Der Bau des Seniorenheims Prüm verzögert sich.

Baustelle in der Teichstraße: Arbeiten sind vorerst gestoppt. : Seniorenheim Prüm: Stillstand wegen Statik

Die Arbeiten am Seniorenheim in der Prümer Teichstraße ruhen. Allerdings nicht, weil die beauftragte Firma Ferien hätte.

Das Seniorenheim auf dem Parkhaus in der Prümer Teichstraße: Lange hat es gedauert, bis aus den Plänen auch ein Projekt wurde – im Februar erfolgte dann bei Eiseskälte der Spatenstich (der TV berichtete).

Geplante Bauzeit: ein Jahr. Voraussichtliche Fertigstellung: nach aktuellem Stand wohl doch erst ein paar Monate später.

Der Spatenstich fürs Seniorenheim in der Prümer Teichstraße im Februar: mit Schnee und bei Eiseskälte. Foto: Fritz-Peter Linden

Denn in der Teich- und der Monthermeer Straße – das Gebäude liegt auf der Fläche genau dazwischen – ruhen die Arbeiten. Anwohner und andere Bürger beschweren sich bereits – und fragen, was denn der Grund dafür sei.

Im Moment herrscht Ruhe: ein Kran an der Baustelle fürs Prümer Seniorenheim in der Montherméer Straße. Foto: Fritz-Peter Linden

Stadtbürgermeister Johannes Reuschen, vom TV darauf angesprochen, hat zwar vom Baustillstand schon gehört, zunächst aber auch keine Erklärung dafür. Allerdings sagt er, dass mit den Verantwortlichen (Bauherr ist die Münchener Primus Concept Immobilienholding) bisher alles sauber „und absolut vertragstreu“ gelaufen sei.

Anruf bei der Baufirma, der Trigenius Hochbau AG in Oberhausen: Dort erreichen wir Bauleiter Veiko Wintjes. Er kann aufklären: Man sei „noch in der Abstimmung mit den Prüfstatikern, weil es Probleme im Bestandsbau gab“.

Der Bestandsbau: Das ist das 20 Jahre alte Parkhaus, auf dem die zweigeschossige Wohnanlage entstehen soll.

Und dort seien die Fundamente nicht so stabil gebaut worden, wie es in den damaligen Unterlagen angegeben worden sei. Und jetzt überlege man, wie man damit umgehen könne. Die wahrscheinliche Konsequenz: Mehr Beton, mehr Stahl, auch an zusätzlichen Stellen.

Der Baumangel sei bei einer Prüfung festgestellt worden. Zum Glück: „Die Statik muss stimmen, bevor man bauen kann. Stellen Sie sich vor“, sagt Wintjes, „wir hätten uns auf die alte Statik verlassen. Dann hätten wir eine mittelschwere Katastrophe gebaut.“

Und weil eben noch keine Entscheidung gefallen sei, habe man die Arbeiter vorerst abgezogen, um sie woanders einsetzen zu können. Das Parkhaus, bei den Prümern nie beliebt, wurde übrigens damals von einem weiteren Unternehmen aus dem Ruhrgebiet gebaut: Der Essener Hochtief AG als Generalunternehmer.

Allerdings sei noch ein zweites Problem aufgetaucht: Im Boden rund um den Bau, sagt Wintjes, habe man jede Menge Altlasten gefunden, die ebenfalls zur Instabilität beigetragen hätten: „Wir haben da nachweisbar kontaminiertes Material rausgeholt.“ Darunter Schotter, Sägespäne, Ziegel, Kunststofffolie und „teerhaltige Schwarzdecke“. Dadurch habe man dort ebenfalls mehr ausbaggern und verfüllen müssen als vorgesehen. Und auch das sei alles nicht so gewesen, „wie es in den Papieren stand“.

In der Teichstraße ärgern sich unterdessen Anwohner und Geschäftsinhaber über die Halteverbotsschilder, die dort während der Bauphase gelten. Wenn es ja ohnehin nicht weitergehe mit den Arbeiten, müsse auch das Parken wieder genehmigt werden, fordern sie.

Wintjes erwartet unterdessen, dass diese oder kommende Woche feststehe, wie man auf die Probleme reagiere. „Ansonsten können alle beruhigt sein“, sagt er: Wenn man erst einmal richtig angefangen habe, dann gehe es schnell und sichtbar voran.

Allerdings sei der vorgesehene Zeitplan – schlüsselfertige Übergabe im Februar 2020 – nicht einzuhalten: „Ich wäre auch gern schon in der zweiten Etage. Aber wenn Sie keinen tragfähigen Grund haben und eine so vage Statik, dann macht das die Sache nicht leichter.“

Veiko Wintjes rechnet derzeit mit einem Abschluss der Arbeiten erst im August. Es sei denn, alles laufe nach Beseitigung der Probleme reibungslos: „Dann schaffen wir es vielleicht im Mai.“

Schon kurz nach der Eröffnung des Parkhauses vor 20 Jahren hagelte es Kritik an der Bauausführung, allerdings nicht wegen mangelnder Statik: Die Abmessungen der Stellflächen und der im Gebäude zu nehmende Kurvenradius seien deutlich zu klein und zu eng. Das galt auch für die Behindertenparkplätze.

Weshalb, alles in allem, der abschließende Satz von Veiko Wintjes auch vielen Prümern aus der Seele sprechen dürfte: „Hätten wir’s abgerissen und alles neu aufgebaut, wär’s einfacher gewesen.“

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