Dauernd nass und trotzdem kein Moor

Dauernd nass und trotzdem kein Moor

Sommerserie "Eifelwunder": Das Wasser ist die Lebensader der Eifel. Bäche und Hochmoore prägen die Region, doch es gibt auch noch andere Feuchtgebiete. In Roth bei Prüm verbirgt sich ein echter Sumpf im Wald.

Roth bei Prüm Ob im Hohen Venn oder den Mooren rund um Weißenseifen - wenig prägt und gestaltet die Eifel so sehr wie das Wasser. Die Region ist bekannt für ihre kleinen Bäche und Hochmoore, doch in Roth bei Prüm ist, verborgen im Wald, ein recht seltener Schatz zu finden: Im sogenannten Distrikt Heilknipp kann man einen waschechten Sumpf entdecken.
Was zunächst recht unspektakulär klingt, ist tatsächlich eine kleine Besonderheit - zumindest in der Nordeifel. Zwar unterscheidet die Umgangssprache häufig kaum zwischen den Begriffen Moor und Sumpf, und doch steckt der Teufel im Detail.
Im Gegensatz zu dauerfeuchten Mooren, die also permanent mit Wasser gesättigt sind, können Sümpfe auch einmal austrocknen. Dadurch können abgestorbene Pflanzenreste komplett abgebaut werden. Statt einer dicken Torfschicht bildet sich darin normaler Humusboden, der bei nächster Gelegenheit wieder von Wasser geflutet wird.
Doch die Bestimmung einer Landschaft als Sumpf kann schwierig sein. An manchen Stellen ähneln sie Mooren, an anderen wiederum wirken sie wie verlandende, also trockenfallende Gewässer oder auch einfach feuchte Wiesen. Im Heilknipp gemahnt die Landschaft eher an einen feuchten Quellbereich.
Selbstredend, dass der Besuch eines Sumpfs ebenso tückisch sein kann wie der eines Moores. Im Heilknipp ist besondere Wachsamkeit angeraten. Nicht nur, weil der nasse Boden seine ganze eigenen Tücken bietet und das Gelände schwer erreichbar ist, sondern auch, weil das Gebiet seit fast 40 Jahren als Naturdenkmal des Eifelkreises Bitburg-Prüm unter besonderem Schutz steht.
Zudem wurde der umliegende Buchenwald in das Natura-2000-Programm aufgenommen und ist als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen: Erleben und Besuchen ist also erlaubt. Um aber seltene Tierarten und Pflanzengesellschaften nicht zu stören, wird daher empfohlen, die Wege nicht zu verlassen. Am besten, man sucht sich ein schattiges Plätzchen am Rand und widersteht der Versuchung, den Sumpf weiter zu erkunden. Wer will denn auch schon nasse Füße bekommen?
Wer allerdings ein stilles Plätzchen auf einem Baumstumpf gefunden hat und aufmerksam ist, kann einiges entdecken. Unter anderem wächst im Heilknipp-Sumpf die Weiße Pestwurz, Blindschleichen schlängeln sich durchs moderige Gehölz, und selbst der Schwarzstorch wurde in der Gegend gesichtet.
Ob sich allerdings wie im nicht weit entfernten Naturpark auch die Sumpfspitzmaus im Heilknipp rumtreibt, ist ungewiss. Wer den ebenso possierlichen wie seltenen Nager sichtet, kann sich freuen und sollte wohl als stolzer Entdecker seine Sichtung vorsichtshalber beim Naturpark Nordeifel melden.
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Wir stellen die Schönheiten unserer Natur in unserer Sommerreihe "Eifelwunder" vor.

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