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Dem Antisemitismus etwas entgegensetzen

Kommentar : Dem Antisemitismus etwas entgegensetzen

Die Nationalsozialisten haben in der kurzen Zeit ihrer Herrschaft mehr als sechs Millionen Juden ermordet, allein 1,1 Millionen Menschen im Vernichtungslager Auschwitz. Ein Verbrechen, das uns auch 76 Jahre später noch, zurecht, Schauer über den Rücken jagt.

Wer einmal ein KZ, wie etwa Buchenwald bei Weimar, aus der Nähe gesehen hat, wird diesen Schrecken nie wieder los.

Dass es selbst in Deutschland scheinbar immer mehr Menschen gibt, die den Holocaust mit einem Achselzucken abtun, Witze auf Kosten der Toten reißen oder die Geschichte zu relativieren suchen, ist daher schwer zu ertragen. Besonders geschichtsvergessen und in Teilen antisemitisch präsentieren sich derzeit die Impfgegner und selbsternannten Corona-Rebellen.

Da werden Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie schnell mal mit dem Ermächtigungsgesetz 1933 verglichen, Quarantäne mit Konzentrationslager. Auf Demos trägt man Judenstern. Und nicht nur eine Jana aus Kassel wähnt sich im Widerstand gegen eine Diktatur, wie die ermordete Sophie Scholl — sondern auch andere Demonstranten, etwa in der Wittlicher Fußgängerzone.

Dahinter steckt eine Strategie, die die im Holocaust Ermordeten instrumentalisiert. Mithilfe der Vergleiche phantasieren sich die Verschwörungstheoretiker nicht nur in eine Opferrolle, sondern tun etwas ungleich Schlimmeres: Sie relativieren die Shoa und beschmutzen das Gedenken an die Toten.

Das darf der demokratische Teil der Gesellschaft ihnen nicht durchgehen lassen. Und es reicht auch nicht, über diese menschenverachtenden Äußerungen nur zu lachen. Man muss sich damit auseinandersetzen und die Verschwörungstheoretiker stellen, die fremden, aber auch die im eigenen Umfeld. Der Gedenktag bietet dazu einen guten Anlass.

c.altmayer@volksfreund.de