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Demokratie fängt im Kindergarten an

Demokratie fängt im Kindergarten an

KYLLBURG. Im Kindergarten St. Marien in Kyllburg ist viel los: Projekte, eine Kinderkonferenz und ein offenes Konzept sorgen für eine moderne Erziehung.

Im Bewegungsraum tut sich was: Hier können alle Kinder nach Herzenslust toben, wann immer sie wollen. Das ist das Besondere an der Kindertagesstätte St. Marien, deren Träger die Verbandsgemeinde Kyllburg ist: Hier gibt es ein offenes Konzept. Das heißt, dass die Kinder nicht in Gruppen ihren Kindergartenalltag verbringen, sondern die Räume in unterschiedliche Bereiche eingeteilt sind. "Die Kinder treffen sich morgens in ihrer Stammgruppe. Danach können sie selbst entscheiden, worauf sie Lust haben. Abends versammeln sich alle Kinder zum Abschlusskreis", berichtet Marianne Engler-Schuster, Leiterin der Kindertagesstätte. Im Kreativ-Raum kann gemalt, gebastelt oder mit Knetmasse experimentiert werden. Im Gesellschaftsspiele-Raum gibt es Tischspiele aller Art, Puzzles und einen Kaufladen für Rollenspiele. "Wir finden Gesellschaftsspiele besonders wichtig. Denn hier lernen die Kinder ein soziales Miteinander und dass auch Verlieren gelernt sein will", sagt Engler-Schuster. Das "Bistro" dient als Frühstücksraum. Auf Wunsch der Kinder hin wurde der Bauraum in einen Ruheraum verwandelt: Hier kann sich jeder Ruhe vom Getümmel mit den anderen gönnen. In allen Räumen begleitet mindestens eine der fünf Erzieherinnen das Spiel der Kinder. Jede Woche treffen sich alle Erzieherinnen zur Teambesprechung. "Absprache, Rückmeldungen und Organisation sind unerlässlich", betont Engler-Schuster. Wenn ihr Kind das erste Kindergartenjahr beginnt, bekommen alle Eltern die Konzeption von St. Marien in die Hand. Gespräche, Aushänge und Briefe lassen die Eltern wissen, womit ihr Sprössling den Tag verbringt und wie er sich entwickelt: "Diese Transparenz ist wichtig. Von den Eltern erhalten wir darauf positive Resonanz." Jeden Dienstag treffen sich die Vorschulkinder zur Kinderkonferenz. Das Motto lautet "Miteinander reden, denken, planen, entscheiden". Hier kommen die Kinder zu Wort: Sie dürfen Wünsche und Vorschläge äußern, hier werden ihre Sorgen ernst genommen. "Die Kinderkonferenz dient zugleich der Sprachförderung. Die Kinder lernen, vor einer Gruppe zu sprechen und andere auch ausreden zu lassen", sagt Engler-Schuster. Dies sei auch später in der Schule wichtig. Die Erzieherinnen führen über jede Sitzung Protokoll. In den einzelnen Gruppen teilen die Vorschüler am nächsten Morgen ihren jüngeren Spielkameraden die wichtigsten Ereignisse des Treffens mit. Die Konferenz verwirklicht somit Demokratie im kleinen Rahmen. Laut dem neuen Kindergartengesetz sollen bis 2010 auch alle Zweijährigen ein Recht auf einen Kindergartenplatz haben. Von heute auf morgen sei dies jedoch nicht umsetzbar, findet Engler-Schuster: "Die Planung muss konzeptionell, personell und räumlich stimmen. Nur wenn diese Rahmenbedingungen passen, kann richtig auf jedes Kind eingegangen werden." Diese Tatsache habe nichts mit einer oft von den Medien unterstellten "Angst" vor den Zweijährigen zu tun. Schließlich sei es im Sinne der Eltern und Kinder, dass ein Kindergarten eine optimale Einrichtung bieten würde. Das neue Kindergartengesetz entscheidet zudem, dass nun nicht mehr die Gruppen selbst, sondern jedes einzelne Kind bezuschusst wird. "Ganz klar sind die Kinderzahlen rückläufig. Jetzt ist eben ein Umdenken absolut nötig - der Etat muss richtig eingesetzt werden", sagt Engler-Schuster: "Wir tun, was in unseren Kräften steht, aber alle müssen mithelfen: Elternhaus, Träger und Kindergarten."