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Der Besucher braucht Betreuung

Der Besucher braucht Betreuung

Der Verkehrsverein Oberes Kylltal ist insolvent - trotzdem soll die Gästebetreuung nach der Pleite und dem Ausstieg der Partnerkommune Dahlem fortgesetzt werden. Wie - der Rat der Verbandsgemeinde soll morgen darüber entscheiden.

Jünkerath/Stadtkyll. Mitte Oktober kam's raus: Der Verkehrsverein Oberes Kylltal ist pleite, das Insolvenzverfahren beantragt - und die nordrhein-westfälische Partnergemeinde Dahlem steigt aus dem Verbund mit den Nachbarn südlich der Landesgrenze aus (der TV berichtete).
Wie das mit der Insolvenz weitergeht, steht noch nicht fest: Rechtsanwältin Katrin Himmes aus Daun hat die finanziellen Verhältnisse geprüft und schreibt ein Gutachten, das als Basis für das weitere Verfahren dienen soll - das ist aber noch nicht fertig. Voraussichtlich, sagt sie aber, "ist genug Masse da, um das Verfahren am 1. Januar eröffnen zu können". Und dann werde der Verein vermutlich abgewickelt und aufgelöst.
Trotzdem haben die kommunalen Verantwortlichen die Köpfe zusammengesteckt, um irgendeine Art Fortsetzung zu ermöglichen - und für die Ratssitzung morgen um 18 Uhr einen Vorschlag entwickelt.
Dabei soll, sagt Diane Schmitz, die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG), "alles neu aufgebaut und ganz klar definiert werden: Was ist wann zu tun - in Abstimmung mit den Betrieben."
Zu diesen Aufgaben, sagt die Bürgermeisterin, zählen unter anderem jene Dinge, "die heutzutage normal sind, aber in der letzten Zeit nicht so recht weiterentwickelt wurden - wie die Internetseite". Auch Gestaltung und Inhalte von Broschüren sollen erneuert werden. An alter Adresse: "Vorgesehen ist auf jeden Fall, dass wir das Tourismusbüro in der Marktscheune Stadtkyll geöffnet halten", sagt Diane Schmitz.
Im Rat sei man sich einig darüber, dass der Tourismus eine wichtige Aufgabe sei. Deshalb hofft die VG-Chefin auch darauf, dass morgen ein entsprechender Beschluss fällt.
Harald Schmitz, Ortsbürgermeister von Stadtkyll, sieht es genauso: "Die Ortsgemeinde legt größten Wert darauf, die Touristen vor Ort zu betreuen." Für ihn steht auch bereits fest, dass dafür ein satter Batzen aus seinem Ort kommen soll. Was allerdings auch von der größten Tourismus-Gemeinde der Kommune mit jährlich an die 60 000 Gästen und 210 000 Übernachtungen zu erwarten ist.Konkrete Zahlen kommen


Wie das Ganze insgesamt finanziert werden soll - auch darüber müssen der VG-Rat und dann am Mittwoch, 7. Dezember, der Rat der Ortsgemeinde Stadtkyll entscheiden. Klar ist aber auch, dass ein Teil des nötigen Gelds aus anderer Quelle kommen wird: Nach neuem Kommunalabgabegesetz wird 2017 in Stadtkyll der sogenannte Gästebeitrag eingeführt - er soll die bisherige Kurtaxe (zu zahlen von den Besuchern, zuletzt 75 Cent pro Übernachtung) ersetzen, über die Höhe wird der Gemeinderat noch entscheiden.
Das so eingenommene Geld darf die Gemeinde nur für Vorhaben ausgeben, die dem Tourismus nutzen.
Konzept und Zahlen sollen in der Sitzung morgen präsentiert und diskutiert werden. Denn ohne das Geld aus Dahlem wird die Sache schwieriger.
Geht es also weiter mit der Gästebetreuung? Diane Schmitz: "Davon bin ich überzeugt."Meinung

Jetzt aber ran!
Die Obere Kyll ohne zentrales Tourismusbüro? Geht nicht angesichts der vielen Gäste. Aber es muss einiges neu gedacht werden. Die Pleite sollte alle Verantwortlichen auf Trab bringen und frische Gedanken und Ansätze ermöglichen. Ein Vorteil: Die Dahlemer, mit denen das Verhältnis ohnehin seit der Amtsübernahme von Bürgermeister Jan Lembach nicht mehr das allerzärtlichste war, sind raus. Einer weniger, den man bei Entscheidungen fragen muss. f.linden@volksfreund.deExtra

 Das Tourismusbüro in der Stadtkyller Marktscheune soll bleiben.
Das Tourismusbüro in der Stadtkyller Marktscheune soll bleiben. Foto: (e_pruem )

Der Verkehrsverein Oberes Kylltal, die touristische Partnerschaft mit der Gemeinde Dahlem in Nordrhein-Westfalen, bestand mehr als 40 Jahre lang. Bisher wurde die Vereinigung finanziert aus Beiträgen der etwa 140 Mitgliedsbetriebe (zirka 13 000 Euro im Jahr), der VG Obere Kyll (60 000 Euro, bestritten aus der VG-Umlage), der Ortsgemeinde Stadtkyll (10 000) und der Gemeinde Dahlem (30 000). fpl