Der bedrohte Baum

Sie liefert seit Jahrzehnten wertvolles Holz, ist aber vom Klimawandel bedroht: die Fichte. Auch in der Eifel spielt sie eine bedeutende Rolle in der Forstwirtschaft. Langfristig wird sie wohl nur in den Hochlagen überleben.

Bitburg/Daun. Der Baum, der in Rheinland-Pfalz am häufigsten zu finden ist, ist die Buche. Auf dem zweiten Platz: die Eiche. Beide sind Laubbäume. "Erst auf dem dritten Platz kommt die Fichte", sagt Peter Wind. "Das war mal anders."
Umso schöner, findet Wind, Leiter des Forstamts Prüm und Fichten-Fan, dass sie nun von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung erstmals zum Baum des Jahres erwählt worden ist. Eine Wertschätzung für die Fichte als immerhin wichtigsten Holzlieferanten Deutschlands - und auch eine Chance, mehr Bewusstsein für diese Baumart zu schaffen.
Denn die Fichte polarisiert. In der Forstwirtschaft gilt sie als "Brotbaum", doch unter Naturschützern ist sie, die kein heimischer Baum ist, nicht gerne gesehen: Es gibt wenig Artenvielfalt in dunklen Nadelholzwäldern. Auch fördert der Anbau der Fichte in Reinbeständen die Gefahr durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall. Deshalb setzt man mittlerweile auf Mischwälder.
Rückgang ist schon spürbar


Am schwersten zu schaffen aber macht ihr der Klimawandel, "in dem wir mittendrin sind: die Temperaturen steigen, die Trockenzeiten werden länger", sagt Peter Wind. In nur 25 Jahren habe sich der Flächenanteil der Fichte um sieben Prozent reduziert. Das mag zunächst nach wenig klingen, doch Wind klärt auf: "Umgerechnet sind das etwa 80 000 Fußballfelder an Fichte, die wir in Rheinland-Pfalz verloren haben." Und das in recht kurzer Zeit - auch gemessen daran, dass diese Baumart 120 Jahre alt werden muss, bis sie genutzt werden kann. "Sie wird auf lange Sicht nur in wenigen Regionen überleben können, und das sind die Hochlagen: Hunsrück, Eifel, Westerwald", sagt Wind. "Anderswo wird's eng." Dabei war sie selbst einst eine Retterin: Holzkohlegewinnung und Beweidung hatten die ehemaligen Waldflächen auch in der Eifel größtenteils in verwüstetes Land verwandelt, damals waren es die Preußen, die eine Wiederbewaldung vorantrieben, und es war die anspruchlose Fichte, die auf dem kargen, nährstoffarmen Boden gedieh und schließlich auch finanziell Einnahmen brachte. Sie wird deshalb immer noch Preußenbaum genannt.
Und auch heute noch ist ihre wirtschaftliche Rolle bedeutend. Kein Holz werde von den Kunden stärker nachgefragt, sagt Wind. "Und ein Sägewerk, das auf Fichte spezialisiert ist, können Sie nicht mit Buche versorgen." Das trifft auf das Sägewerk Hermes Holz in Niederkyll zu. Wie Heiko Hermes sagt, werden dort 235 000 Festmeter im Jahr verarbeitet. Nur an Fichte. Aus seiner Sicht gebe es keine Alternative: "Sollten wir die Fichte in Zukunft nicht mehr ausreichend haben, wird sie wohl aus anderen Ländern importiert werden müssen." Für die Firma und die etwa 45 Vollzeitarbeitsplätze sei ihr Holz, das dort für Bau und Industrie verarbeitet wird, von existenzieller Bedeutung. Heiko Hermes hält die Fichte "für die ökologisch wie ökonomisch beste Baumartenwahl".
Auch Karl-Heinz Heyne, Leiter des Forstamts Bitburg, bestätigt: Es handle sich bei der Fichte immer noch um eine der wertvollsten Holzarten auf dem Markt. "Wir generieren Einnahmemöglichkeiten für die Waldbesitzer." Dabei hat es die Fichte im Bitburger Raum schon etwas schwerer. Das liege am Boden, der dort, eher flachgrundig und trocken, unter anderem aus Kalk bestehe, sagt Heyne. "Und das verträgt sie nicht." Einige gute Fichten-Standorte gebe es dennoch, etwa die Kyllburger Waldeifel. Heyne schätzt, dass sein Bezirk zu etwa 54 Prozent aus Laubholz besteht, zu 46 Prozent aus Nadelholz. Der Fichtenanteil: insgesamt rund 30 Prozent.
Im Raum Neuerburg werde sie "kaum mehr aktiv gepflanzt, sondern von den Privatwaldbesitzern zu fast hundert Prozent durch die Douglasie ersetzt", sagt der dortige Forstamtsleiter Olaf Böhmer. Die Fichte, die einst so viel Geld und Wohlstand gebracht habe, bringe es dort vielleicht noch auf einen Anteil von knapp 20 Prozent, schätzt er, und sei lediglich noch oben im Islek wirtschaftlich interessant. Peter Wind hat im Prümer Raum dagegen tatsächlich noch "ungewöhlich viel" Fichte. Seine Schätzung: ein Nadelholzanteil von 70 Prozent, noch immer aber überwiege die Fichte. Dort, wo sie wachsen kann, müsse man die Fichte auch erhalten, fordert er. Dort, wo sie eine Chance hat zu überleben.