Demo in der Schalterhalle: Etwa 100 Bürger machen in Arzfeld ihrem Ärger über Filialschließungen Luft.

Archiv Januar 2020 : Bürger machen ihrem Ärger über Filialschließungen de Raiffeisenbank Westeifel Luft

Ganz anders als geplant: Die Bilanz-Pressekonferenz der Raiffeisenbank Westeifel in Arzfeld wurde am Freitag zur öffentlichen Diskussion mit etwa 100 Bürgern. Grund: die Schließung der Filialen in Daleiden und Waxweiler.

Kein leichter Tag, dieser Freitag, für Mark Kaffenberger, seit vorigem Jahr neben Klaus Peters Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel: Gleich nach seiner ersten Pressekonferenz zur 2019er-Bilanz der Bank steht er zusammen mit Peters vor einer Wand aus zirka 100 zornigen Bürgern, Genossenschaftlern, Kunden, bewaffnet mit Transparenten, Unterschriftenlisten und Argumenten.

Sie sind hier, weil die Bank (der TV berichtete) zwei ihrer bisher noch sieben Zweigstellen schließen will: Daleiden und Waxweiler. Die Beschäftigten wechseln nach Arzfeld oder Pronsfeld. Und der Islek wäre damit, mit Ausnahme von Arzfeld, ganz ohne Filiale. Termin: 31. März.

Ausgerechnet auch noch Waxweiler: Dort hat zum Jahresende schon die Kreissparkasse Bitburg-Prüm ihre Zweigstelle ebenfalls dicht gemacht, viele Kunden wechselten deswegen zu den Genossenschaftlern. Und die schließen jetzt auch – dass die Bürger einen Hals haben, ist zu verstehen.

Peters und Kaffenberger haben gerade in der Pressekonferenz erläutert, warum sie den Entschluss fassten: Es wird, nicht nur der Nullzinsen wegen, immer schwerer und teurer für die Banken, Geld zu verdienen. Für jeden Euro Ertrag, sagt Peters, müsse man inzwischen 75 Cent ausgeben. In den kleineren Filialen gehe der Kundenbesuch immer weiter zurück – wie auch die Nutzung der Geldautomaten, von denen jeder das Unternehmen 25 000 Euro im Jahr koste. Weshalb auch der Automat in Wallersheim nun abgebaut werde.

Demo in der Arzfelder Schalterhalle der Raiffeisenbank Westeifel: Viele Bürger aus dem Islek stellen sich gegen die Schließung der Filialen in Daleiden und Waxweiler. Foto: Fritz-Peter Linden

In all der Düsternis ginge beinah unter, dass die Westeifeler ein immer noch gutes Jahr hinter sich haben: Die Bilanzsumme beträgt 460 Millionen Euro (15,2 Millionen mehr als 2018), eine Steigerung verzeichnet man auch beim Kreditgeschäft (gesamt 377 Millionen Euro, 27,4 Millionen mehr), man beschäftigt 110 Menschen. Und zu denen kommen noch die 92 bei der Tochter, der Raiffeisen-Waren GmbH, davon mehr als die Hälfte Frauen. Die GmbH, sagt Geschäftsführer Werner Aßmann, steigerte ihren Netto-Umsatz ebenfalls, von 45 auf 47 Millionen Euro. Mit zwei Geschäftsstellen mehr als noch im vorigen Jahr – immerhin, wenigstens dort noch Wachstum.

Alles in allem seien es im Verbund also mehr als 200 Beschäftigte, die für ein Personalaufkommen von insgesamt neun Millionen Euro stünden, sagt Peters. Geld, das in der Region bleibe.

Demo in der Arzfelder Schalterhalle der Raiffeisenbank Westeifel: Viele Bürger aus dem Islek stellen sich gegen die Schließung der Filialen in Daleiden und Waxweiler. Foto: Fritz-Peter Linden

Wie reagiert die Bank auf die Entwicklungen der Zeit? Indem sie, erläutert Mark Kaffenberger, noch stärker auf Beratung und Betreuung setze. Nicht zuletzt bei den Jüngeren: Das seien oft Existenzgründer, „die brauchen einen guten Ansprechpartner.“ Deshalb habe man für diese spezielle Beratung zwei Stellen ausgeschrieben. Vermarktung und Vertrieb sollen enger aneinander gebunden werden, das Kundenservicecenter in Pronsfeld ausgebaut, zwei neue „Juniorkunden-Berater“ will man ebenfalls einstellen – Mitarbeiter, die firm seien auf den digitalen Kanälen und in der Sprache einer jüngeren Kundschaft.

Aber da sind eben auch die Schließungen. Und deshalb müssen Peters und Kaffenberger alles noch einmal erklären – vor einem Publikum, das nicht mit der besten Laune ins Haus gekommen ist.

Erklärungsbedarf: Die Vorstände Mark Kaffenberger (Mitte linjks) und Klaus Peters stellen sich der Diskussion mit den Bürgern. Foto: Fritz-Peter Linden

Aber: „Auch das ist Genossenschaft“, sagt Kaffenberger. Es fallen deutliche Worte: „Was wir immer so zu schätzen gewusst haben“, heißt es aus den Reihen der Bürger, „ist eure Ortsnähe.“ Die sei jetzt verloren. „Ihr zieht uns den Boden unter den Füßen weg.“

Die Genossenschaftsbanken, sagt jemand anderes, seien nicht gegründet worden, um das Kapital in den Vordergrund zu stellen. Andere kündigen an: Wenn die Berater in den Orten weg seien, dann gingen sie auch. Peters und Kaffenberger weisen die Kritik nicht zurück, gehen darauf ein, geben vielen Bürgern recht. Und versprechen: Man werde auf jeden Fall die Sache mit den Geldautomaten überdenken. Und neue Möglichkeiten erörtern – in Kooperation mit Verbrauchermärkten oder der Sparkasse. Und sie wollen sich, so verlangt es unter anderem die Gruppe aus Waxweiler mit Gemeindechef Manfred Groben an der Spitze, auch auf Versammlungen mit Bürgern und Kunden dort einlassen.

Und dann überreicht man ihnen die Unterschriftenlisten: 2000 Bürger haben sich eingetragen. „Die haben wir nur in den letzten drei, vier Tagen gesammelt“, sagt Rüdiger Schausen aus Daleiden. „Da kommt noch mehr.“