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Der Abschied vom Umsonst-Parken: Was Händler und Kunden zu den neuen kostenpflichtigen Stellplätzen in Bitburg sagen

Der Abschied vom Umsonst-Parken: Was Händler und Kunden zu den neuen kostenpflichtigen Stellplätzen in Bitburg sagen

Die Zahl der kostenlosen Parkplätze in Bitburgs Kernstadt ist um 101 Stück gesunken. Etliche Besucher stört es, dass sie nun ein Parkticket ziehen müssen. Andere hingegen sagen, dass sie nun endlich mal freie Plätze finden. Auch die Händler sehen in den Gebühren, die im Dezember eingeführt wurden, Vor- und Nachteile.

Rein in die Stadt, schnell was erledigen. Wer in die Innenstadt will, kann gleich neben der Fußgängerzone Am Grünen See, Am Markt sowie in den Seitengassen parken. Wer durch die Fußgängerzone schlendert, muss nun immer im Hinterkopf haben: Die Parkuhr tickt. Dort, wo man früher noch mit der Parkscheibe zwei Stunden kostenlos seinen Wagen abstellen durfte, sind nun 101 Stellplätze nun gebührenpflichtig - 20 Cent für zehn Minute. Die Stadt erhofft sich Mehreinnahmen (siehe Extra).

"Das gefällt mir nicht", sagt Alwine Leinen aus Fließem, die am Grünen See geparkt hat. "Wenn ich in Bitburg in die Kirche oder zur Post gehe, muss ich jetzt Parkgebühren bezahlen. Ich wünsche mir die alte Regelung mit der Parkscheibe zurück." Generell sei es schwieriger geworden, sagt Leinen, zu bestimmten Zeiten nahe der Kernstadt noch einen freien Parkplatz zu finden: "Ich wähle die Zeiten für Besorgungen in Bitburg jetzt schon danach aus, wann weniger los sein könnte."

Ein paar Meter weiter steigt gerade der Trierer Norbert Reichrath in seinen Wagen. "Ich ziehe nie Parkscheine", antwortet der 51-Jährige auf die Frage, was er von der neuen Gebührenregelung halte. Reichrath: "Die drei Knöllchen, die ich so im Jahr kassiere, sind für mich billiger, als jedes Mal einen Parkschein zu ziehen." Hens Artur aus Waxweiler sind die Parkkosten schnuppe: "Die paar Cent sind mir relativ egal", sagt der 60-Jährige. Doch gezahlt hat er keinen Cent, weil er lieber im Wagen auf einem Stellplatz am Grünen See wartet, während seine Frau kurz bei der Post reinspringt.

Ein weiterer Parkplatzbesucher, der seinen Namen nicht nennen möchte, fordert eine "Brötchentaste, mit der man zumindest eine halbe Stunde kostenlos parken darf. Das wäre doch für alle Beteiligten ein guter Kompromiss."

Interessant ist, dass die Gebührenordnung selbst nach zwei Wochen noch nicht bis zu allen Verkehrsteilnehmern durchgedrungen zu sein scheint. Hinter den Windschutzscheiben einiger Autos liegen immer noch Parkscheiben.

Eine Auswirkung der neuen Gebührenregelung ist auch, dass es in den angrenzenden Wohnstraßen mehr Betrieb gibt: "Früher habe ich im Görenweg hinter der Brauerei immer einen kostenlosen Parkplatz gefunden", sagt eine Bitburgerin, die anonym bleiben möchte. "Damit ist es jetzt vorbei und ich muss weiter laufen." Idee eines Gutschrift-Systems Ihren Zweck, die Dauerparker fernzuhalten und den Kunden der Innenstadt freie Parkplätze zu garantieren, habe die Parkgebühr dagegen erfüllt, sagt Ilse Neumann-Kropp, Inhaberin der Flora Apotheke. "Eine ältere Dame hat sich positiv geäußert und gesagt, dass sie jetzt immer einen freien Parkplatz findet."

Die gleiche Erfahrung hat auch Anne Bies, Inhaberin der Buchhandlung Eselsohr, gemacht: "Mir hat auch eine Kundin gesagt, dass sie seitdem mehr Glück hat, einen Platz zu finden." Doch Bies bleibt skeptisch: "Die kostenlosen Parkplätze waren für Bitburg ein Standortvorteil, der jetzt wegfällt." Da könnten Kunden doch auf die Idee kommen, nach Trier oder in andere Städte einkaufen zu fahren.

Lars Messerich, Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses, hält diese Sorge für unbegründet: "Nach Trier zu fahren, lohnt sich wegen der paar Cent Parkgebühren nicht. Da sind die Fahrtkosten doch weit höher." Dennoch müsse der Gewerbeverein die Auswirkungen im Auge behalten. Bislang habe er aber keinen negativen Effekte beobachtet. Ein kleiner Obolus fürs Parken, sagt Messerich, sei mittlerweile doch in fast allen Städten üblich. Die Apothekerin Ilse Neumann-Kropp hat eine Idee, die die Kunden der Geschäfte in der Innenstadt von den Gebühren entlasten könnte. Ihre Anregung: "Ab einem gewissen Einkaufswert könnten die Gewerbetreibenden den Kunden doch Parkgebühren erstatten." Ihre Idee, sagt Neumann-Kropp, solle unter den Händlern und Gastronomen mal diskutiert werden und nur geschlossen umgesetzt werden.

Was ist Ihre Meinung zu den neuen kostenpflichtigen Parkplätzen in Bitburgs Innenstadt? Ist es ein Vorteil oder doch eher ein Nachteil für die Einkaufsstadt? Würde Sie das von einem Besuch in Bitburg abhalten? Mailen Sie uns Ihre Meinung in wenigen Sätzen an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort bitte nicht vergessen).

Extra Parken in Bitburg
1500 Stellplätze gibt es in der Kernstadt; davon sind 585 kostenfrei - 407 mit Parkscheibe und 178 ohne Zeitbegrenzung. Weitere 583 kostenlose Stellplätze finden sich in den Randbereichen wie der Echternacher Straße, Franz-Mecker-Straße, Ostring, Gerichtsstraße oder der Bahnhofstraße. Bei der Parkraumbewirtschaftung erhofft sich die Stadt 2016 Einnahmen in Höhe von 484 000 Euro. 100 000 Euro mehr als noch 2015, was vor allem an den drei neuen Parkautomaten liegen soll. Damit soll die Parkraumbewirtschaftung, wofür die Stadt 2016 etwa 460 000 Euro aufbringen muss, voraussichtlich kostendeckend werden.

Meinung
Christian Moeris: Vorteil bröckelt
Parkgebühren in Mittelzentren wie Bitburg oder Wittlich können für den Handel gefährlich werden. Denn sie können Kunden vergrellen. Wenn man schon Parkgebühren zahlen muss, oder weit laufen muss, um sie zu vermeiden, dann kann man auch direkt nach Trier einkaufen fahren: Das werden sich nun bestimmt einige derjenigen Kunden denken, die ein paar Stunden shoppen gehen möchten. Der wertvolle Standortvorteil, kostenloses Parken im Zentrum, bröckelt mehr und mehr. Doch eine genaue Prognose, ob sich die neue regelung auf die Kundenfrequenz auswirken, ist wohl erst nach den Feiertagen, wenn der Alltag wieder Einzug hält, möglich. c.moeris@volksfreund.de

Dagmar Schommer: Nur keine Panik
Klar, wenn man auf einmal für etwas bezahlen muss, das es bisher umsonst gab, ist das erstmal kein Grund zur Freude. Aber bei den Parkplätzen rings um die Fußgängerzone war es richtig, die endlich kostenpflichtig zu machen. Zuvor standen dort tagein, tagaus Dauerparker, die in der Innenstadt wohnen oder arbeiten und die Parkscheibe einfach weitergedreht haben. Ergebnis: Diese guten Parkplätze waren für Kunden der Innenstadtgeschäfte fast immer blockiert. Jetzt ist es möglich, gleich neben der Fußgängerzone zu parken. Das ist kundenfreundlich und ein wirklicher Vorteil. Jetzt noch eine Brötchentaste und die Sache mit dem Parken läuft. d.schommer@volksfreund.de