Das Wissen kommt per Daten-Autobahn

Grenzen überschreiten, Hürden bei der Gesundheitsversorgung abbauen: Zwischen den Krankenhäusern Prüm und St. Vith sind das keine Worthülsen mehr. Zukünftig werden die Einrichtungen in der Radiologie eng miteinander arbeiten, auf Basis eines Interreg-Projekts.

Dr. Martin Steinhoff, Chefarzt der Radiologie im St. Augustinus Krankenhaus Düren, sichtet Aufnahmen. Zukünftig werden die Radiologie-Bilder digital begutachtet. Foto: Caritas Trägergesellschaft West

Prüm/St.Vith (Belgien). Die beiden Krankenhäuser in St.Vith und Prüm trennen nur etwa 25 Kilometer, eine Landesgrenze und zwei verschiedene Gesundheitssysteme. Doch beide haben ein gemeinsames Ziel: Die Gesundheitsversorgung in der Eifel zu verbessern. Dies soll ab Oktober realisiert werden. Die Krankenhäuser planen eine gemeinsame Nutzung radiologischer Geräte, den Austausch von Personal sowie eine elektronische Vernetzung. Diese praktische grenzüberschreitende Gesundheitskooperation wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Dies beschloss der Lenkungsausschuss des Programms "Interreg IV A".

Die Idee zu dieser Zusammenarbeit hatte Andreas Fidelak, kaufmännischer Direktor des St. Joseph-Krankenhauses Prüm, im November des vergangenen Jahres. "Wir haben 900 Notfalleinsätze im Jahr und betreuen flächenmäßig mit das größte Gebiet in Rheinland-Pfalz", sagt er. Leider habe man keinen Radiologen vor Ort. Brauchte man eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT, das Gerät liefert Schnittbilder des menschlichen Körpers), wurden die Patienten bislang nach Euskirchen, Bitburg oder Mechernich geschickt. Dr. Martin Steinhoff, Chefarzt der Radiologie im St. Augustinus Krankenhaus Düren, kam zweimal die Woche zur radiologischen Besprechung nach Prüm und sichtete die Aufnahmen.

Das ist zukünftig nicht mehr nötig, da nun auch für Prüm ein Magnetresonanz-Tomograf angeschafft wird. "Damit bieten wir vor allem für die immer älter werdenden Patienten eine gute Leistung vor Ort", sagt Fidelak. Konkret heißt das, dass der Patient keine langen Fahrtwege oder doppelte Untersuchungen mehr über sich ergehen lassen muss, da die Daten elektronisch zwischen den Krankenhäusern ausgetauscht werden.

Die "Aufnahmen" werden in einem Infosystem (Teleradiologisches Netz St. Vith - Prüm) digital abgespeichert. Zukünftig wird die Fachkompetenz der St. Vither Radiologen bei der Beurteilung der Bilder genutzt. An das belgische Krankenhaus ist eine radiologische Praxis mit vier Ärzten angegliedert, deren Wissen nun auch den Prümern zur Verfügung steht. "Wir haben jetzt die Chance, die Eifel grenzüberschreitend mit modernster Medizin abzudecken und zwei Nationen mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen aufeinander abzustimmen", sagt Fidelak. Er freue sich, dass die Politik das Projekt positiv begleitet hat. "Für die Gesundheitsversorgung in Prüm ist das ein Schritt in die Zukunft", betonte er.

Das Projekt soll im Oktober starten und ist auf drei Jahre ausgelegt. Insgesamt kostet die Umsetzung knapp 1,8 Millionen Euro, davon werden rund 810 000 Euro mit Fördermitteln aus dem Interreg IV-Programm abgedeckt. Das St. Joseph-Krankenhaus Prüm übernimmt knapp 500 000 Euro der Kosten, das St. Vither Krankenhaus etwa 300 000 Euro. Die restlichen Kosten werden durch einen Zuschuss des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums abgedeckt. Extra Das Programm "Interreg IV A" fördert unter anderem kleinräumige Projekte in den direkten Grenzgebieten. Das "Teleradiologische Netz St. Vith - Prüm" wurde einstimmig von den Mitgliedern des Lenkungsausschuss für den deutsch-belgischen Grenzraum genehmigt. Der Lenkungsausschuss hat die Aufgabe, grenzüberschreitende Projekte auszuwählen und Fördermittel zu bewilligen. (sn)