Den Narren gehen die Jecken aus

Den Narren gehen die Jecken aus

Der Rosenmontagszug in Stadtkyll wird immer kürzer. Die Karnevalsfreunde "Stadtkyll dajöhh" rufen deshalb alle Jecken dazu auf, sich stärker zu beteiligen - sonst müsse der Zug eingestellt werden.

Stadtkyll/Bleialf. "Ach wat wor dat fröher doch so schön" - mit diesen nostalgischen Worten ist ein Wurfzettel des Stadtkyller Karnevalsvereins an alle Jecken überschrieben.

Er enthält einen dringenden Appell an alle Nicht-mehr-Aktiven aus Stadtkyll, Schönfeld, Kerschenbach, Hallschlag, Ormont und Scheid, die in den vergangenen Jahrzehnten Wagen und Fußgruppen stellten: "Rauft euch mit eurem Freundes- und Bekanntenkreis, Kegelclub oder was auch immer zusammen und nehmt als Fuß- oder Wagenbaugruppe am Stadtkyller Rosenmontagszug teil, damit das Brauchtum des Straßenkarnevals auch weiterhin aufrecht erhalten werden kann."

"Wir sprechen das jetzt mal bewusst konfrontativ an", sagt Christian Diederichs, der zweite Vorsitzende der Karnevalsfreunde. "Um die Leute mal ein bisschen wachzurütteln."

Der Grund: In den vergangenen Jahren ist der Stadtkyller Rosenmontagszug immer kürzer geworden. Die Sorge: Wenn die Beteiligung noch geringer werde, sei es fraglich, ob in den kommenden Jahren noch ein Zug ausgerichtet werden könne.

Das war in den 1970er Jahren schon einmal der Fall: Damals pausierte der traditionsreiche Stadtkyller Zug ebenfalls - bis sich 1979 eine Reihe von jungen und erfahrenen Karnevalisten zusammentaten, um dem närrischen Elend ein Ende und wieder einen Rosenmontagszug auf die Straße zu setzen.

Das ging viele Jahre lang gut - doch inzwischen ist die Konkurrenz gewachsen, während zugleich mehr und mehr Aktive in den jecken Ruhestand gegangen sind. Was also tun?

Die KG Bleialf stand vor einem ähnlichen Problem: "Es ging rapide bergab", sagt der Vorsitzende Gerhard Begon. Zuletzt seien es noch "zehn oder zwölf Wagen" gewesen, nach Spitzenzahlen mit rund 60 Wagen im Jahr 2003.

Die Konsequenz: Die Bleialfer wechselten voriges Jahr auf den Samstag, machten viel Werbung und engagierten die Dompiraten für den musikalischen Abschluss. Ergebnis: "Riesenresonanz." 2010 zählte der Verein 40 Wagen im Zug. "Man muss ordentlich Werbung machen", empfiehlt Begon. "Und hinterher was bieten. Nur um Kamellen zu schmeißen kommt keiner mehr."

Auch in diesem Jahr haben die Bleialfer deshalb wieder die Dompiraten angeheuert.

Das Problem für die Stadtkyller: Ein Wechsel auf den Samstag wäre kaum zu machen, denn an diesem Tag geht der Zug im Nachbarort Jünkerath. Und sonntags rollen die Wagen in Olzheim.

Für Christian Diederichs ist der Termin aber nicht das Thema: "Es gibt einfach kaum noch jemanden, der sich so groß engagieren möchte", sagt er. Kostüme herstellen, Wagen bauen - das bedeute viel Aufwand, und zugleich gebe es nicht mehr so viele Scheunen, in denen man in Ruhe bauen könne.

Es bleibt also vorerst beim Appell - und bei den Anreizen für die Teilnahme: Jede Gruppe erhält in Stadtkyll das Wurfmaterial vom Karnevalsverein. Für Wagenbauer gibt es außerdem 50 Euro und eine Kiste Bier. Fußgruppen erhalten 20 Euro. Informationen zum Zug erteilt der Verein unter Telefon 0176/80096248 und 0176/78173175.

Immerhin: Der Stadtkyller Sitzungskarneval ist nicht gefährdet, wenn man die Resonanz der vergangenen Jahre betrachtet.

So soll es bleiben: Am Samstag, 26. Februar, ist Kappensitzung (Vorverkauf am Sonntag, 20. Februar, 17 Uhr, im Gasthaus "en d'r Burg"). Die Möhnensitzung ist an Weiberdonnerstag, 3. März, 15.11 Uhr, die Kindersitzung am Sonntag, 27. Februar, 15.11 Uhr, alle Veranstaltungen sind in der Tennishalle.

In Bleialf geht der Zug am Samstag, 5. März, 15.11 Uhr. Anmeldungen bei Walter Hack, Telefon 0151/53519136 oder bei Reiner Hillen, Telefon 0170/3824808. Am Samstag, 12. Februar, 20. 11 Uhr, ist Kappensitzung mit Proklamation des Prinzenpaars. Am Sonntag, 20. Februar, 14.11 Uhr, Kinderkappensitzung mit Proklamation des Kinderprinzenpaars; am Sonntag, 27.Februar, ist Seniorensitzung um 14.11 Uhr. (alle Sitzungen im Saal Zwicker-Scheer).