Das trägt Früchte

Der eigene Obst- und Gemüseladen hinter der Haustür muss kein Traum von Großgrundbesitzern bleiben. Wie man einen Handtuchgarten in ein "Tischlein deck' dich"-Terrain verwandelt, zeigt Familie Dahlem-Winkler. Mit Fruchtfolge, kleinen Obstbäumen und engagiertem Einsatz haben die Mieter in zwei Jahren einen Selbstversorgergarten geschaffen.

Trier. In den Garten gelangt man durchs Haus. Damit reiht er sich in das Grundschema einer Reihenhaussiedlung im Trie rer Stadtteil Mariahof ein. Doch wer in einseitiger Zugänglichkeit und Handtuchformat ein Hindernis auf dem Weg zum reich bestückten Obst- und Gemüseparadies sieht, wird bei Familie Dahlem-Winkler eines Besseren belehrt.

"Bevor wir vor zwei Jahren hier einzogen, haben wir mit dem Vermieter abgeklärt, dass wir einen Nutzgarten anlegen wollen", sagt Richard Dahlem. Rollrasen wurde lediglich im Anschluss an die Terrasse verlegt. Dahinter beginnt das Reich von Rosenkohl und Dahlie.

Rotierende Fruchtfolge für die Selbstversorgung



Fünf Beetflächen mit eingesprenkeltem Blütenschmuck ermöglichen weitestgehende Selbstversorgung der Familie. Für Blumen und Kräuter zeichnet Elsbeth Winkler verantwortlich. Den "Schichtwechsel im Gemüsebeet" koordiniert ihr Mann.

"Wir haben eine rotierende Fruchtfolge", erklärt Richard Dahlem. Dieses Jahr wuchsen im ersten Beet Kartoffeln und Salat, im zweiten reiften Kürbis und Zucchini heran. Auf Platz drei sind gerade die letzten Kohlköpfe geerntet worden. Hülsenfrüchte wie Bohnen haben den Boden im vierten Rechteck mit ihren stickstoffbindenden Bakterien an den Wurzeln für ihre Nachfolger bereitet. Im nächsten Jahr wird dort Kohl angebaut. "Mit der Fünfteilung der Beete wird bei den Kulturen eine notwendige Anbaupause von drei bis vier Jahren eingehalten", erläutert der Praktiker das Prinzip der Mischkultur. Rotiert wird im Uhrzeigersinn. Noch halten auf dem letzten Beet Lauch und Pastinaken als Wintergemüse die Stellung. Doch wenn das Feingemüse den Kartoffelacker erbt, richten sich Sau- und andere Bohnen auf der heute noch "durchlauchten" Parzelle ein.

Refugium für seltene Apfelsorten



Spaß an dem Mariahofer Allerlei haben auch die Kinder. Vor allem Kräuter und Naschobst haben es Pit und Marie angetan. Fairerweise muss man sagen, dass es gleich neben dem Garten einen Fußballplatz gibt. Da verkraften es auch Fünf- und Siebenjährige, dass sich zwischen Möhre und Mangold nur Ringelblumen austoben dürfen. Auf dem Spielfeld innerhalb der Brom- und Himbeerwand tummeln sich Hokaido und Doktor Martin. Ersterer ist ein orangeroter Kürbis, letzterer eine Birnensorte, die in Richard Dahlems Heimat Bingen früher weit verbreitet war.

Der Obstbaumspezialist hat die vom Aussterben bedrohte Sorte auf einen Spindelbaum veredelt.

Auf einer schwach wachsenden Unterlage - im Fachjargon MM106 -, die auch kleineren Hausgärten Apfelsegen ermöglicht, wächst ein Mautapfel. Die im Raum Koblenz gezüchtete Sorte wurde als Verbesserung des hiesigen Bohnapfels propagiert.

Obsternte landet im hauseigenen Dörrapparat



Nicht nur von Berufs wegen beschäftigt sich der Ökologe mit alten Obstsorten. In allen Randbereichen spiegelt der Garten sein Interesse als Pomologe (Apfelkundler) wieder. In der Pflanzung findet man Lokalsorten wie Roter Trierer Weinapfel und Erbachhofer Mostapfel sowie eine historische Pflaume namens Washington aus Luxemburg. Spalier stehen Nelches Birne und auch mal eine Säulenkirschen-Neuheit.

Jede Obstsorte habe ihre speziellen Vorzüge, sagt Richard Dahlem. Besonders beliebt sind Früchte für den hauseigenen Dörrapparat. Als leckerer und gesunder Pausensnack wird das getrocknete Gartenobst dann aus dem Haus getragen.

ExtraBeliebtes Wintergemüse Kohl: Rosenkohl und Grünkohl bleiben auf den Beeten stehen. Bis in den Winter können sie frisch aus dem Garten geerntet werden. "Vor allem Grünkohl kann viel Frost vertragen", sagt Richard Dahlem. Kenner wissen, dass der krause Kohl mit jedem Minusgrad aromatischer schmeckt. Rot- und Weißkohl dagegen gräbt Richard Dahlem jetzt zum Überwintern aus. Die Kohlköpfe setzt er mit Strunk und Wurzel in eine mit Erde gefüllte Wanne und lagert sie am kühlen, aber frostfreien Zugang zum Keller. Zum Einlagern eignen sich spät reifende Sorten. In diesem Jahr heißt der Lagerweißkohl hier beispielsweise Dottenfelder Dauer. Auch bei Wirsing gibt es deutliche Unterschiede in der Haltbarkeit. Auf solche Feinheiten sollte man bei der Beetplanung für die nächste Saison achten.AusflugstippMattheiser Weiher: An den Ufern der Mattheiser Weiher wachsen 150-jährige Speierlinge - eine Rarität! In ganz Deutschland gab es Anfang der 1990er Jahre weniger als 4000 Exemplare. In der Region hatte das fast in Vergessenheit geratene Gehölz eine wichtige Aufgabe. Seine gerbstoffreichen Früchte dienten der Haltbarmachung von Viez . Sein hartes Holz eignete sich ideal zur Herstellung von Kelterspindeln, Zahnrädern im Mühlenbau und für andere mechanische Zwecke. Heute künden die sanierten Naturdenkmäler mit den knorrigen Stämmen und ausladenden Kronen von einer bewegten Geschichte. Früher hatte jedes Kloster seinen Speierlingsbaum. Kein Wunder, dass die bis zu 15 Meter aufragenden Riesen im Verbund mit altehrwürdigen Eichen, Eschen und Weiden in nächster Nähe des Klosters St. Matthias angesiedelt sind. Die Mattheiser Weiheranlage liegt im Naherholungs- und Naturschutzgebiet des "Volksparks Trier-Süd", und ist frei zugänglich.