Dem Müll keine Abfuhr erteilt

ART will Müllumladestation auf Flugplatz Bitburg bauen : Dem Müll keine Abfuhr erteilt

Nicht Fließem, sondern Bitburg: Der Abfall-Zweckverband (A.R.T.) will eine Müllumladestation auf dem Flugplatz bauen. Es wäre seit Jahren das erste belastete Grundstück, das den Besitzer wechselt. Hat der Vermarktungsstopp ein Ende?

Für die meisten ist das mit dem Müll simpel. Er wird in die Tonne gepackt, rausgestellt und abgeholt. Fertig. Kaum jemand will sich mit der Frage beschäftigen, was mit dem Abfall passiert. Kaum jemand, außer den Unternehmen, die damit Geld verdienen. Auf dem Bitburger Flugplatz haben sich mehrere Firmen angesiedelt, die Weggeworfenes sortieren und verwerten: der Rittersdorfer Entsorgungsbetrieb François zum Beispiel, die Firma Seos, früher BRG-Umweltpark, und der Konzern Remondis.

Hinter dem Zaun soll die neue Müllumladestation entstehen: Derzeit endet der Weg noch in einem Bauzaun. Foto: TV/Christian Altmayer

Das Projekt: Bald soll ein weiterer Betrieb hinzukommen, der in Müll macht: der Zweckverband Abfall-wirtschaft Region Trier (A.R.T.). Seit Jahren plant Geschäftsführer Max Monzel eine Müllumladestation in der Eifel.  Nun scheint er auf dem Flugplatz, neben dem Bauunternehmer Köppen, einen geeigneten Standort gefunden zu haben. Wenn alles nach Plan läuft, wird dort der Hausmüll, der rund um Prüm und Bitburg anfällt, auf Containerwagen verladen und ins Entsorgungszentrum nach Mertesdorf, Kreis Trier-Saarburg, transportiert werden.

Foto: TV/Schramm, Johannes

Das passiert heute bereits, nur nicht im Hause des Zweckverbands, sondern beim Unternehmen Remondis. Die Firma ist, wie es im Slogan heißt, nicht nur „im Auftrag der Zukunft“, sondern auch im Auftrag des A.R.T. unterwegs. Lastwagen mit dem rotweißen Schriftzug holen Abfall ab und schlagen ihn auf dem Flugplatz um.

Das will der Zweckverband in Zukunft selbst übernehmen, um laut Monzel „alles in einer Hand zu haben“ und die „Müllsammlung für Unternehmen zu öffnen, die keinen Verladeplatz haben“. Außerdem  könne der A.R.T. ein bisschen sparen, meint der Chef: „Auch wenn wir damit kein tolles Geschäft machen“.

Der Firma Remondis entgeht aber eins. Auf TV-Anfrage schreibt ein Unternehmenssprecher: „Durch die Umladestation entstehen Überkapazitäten, die sich negativ auf die Auslastung und damit auf das Geschäftsergebnis auswirken werden.“  Wirtschaftlich oder ökologisch vernünftige Gründe sieht der Pressesprecher für den Bau der Anlage keine, sondern nur „einen weiteren Versuch des A.R.T., die Daseinsvorsorge in kommunale Hände zu nehmen und die Privatwirtschaft aus dem Markt zu drängen.“ Neu ist die Idee auch für ihn nicht. Denn der Zweckverband verfolgt sie seit Jahren. Allerdings wurde im ersten Anlauf nichts aus dem Projekt.

Der Hintergrund: Zunächst sollte die Umladestation  in den Kommunalpark an der A 60 bei Fließem ziehen. Allerdings regte sich bei den Unternehmen im Gewerbegebiet Widerstand. So lange bis ein Landwirt seinen Acker nicht mehr an den Zweckverband verkaufen wollte. Damit hatte sich die Sache nach vier Monaten Planung erledigt. Auch das Geld für die Konzeptionierung der Anlage hat der A.R.T. umsonst ausgegeben. „Die Kosten halten sich aber im Rahmen“, meint Monzel: Zum Teil könne man die Planung auf den Flugplatz übertragen.

Der Stand der Dinge: Der Vertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Gelände nach dem Abzug der Amerikaner übernommen hatte, sei „endverhandelt“, sagt Monzel. Auch der Vorsitzende des Zweckverbands Flugplatz Helmut Berscheid geht davon aus, dass der Vertrag 2018 abgeschlossen wird.

Mit Protesten wie in Fließem, die Monzel als „Theater“ bezeichnet, rechnet er in Bitburg nicht: „Wenn die Firmen sich an uns stören würden, wäre das paradox.“ Außerdem sei das Gelände günstig zu haben. Berscheid hält das Grundstück in der Hans-Bonger-Straße ebenfalls für eine gute Wahl: „Hier  können Nutzungskonflikte vermieden werden“.

Da wundert es, dass der A.R.T. nicht gleich nach Bitburg ziehen wollte. „Wollten wir ja“, sagt Monzel. Aber die Verbandsversammlung des Flugplatzes hatte ihm vor Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Grund hat drei Buchstaben: PFT.

Das Umweltproblem: Die Abkürzung steht für die Chemikalien-Gruppe der Perfluorierten Tenside. Die Schadstoffe schlummern im Boden unter dem Gewerbegebiet. Experten gehen davon aus, dass die Altlast eine Hinterlassenschaft der US-Air-Force ist, genauer: der amerikanischen Feuerwehr. Die hatte jahrzehntelang Löschschäume versprüht, die PFT enthalten.

Da diese langlebig sind, verunreinigen sie den Flugplatz noch heute. Ein Problem für die Bima: Denn solange die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord die Belastung nicht untersucht hatte, durfte die Behörde keine Flächen verkaufen.

Dort, wo der A.R.T. seine Müllumladestation plant, weiß man inzwischen aber, womit man es zu tun hat. „Der Boden ist beprobt, die Ergebnisse der Analyse liegen vor“, sagt Monzel. Bei den Untersuchungen sei PFT gefunden worden. Die Bima habe aber ein Sanierungskonzept mit der SGD Nord ausgehandelt. Belastete Böden sollen demnach auf Kosten des Bundes abgebaggert und entsorgt werden.

„Das wäre der erste Fall, bei dem wir das durchkriegen, die Blaupause für weitere Vermarktungen“, erklärt Berscheid die Tragweite des Projekts. Er hofft, dass bald auch dem Verkauf von Grundstücken im 2013 erschlossenen B-Shelter nichts mehr im Weg steht. Auf TV-Nachfrage bestätigt er, dass Gespräche mit Interessenten für diese Grundstücke laufen. Der strenge Verkaufsstopp in Bitburgs größtem Gewerbegebiet könnte also in Kürze vorbei sein. „Wir sind trotzdem daran interessiert, dass die Bima ein Sanierungskonzept für das gesamte Gelände vorlegt“, sagt Berscheid.Doch zurück zur Umladestation. Wann ist es denn so weit?

Der Zeitplan: Was derzeit noch zur Unterzeichnung des Vertrages fehlt, ist die Zusicherung des Zweckverbandes, das Grundstück zu „terrassieren“. Derzeit türmen sich Hügel auf, Wiesen wechseln sich mit Beton ab. Bevor die Müllumladestation gebaut wird, müsste das Gelände also eingeebnet werden. Zahlen will dies der Zweckverband. „Das ist bei uns üblich“, sagt Berscheid: „Wir verkaufen ja keine Buckellandschaften.“ Trotzdem muss erst die Verbandsversammlung grünes Licht geben. Darüber soll das Gremium in der nächsten Sitzung Ende November and Anfang Dezember abstimmen. 

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