Produzent, Autor und Regisseur des Films. Das Besondere an "Wintersturm" sei neben dem historischen Material auch der Einsatz moderner 3D-Animationen sowie Screen-Technik, erklärt Bohr, der ursprünglich technischer Zeichner und als solcher zunächst für einige Produktionen tätig war, bevor er sich selbst der Filmerei widmete.

Bohr hat Original-Filmaufnahmen mit Animationen kombiniert, um so die Angriffe auf Bitburg und Trier möglichst realitätsnah zu veranschaulichen. Zudem wurde für den Film auch die bei Lampaden (Kreis Trier-Saarburg) stationierte V3 am Computer rekonstruiert. Die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis gebaute Superkanone war konzipiert worden, um England von Frankreich aus zu beschießen.

Mit dem in Lampaden errichteten Exemplar der als "Englandkanone" oder "Fleißiges Lieschen" bezeichneten Hochdruckpumpe wurden im letzten Kriegswinter Angriffe auf die Stadt Luxemburg gestartet. "Ich habe im Vorfeld nicht gewusst, dass die Ardennenoffensive so umfangreich war", sagt Bohr. Sein Film soll in einigen regionalen Kinos, aber auch in Luxemburg und Belgien zu sehen sein. Und wie der Produzent erklärt, hat er ausreichend Dokumente und Zeitzeugenberichte zusammengetragen, um "locker einen zweiten Film zu machen". Und einige Filmszenen laufen bereits - wenn auch bislang nur auf der kleinen Leinwand in seinem Kopfkino.

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