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Der Behindertenbeauftragte Gerd Wanken berichtet von seiner Arbeit

Integration : Der Behindertenbeauftragte des Eifelkreises Gerd Wanken wirft einen Blick auf sein erstes Jahr im Amt

Gerd Wanken ist seit August 2019 der kommunale Behindertenbeauftragte des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Im Sozialausschuss vergangenen Montag zog er Bilanz.

Gerd Wanken blickt auf ein spannendes Jahr zurück. Der ehemalige Leiter des Hauses der Jugend (HDJ) in Bitburg engagiert sich seit gut 15 Monaten ehrenamtlich für die Integration von behinderten Menschen. Dabei sind, zu seiner eigenen Überraschung, die verschiedensten Menschen an ihn herangetreten: Oft sind es Angehörige, wie Eltern von geistig oder körperlich beeinträchtigten Kindern, aber auch MS-Patienten, Rollstuhlfahrer oder psychisch Kranke, die Fragen und Anliegen haben. Und denen Wanken mit Rat und Tat zur Seite steht.

Etwa 70 Menschen haben ihn seit Amtsantritt kontaktiert, im Zusammenhang mit Corona waren es sogar 30 Familien mehr. In diesen Hilfeersuchen ging es oft um Besuche von Angehörigen in Pflegeeinrichtungen. An einen Fall erinnert Wanken sich besonders gut. „Ein schwerstbehindertes Kind war in einem Pflegeheim außerhalb des Kreises untergebracht. Auf die Frage der Mutter, wann sie ihren Sohn wiedersehen darf, bekam sie die Antwort: ‚Frühestens wenn die Krise vorbei und Ihr Sohn geimpft ist‘. Da ist ihre Welt zusammengebrochen.“

Über 12 Wochen kämpft Wanken mit Hilfe des Sozialministeriums für eine Lösung. Mit Erfolg: Die Mutter durfte ihr Kind sehen und es sogar kurzzeitig mit nach Hause nehmen. „Da lohnt es sich zu kämpfen“, sagt Wanken.

Des Weiteren arbeitet der Behindertenbeauftragte an unterschiedlichen Projekten des Naturparks Eifel mit und setzt sich für die Planung von barrierefreien Wanderwegen ein. Bei der Anschaffung von zwei elektrischen Zuggeräten hat Wanken schon mitgeholfen. Rollstuhlfahrer können diese Geräte vor ihren Rollstuhl spannen und so auch Wanderwege nutzen, die eine mehr als sechsprozentige Steigung haben.

Neuland war für Wanken die behindertengerechte Ausstattung und Gestaltung öffentlicher Gebäude, Anlagen, Schulen und Verkehrsräume. „Für mich interessante Sachen, wo ich dabei sein und Einfluss nehmen konnte“, sagt Wanken und erklärt: „Das geschah sowohl in Sitzungen des Arbeitskreises Bauen des Eifelkreises als auch bei mehreren Treffen mit Vertretern des Landesbetriebs Mobilität Gerolstein (LBM). Es gibt kein größeres Bauprojekt des LBM, wo nicht schon im ersten Planungsschritt Kontakt aufgenommen wird, wo ich in Pläne involviert werde und wo ich nach Lösungsmöglichkeiten gefragt werde.“ Auch mit Stellungnahmen, Gutachten und Terminen steht er Gemeinden bei der Gestaltung barrierefreier Bushaltehäuser zur Seite.

Mit verschiedenen Organisationen hat Wanken bereits Kontakt aufgenommen. Das Ziel: der Ausbau eines Netzwerkes sowie Grundlagen einer zukünftigen Zusammenarbeit. So gab es zum Beispiel schon Gespräche mit dem Zentrum für selbstbestimmtes Lernen, dem Bürgerservice oder dem Demenznetzwerk Eifel. Coronabedingt ist der Kontakt zwar vorerst ins Stocken geraten, für Wanken sei der Ausbau jedoch wichtig und werde mit Sicherheit noch weitergeführt werden.

Aus Gesprächen mit Kollegen konnte er bereits einiges lernen. „Der Austausch mit den anderen kommunalen Behindertenbeauftragten auf Landesebene, aber auch die Kontaktpflege zu Herrn Rösch, dem Landesbehindertenbeauftragten, waren für mich ganz wichtige Punkte, wo ich vieles an Informationen und an Wissen mitgenommen habe.“

Trotz der vielen positiven Erfahrungen gibt es laut Wanken auch ausbaufähige Aspekte. Durch die Rückmeldung vieler behinderter Menschen konnte er zwei besondere Schwierigkeiten herausfiltern. So ist beispielsweise die Mobilität ein großes Problem. „Das fängt beim Einkaufen an und geht über die Fahrt zum Arzt“, berichtet er. Auch die Freizeitangebote für Behinderte seien in Bitburg Mangelware. „Kinder und Jugendliche sind durch das HDJ gut abgedeckt. Aber die 20-  bis 30-Jährigen und Menschen ab 50 klagen darüber, dass ihnen Angebote fehlen.“

Das könnten zum Beispiel regelmäßige Treffen zum Spielen oder Kochen sein.  Oder ein Stammtisch für Behinderte und Nichtbehinderte. Hauptsache, verschiedene Menschen mit verschiedenen Behinderungen werden mit einbezogen und überlegen gemeinsam, was sie in der Stadt unternehmen möchten.

„Es gibt im Eifelkreis sehr viele und gute Initiativen für Menschen mit Behinderung, aber auch mit Menschen mit Behinderung, die aktiv sind und die mitmachen. Was fehlt, ist mit Sicherheit die Vernetzung der Aktivitäten. Da könnte ein neuer Schwerpunkt liegen, ein bisschen mehr zu machen.“